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Wie Azubis auch in schwierigen Situationen ans Ziel kommen
Mit der zweiten Chancen zur Ausbildung

Jeimy Altmeyer macht bei IT Krämer in Eppelborn eine Ausbildung zum Fachinformatiker.  Foto: Oliver Zeitz
Jeimy Altmeyer macht bei IT Krämer in Eppelborn eine Ausbildung zum Fachinformatiker. Foto: Oliver Zeitz FOTO: Oliver Zeitz
Kreis Neunkirchen. Warum Unternehmen auch auf Azubis setzen können, die in ihrer Berufsorientierung keine Frühstarter sind. Von Michael Beer

Es läuft einfach nicht immer wie am Schnürchen. Jeimy Altmeyer aus Eppelborn hat diese Erfahrung in seiner Schul- und Ausbildungszeit intensiver gemacht, als ihm lieb war. Familiäre Schicksalsschläge, Stress mit der Gesundheit - er kam nicht so richtig von der Stelle. Es war ein Pingpong-Spiel zwischen Schulen, Ausbildung und Kursen zur Berufsorientierung, wie es so mancher junge Mensch heute erlebt. Der 25-Jährige war zwischenzeitlich zwei Jahre selbstständig als Kurierfahrer unterwegs. Auch nichts für die Ewigkeit. Er heuerte schließlich bei dem Unternehmen Krämer IT Solutions in Eppelborn an. Dort ist er jetzt im zweiten Lehrjahr. Und fühlt sich, wie er mit breitem Grinsen sagt, sehr wohl.


Um die Kurve zu kriegen, erhielt der junge Mann Unterstützung durch die Agentur für Arbeit. Sie hat ihn in das Programm „assistierte Ausbildung“, kurz „AsA“, aufgenommen. Das gibt es seit 2015. Im Saarland, sagt Nicole Feibel, bei der Arbeitsagentur in Saarbrücken für Pressearbeit zuständig, wurde so 606 Menschen unter die Arme gegriffen. Für dieses Jahr sind bislang 425 Teilnehmer angemeldet. Das Budget für „AsA“ liegt dieses Jahr bei 1,2 Millionen Euro. Aktuell läuft die Woche der Ausbildung mit verschiedenen Aktionen. Firmen sollen dabei auch auf Programme wie eben die „assistierte Ausbildung“ aufmerksam werden. Denn der Fachkräftemangel ist groß. Auch Krämer IT ist auf der Suche nach guten Leuten, wie Ausbilder Oliver Zeitz bestätigt. Das Eppelborner Unternehmen bietet dabei alles rund um das Thema PC, von der Software bis zur Hardware, und das für Unternehmen genauso wie für Privatkunden.

Jeimy Altmeyer steckt jetzt mitten in der Ausbildung zum Fachinformatiker in Systemintegration. Das heißt, er kümmert sich um Hardware, Betriebssysteme und Netzwerke. Es ist das Richtige für ihn, denn die IT-Branche, erzählt er, habe ihn schon immer gereizt. Krämer IT mit derzeit 80 Leuten will weiter wachsen, sagt sein Ausbilder Zeitz. Wer in dem Betrieb seine Ausbildung absolviert, der hat beste Chancen, dort auch im Anschluss seine Brötchen zu verdienen.

Damit fachliche oder private Probleme Altmeyer nicht aus der Bahn werfen, kümmert sich über „AsA“ finanziert der Bildungsträger „Club Aktiv“ um ihn. Das Programm der Arbeitsagentur hat zwei Phasen. Zunächst geht es um Ausbildungsvorbereitung. Danach im zweiten Schritt um die Begleitung durch die Lehrjahre. Individuelle und durchgängige Unterstützung soll dabei helfen, dass es nicht zum Abbruch der Lehre kommt. Auf der anderen Seite wird auch der Betrieb mit ins Boot genommen, um Schwierigkeiten früh zu erkennen. Ganz unterschiedlich sind in der ersten Phase die Hemmnisse, die es aus dem Weg zu räumen gilt, erläutert Martin Dietz von „Club Aktiv“. Der Bildungsträger hat mehrere Dependancen im Saarland und kümmert sich derzeit in Neunkirchen um zehn, in Homburg um elf und in St. Wendel um zwölf Auszubildende. Neben der Berufsschule verbringt Altmeyer noch ein paar Zusatzstunden bei „Club Aktiv“, um fachliche Lücken aufzuarbeiten. Bei anderen Azubis, sagt Dietz, fängt die Betreuung schon viel weiter an der Basis an - etwa Deutschkenntnissen. Jeimy Altmeyer findet die Unterstützung durch den Bildungsträger gut. Ihm habe das schon was gebracht. Bei Krämer IT arbeitet er in einer recht jungen Mannschaft. Beim Gang durch das Gebäude in der Koßmannstraße wirken alle entspannt. Das Unternehmen könnte für den jungen Mann eine berufliche Heimat bieten. Nach schweren Zeiten eine schöne Perspektive.

Jeimy Altmeyer macht bei IT Krämer eine Ausbildung zum Fachinformatiker.
Jeimy Altmeyer macht bei IT Krämer eine Ausbildung zum Fachinformatiker. FOTO: Oliver Zeitz