| 21:51 Uhr

Kleines Museum der Lebenshilfe in Neunkirchen
Behinderung liegt im Auge des Betrachters

Gruppenbild mit inklusivem Museum: In der hinteren Reihe von links Norbert Witte, Sören Meng, Bernhard Müller, Peter Schön und Jürgen Müller mit einigen Kunstwerken, die die Schülerinnen und Schüler der Heilerziehungspflegeschule geschaffen haben.  Foto:
Gruppenbild mit inklusivem Museum: In der hinteren Reihe von links Norbert Witte, Sören Meng, Bernhard Müller, Peter Schön und Jürgen Müller mit einigen Kunstwerken, die die Schülerinnen und Schüler der Heilerziehungspflegeschule geschaffen haben. Foto: FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Schüler der Fachschule für Heilerziehungspflege stellen ihre Objekte aus. Von Michael Beer

Die Pappmaché-Figuren rechts und links der Redner sind fast mannsgroß. Und streng zweifarbig. Sie symbolisieren, verkürzt gesagt, die gesellschaftliche Trennung in behindert/nicht behindert und zugleich die Tatsache, dass doch jeder Mensch gleich ist - und einen Anspruch auf Respekt und volle Teilhabe genießen sollte. An diesem Dienstagvormittag feiert die Lebenshilfe auf der Bliespromenade in Neunkirchen die künstlerischen Arbeiten ihrer Schüler mit einem „kleinen inklusiven Museum“. Arbeiten aus Pappmaché, Installationen, ein Button mit dem Slogan „Behinderung... liegt im Auge des Betrachters“, ein Filmbeitrag über das gesamte Projekt sind zu sehen. Die Schüler haben dazu mit dem Künstler Norbert Witte zusammengearbeitet.


Der Landesverband der Lebenshilfe hat hier an der Blies seine Fachschule für Heilerziehungspflege. Bernhard Müller, Landesvorsitzender des Verbandes, erläutert in seiner Begrüßung, zu ihrem 60. Geburtstag habe der Bundesverband Lebenshilfe den Wettbewerb „Ganz plastisch“ initiiert. Die Neunkircher Schüler sind mit dabei. Sie sind zwar bei rund 420 Projekten nicht unter die ersten sechs gekommen, die am Freitag in Berlin prämiert werden, aber die ausdrucksstarken Ergebnisse sollen der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden.

„Teilhabe statt ausgrenzen“ sei das Motto der Lebenshilfe, sagt Müller, und das werde allzu oft nur in Worten formuliert. Mit „Ganz plastisch“ findet es jetzt einen künstlerischen Ausdruck. Die Objekte der Schüler könnten auch andere Institutionen ausstellen, regt er an. Den Ball nimmt Landrat Sören Meng auf. Kunst sei eine Sprache, die verbindet, sagt er, die also inklusiv sei. Die Arbeiten der Heilerziehungspflege-Schüler würde er gerne in einem Gebäude seiner Verwaltung ausstellen. Am besten im Neunkircher Jugendamt.



Nuna Kloster leitet für die Schüler in die kleine Ausstellung ein. Im Oktober vergangenen Jahres legten die jungen Leute los, erzählt sie. Sie beschäftigten sich mit ihren unterschiedlichen Projekten bis April. Kloster: „Wir wollten das Thema Behinderung auf verschiedene Arten darstellen.“ Ziel sei es gewesen, auf das Thema Inklusion hinzuweisen, ein Umdenken anzustoßen. Mit ihr stellen Michelle Mohr, Ben Mücke und David Schäfer vor, was ihre jeweilige Gruppe erarbeitet hat. Die Schüler haben dabei auch die Digitalisierung in den Blick genommen. Denn auch dort sei längst nicht alles barrierefrei. Ob figürlich (eine große Erdkugel etwa zeigt Menschen auf Inseln und Kontinenten, die alle durch Zäune voneinander getrennt sind)  oder als Video-Installation, die Kunstobjekte zeigen auf unterschiedliche Arten, wie viel unnötig Trennendes es zwischen Menschen mit und Menschen ohne Einschränkung gibt. Oder wie es der Button formuliert: Wer legt fest, was eine Einschränkung ist? Das kann auch das Tragen einer Brille sein. Es „liegt im Auge des Betrachters“.