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Gloomaar Showcase
Musikalische Schockmomente und klare Rhythmen

Neunkirchen. In der Stummschen Reithalle in Neunkirchen stand das Gloomare Showcase mit richtig hartem Rock an. Von Joshua Michel

Ein Banner mit vieräugigem Totenkopf ziert die Kulisse. Aus der Dunkelheit klingt das Lied „Bridge over troubled water.” Schnitt. Plötzlich bricht lautes, wildes Chaos durch die Lautsprecher. So begann der Headliner The Hirsch Effekt aus Hannover seinen Auftritt am Gloomaar Showcase. Etwa 50 Leute besuchten um 20.30 Uhr die Stummsche Reithalle. Ursprünglich sollte das Konzert um 19.30 Uhr beginnen. Allerdings musste die saarländische Band Flares witterungsbedingt absagen. The Hirsch Effekt und Caspian Sea Monster aus Chemnitz kamen wegen der schlechten Wetterverhältnisse erst verspätet an. Aber trotz dieser Hindernisse konnten die beiden Bands jeweils ihre Auftritte hinlegen.


Die 2012 gegründete Band Caspian Sea Monster führten Post-Rock in Reinform auf. Vom Schlagzeug waren hier starke und klare Rhythmen zu hören. Dagegen baute die Gitarre sanft mit viel Hall und Delay eine glatte Klangfläche. Das Fundament dazu bildeten Bass und Keyboard, mit lang gehaltenen Harmonien. Und obendrauf fügte sich klarer Gesang in das Werk ein. Gelegentlich durchströmten starke, energetische Refrains die ruhig fließenden Zwischenteile. Und zwar in Form von verzerrten Gitarren, etwas angerautem Gesang und rhythmischen Akkordmustern. Nach ihrem etwa 50-minütigen Set ernteten sie begeisterten Applaus. Nach einer kurzen Umbau Pause trat dann der Headliner auf.

The Hirsch Effekt (2008) bildeten einen krassen Kontrast. Ihr Musikstil wird auch gerne als Artcore bezeichntet. Grund dafür ist ihr Genre-Crossover aus Elementen des Indie-Rock, (Progressive) Metal, Post-Punk, und Math-Core. Was für ungeübte Ohren wie Chaos klingen mochte, barg in Wahrheit eine Struktur in sich. Wenn auch zugegebenermaßen komplex und anspruchsvoll. In den etwa fünf- bis achtminütigen Liedern gab es Teile mit atonalen und schnellen technischen Gitarrenläufen. Unterstützt von wilden Schlagzeugrhythmen mit wechselnden Taktarten. Und durchbrochen von fast wahnsinnig klingenden high screams oder dämonisch anmutenden growls (gutturale Gesangstechniken, die Schreie imitieren).

Dagegen standen meist ruhige Parts mit Hall auf den unverzerrten Gitarren. Klare, glatte Rhythmen und sauberem zweistimmigem Gesang. Meist baute sich während den ruhigeren Stellen nach und nach eine unheimliche Spannung auf. Welche sich dann wiederum in musikalisch umgesetzten Schockmomenten entluden. Gelegentliche Sample-Einspieler rundeten das Bild ab. Mal hörte man eine weinende Frau am Telefon. Dann wiederum erklangen mal Xylophon und Streicherklänge mit leisen Geräuschen spielender Kinder im Hintergrund.

Thomas Willger war mit einigen Bekannten hauptsächlich wegen The Hirsch Effekt in die Reithalle gekommen. Willger kommt aus Waldweiler bei Trier. „Das war jetzt das erste Konzert, dass ich von ihnen gehört habe und ich muss sagen, Hirsch Effekt sind einfach super“, so Willger. „Ich war so aufgeregt, dass ich drei Tage vorher nicht schlafen konnte.“ Für ihn sei dies die Musik der Zukunft und sei so etwas wie der Beethoven der jetztigen Zeit. „Und das hat mehr mit Fusion-Jazz als mit Satansmusik zu tun“, betont Willger. „Das war eines der Top 5 Konzerte meines Lebens.“