| 20:27 Uhr

Promis in Hülle und Fülle
Den Jubilar „in Grund und Boden gelobt“

Im Foyer stimmten sich die Gäste auf einen schönen Abend ein.
Im Foyer stimmten sich die Gäste auf einen schönen Abend ein. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Gala rund um die Verleihung des 8. Günter Rohrbach Filmpreises brachte viel Glamour in die Gebläsehalle.

„Das Motto ist heute Verzögern“, meinte Peter Lohmeyer frisch vergnügt zum Auftakt der Preisgala. Und lag damit knapp daneben. Natürlich war der kurzfristig gestrichene Flug aus Tegel relevant. Sollten damit doch fast alle Promis der Filmpreisgala fristgerecht überstellt werden. Entsprechend gezittert haben Cornelia Feld und ihre Kollegen vom Stadtmarketing – ohne darüber die Contenance zu verlieren. Ohnehin ging ja noch alles gut. So traf die fünfköpfige Berliner Abordnung noch rechtzeitig zum Auf-die-Bühne-bitten ein.


Nein. Worum oder besser um wen es eigentlich ging, war der unauffällige, schwarz gekleidete „Jüngling“ (O-Ton Senta Berger) in der ersten Reihe: Günter Rohrbach. Der mischte sich überpünktlich eine halbe Stunde vor Beginn unters Volk, noch vor Herbert Knaup und allen anderen Kollegen, unprätentiös, freundlich und fast schon etwas pikiert ob des ganzen Geweses um seine Person inklusive jener Videobotschaft einer Reihe erlauchter Kollegen. „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich das natürlich verboten.“ Gleichwohl rührten ihn all die Dankes- und Lobesworte. Am meisten wohl die von Iris Berben. Für die in grünem Samtkostüm gewandete aktuelle Präsidentin der Deutschen Filmakademie hatte sich Lohmeyer theatralisch auf den Boden geworfen. Berben würdigte die Verdienste ihres Vorgängers auf sehr lebendige, emotionale Weise. „So eine Rede habe ich im Leben noch nicht bekommen“, äußerte Rohrbach und gleich darauf: „Jetzt machen wir mal weiter und bringen die Leute auf die Bühne, für die wir da sind.“

Etwa für Mia Spengler. Die erst so ahnungslose wie dann umso glücklichere Regisseurin rang sichtlich um Fassung und hielt deshalb – „ich bin völlig durch den Wind“ – die kürzeste aller Reden. Über die Preisskulptur selbst wurde diesmal erstaunlich wenig gewitzelt. „Wow“, meinte Mime Franz Rogowski, überrascht vom Gewicht. Und: „Das ist mal ein minimalistisches Design.“



Gleich zwei, möglicherweise inszenierte, Fauxpas leistete sich Lohmeyer, dessen nonchalanter Moderationsstil ansonsten nicht unwesentlich zum Gelingen des Abends beitrug. Zum einen duzte er Rohrbach in einem Anfall von Übermut. Worüber der Jubilar schmunzeln konnte, nicht aber über das von dem Träger roter Socken süffisant dargebotene Billy Wilder Zitat, das Rohrbach mal bei einer Preisvergabe vor sich hin gemurmelt haben soll: „Auszeichnungen und Preise sind wie Hämorrhoiden. Früher oder später bekommt sie jedes Arschloch.“ Für Rohrbach „eine Unverschämtheit“: So etwas dürfe, wenn überhaupt, „nur der Preisträger sagen, nicht der Moderator“.

Regisseur Leander Haußmann, den Rohrbach tatsächlich duzt, schämte sich nicht, seine Gefühle für den Freund beim Namen zu nennen, auch wenn das unter Männern verpönt sei: „Ich liebe dich.“ Ohne Haußmann und dessen „Sonnenallee“ wäre Alexander Scheer womöglich nie „Gundermann“ und damit Rohrbachpreisträger geworden. „Es gibt Rollen, die kriegst du nur einmal im Leben“, freute sich Scheer per Video. Die des ostdeutschen Liedermachers habe er um jeden Preis gewollt, um sie „mit allem zu spielen, was ich habe“. Aus dem Schauspielhaus Hamburg warb er in seiner schier endlosen Danksagung schließlich für mehr Mut in der Branche: „Lasst uns die Filme drehen, die uns wichtig sind, die, für die wir brennen.“ Was Regisseur Thomas Stuber längst tut: „Arbeiterfilme sind nicht en vogue.“ Ein Schmarrn, „schlummern doch gerade dort wunderbare Geschichten“, siehe „In den Gängen“.

Für ihn und alle anderen ließen „Die Schoenen“ mit Sängerin Anne Schoenen musikalisch rote Rosen regnen. Die Messlatte für künftige Galas liegt damit ziemlich hoch. Noch nie war der Promi-Faktor höher und natürlich wird auch ein Günter Rohrbach nur einmal 90. Luft nach oben bleibt da nur marginal. Etwa bei der Musik, die gern etwas origineller und noch regionaler ausfallen dürfte. Warum bedient man sich da nicht mutig aus den eigenen (Musicalprojekt-)Reihen? Etwas mehr Üppigkeit könnte auch die Deko vertragen: Vielleicht findet sich zu den vielen Sponsoren auch noch ein Blumenhaus. Und Günter Rohrbach? Dürfte froh gewesen sein, dass es rum war: „Ich werde hier in Grund und Boden gelobt“, hatte er sanft lächelnd geäußert. „Jetzt versuche ich mal wieder aufzustehen. Was bei meiner Größe nicht so schwer fällt.“

Sie sorgten dafür, dass die Gäste während des Abends bestens versorgt waren mit Speis’ und Trank.
Sie sorgten dafür, dass die Gäste während des Abends bestens versorgt waren mit Speis’ und Trank. FOTO: Jörg Jacobi
„Die Schönen“ sorgten für die musikalische Umrahmung.
„Die Schönen“ sorgten für die musikalische Umrahmung. FOTO: Jörg Jacobi
Voller Körpereinsatz. Der neue Moderator Peter Lohmeyer gab alles.
Voller Körpereinsatz. Der neue Moderator Peter Lohmeyer gab alles. FOTO: Jörg Jacobi
Dank an die Vorjury, die aus über 80 Filmen die Finalistenfilme aussuchte, und die Jury. Juryvorsitzender beim achten Günter-Rohrbach-Filmpreis war Herbert Knaup (hier im Gespräch mit Lohmeyer). 
Dank an die Vorjury, die aus über 80 Filmen die Finalistenfilme aussuchte, und die Jury. Juryvorsitzender beim achten Günter-Rohrbach-Filmpreis war Herbert Knaup (hier im Gespräch mit Lohmeyer).  FOTO: Jörg Jacobi
Gut gelaunt in der ersten Reihe mit Günter Rohrbach (rechts), Iris Berben (Mitte), Ministerpräsident Tobias Hans (Mitte daneben) und OB Jürgen Fried,  
Gut gelaunt in der ersten Reihe mit Günter Rohrbach (rechts), Iris Berben (Mitte), Ministerpräsident Tobias Hans (Mitte daneben) und OB Jürgen Fried,   FOTO: Jörg Jacobi