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Ministerpräsident besucht Polizeiinspektion
Nach dem Bundesrat mal kurz auf die Wache

Ministerpräsident Tobias Hans hat am Freitagnachmittag die Polizei Neunkirchen besucht.
Ministerpräsident Tobias Hans hat am Freitagnachmittag die Polizei Neunkirchen besucht. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Ministerpräsident Tobias Hans hat am Freitagnachmittag die Neunkircher Polizei besucht. Ohne große Ankündigung. Er wolle ein Stück Alltag sehen, sagte er. Von Michael Beer

Es ist einiges los an diesem Freitagnachmittag in der Polizeiinspektion Neunkirchen. Ein paar Beamte rücken gerade zu einem Einsatz in der Stadt aus, ein anderes Kommando wird nach Saarlouis beordert. „Größere Lage“, sagt Inspektionsleiter Thomas Dräger-Pitz, ohne Details zu nennen. Ernste Gesichter, Jacke packen und raus aus der Kaffeeküche am Ende des Flurs. Die Inspektion in der Falkenstraße ist ein Taubenschlag, während durch den Haupteingang ein Überraschungsgast anrückt. Tobias Hans kommt zur Tür herein. Hat das niemand gewusst? Jedenfalls nicht jeder. Die Polizisten reagieren professionell: Freundliches Lächeln, Handschlag mit dem neuen Ministerpräsidenten, der vom Eingang durch einen schmalen Flur in den Gemeinschaftsraum kommt. Hans ist ja auch Neunkircher, saß bis vor ein paar Wochen im Stadtrat, da braucht niemand zu fremdeln.


Er wolle den Alltag der Beamten miterleben, erläutert Hans, warum er ohne großen Vorlauf auf der Wache auftaucht. Wolle mit den Beamten in einen ungeschminkten Austausch kommen, um zu hören, was sie umtreibt. Er kommt gerade aus Berlin. Bundesratssitzung. Der dunkle Anzug sitzt dabei so perfekt, als habe der 40-Jährige gerade erst seine Morgentoilette beendet. Auch in der Ansprache an die Polizisten ist ihm ein schon langer Arbeitstag nicht anzumerken. Die nehmen den Überraschungsgast offensichtlich gerne an. Ein Tablett mit frischen Tassen kommt auf den Tisch. Inspektionsleiter Thomas Dräger-Pitz begrüßt den Ministerpräsidenten: „Es freut mich sehr, dass Sie als erstes den Weg zur Inspektion in ihrer Heimat gefunden haben. Wir haben gerade turbulente Lagen.“ Es sind vorwiegend junge Männer und Frauen, die sich mit dem Gast an den Tisch setzen. Sie sollen erzählen, frei raus, wo der Schuh drückt.

Seit Monatsanfang erst ist Tobias Hans Ministerpräsident des Saarlandes. Mit 40 Jahren der jüngste in der Runde der amtierenden Landesväter und -mütter und der jüngste in der Geschichte des Saarlandes sowieso. Der Christdemokrat hatte schon beim Amtsantritt gesagt: „Ich werde eine Tour durch das Land machen und mir auch die Ecken im Land anschauen, die nicht so toll sind - und auch Brennpunktthemen anpacken.“ Damit trifft er natürlich die Tonlage derer, die sich verstärkt um die öffentliche Sicherheit sorgen. Und der Münchwieser löst das Versprechen in seiner Heimatstadt an diesem Nachmittag schon mal ein.

„Ich will wissen, was im Land los ist“, sagt Hans. Ihm sei bewusst, dass die Beamten in einer Stadt arbeiteten, die einige Brennpunkte habe. Dass die Personaldecke dünn sei bei einer gesteigerten Sicherheitslage. Dass man den Polizisten auf der Straße nicht mehr immer mit Respekt begegne. Ein paar Köpfe nicken. Kaffee geht rund. Auf dem Tisch liegt eine Packung Pralinen, “Feine Auswahl“. Dienststellenleiter Dräger-Pitz erläutert das Modell, nach dem die Schichten eingeteilt werden. Die Arbeit in der Stadt Neunkirchen sei tatsächlich nicht immer einfach, bestätigt er. Wer zu der Inspektion stoße, mache das ganz bewusst. Versetzungswünsche nach Neunkirchen seien eher nicht zu erwarten. Wenn, dann raus aus der 48 000-Menschen-Stadt. Raus aufs Land, wo es etwas ruhiger zugeht. Ob so ein Freitagnachmittag, der Start ins Wochenende, besonders stressig sei, will Hans wissen. Das könne man nie so sagen, meint ein junger Mann. Manchmal sei es gut, manchmal gehe es rund.