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Taubenzüchter
Werben für ein aussterbendes Hobby

Zum ersten Mal seit 130 Jahren gab es im Verband der Brieftaubenzüchter Deutschlands einen Tag des offenen Schlags. Den Menschen das aussterbende Hobby näher bringen, war die Absicht. Unser Bild zeigt Manfred Meiser aus Merchweiler, einer der letzten Züchter im Kreis Neunkirchen.
Zum ersten Mal seit 130 Jahren gab es im Verband der Brieftaubenzüchter Deutschlands einen Tag des offenen Schlags. Den Menschen das aussterbende Hobby näher bringen, war die Absicht. Unser Bild zeigt Manfred Meiser aus Merchweiler, einer der letzten Züchter im Kreis Neunkirchen. FOTO: Andreas Engel
Kreis Neunkirchen. Auch im Saarland gibt es nur noch wenige Brieftaubenzüchter. Beim Tag der Brieftaube gewährten die jetzt Einblicke in ihr Hobby.

Nicht jeder kann sie leiden, in Städten sind sie oft zur Plage geworden, aber es geht auch anders. Eine kleine Geschichte über ein aussterbendes Hobby: die Taubenzucht. Nützliche Dienste verrichteten sie in jener Zeit, als der Transport einer Nachricht noch analog per Brieftaube erfolgte. Und bis heute ist nicht genau geklärt, wie die Tauben es schaffen, von irgendeinem beliebigen Ort, viele Kilometer von ihrem Heimatschlag entfernt, punktgenau zurückzukehren. Manfred Meiser aus Merchweiler, einer der wenigen noch aktiven Taubenzüchter im Kreis, nennt den aktuellen Wissensstand. Vermutlich sei es das Magnetfeld der Erde, der Sonnenstand, oder vielleicht beides, die den Tauben den Weg aufzeigen. Genau wisse das keiner. Meiser ist in dritter Generation Züchter. Sein Großvater Adolf Jochum war 1905 Mitbegründer des Vereins „Luftpost Merchweiler“. Noch rund ein Dutzend Mitglieder hat der Verein, berichtet Meiser, dessen Familie sich sehr rege am Familienhobby beteiligt. „Ohne die Hilfe unseres Sohnes Michael, seiner Frau Beate und von Enkelin Jana könnten wir nicht einmal mehr in Urlaub fahren“, erzählt Meiser.


Nachwuchs ist das große Thema bei den Merchweiler Taubenzüchtern, aber nicht nur dort, fast alle Vereine im Land beklagen den Mangel an Nachwuchs. Um den Menschen die Taubenzucht und die Arbeit mit Sporttauben wieder mehr ins Bewusstsein zu bringen, fand am Sonntag der „Tag der Brieftaube“ statt.

Zum ersten Mal in der über 130-jährigen Geschichte des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter luden Züchterinnen und Züchter aus ganz Deutschland an diesem „Tag des offenen Schlags“ in ihre Taubenschläge ein, um für ihr Hobby zu werben. Die Schlaggemeinschaft (SG) Manfred, Michael, Beate und Jana Meiser aus Merchweiler öffnete im Kreis Neunkirchen an diesem Tag die Tür ihres Taubenschlages. 210 Tiere leben in der ausgedehnten Anlage der Meisers. Demnächst beginnt die Saison und bereits jetzt haben die ersten Trainingsflüge begonnen. Die lange herbeigesehnte Wettflugsaison beginnt jedes Jahr am 1. Mai und endet am letzten Tag des Juli. Meisers Tauben wurden in Überherrn zum ersten kleinen Übungsflug frei gelassen, „zum Warmfliegen“, wie Meiser bemerkte. Gerade mal eben 17 Minuten dauerte der Rückflug in den Merchweiler Schlag, und wie die Tauben das mal wieder geschafft haben? Keiner weiß es. Die Rückkehr der Tauben in den Schlag wird längst mit einem kleinen Computer erfasst. Die Tiere tragen nicht nur Registrierungsringe, sondern auch Signalgeber für den Rechner.

Die Merchweiler Taubenzüchter gehören zur Reisevereinigung Lebach, eine Art Dachverband, in dem sich 15 Vereine aus den Bereichen St. Wendel, Neunkirchen und Lebach zusammengeschlossen haben. Die Reisevereinigung verfügt über einen großen Lastwagen mit Anhänger, in denen bis zu 4500 Tauben Platz finden, die dann in der Hauptsaison bis nach Orleons, Limoges oder zum Beispiel Auxerre gefahren werden, um dann möglichst rasch und unfallfrei zurück zu fliegen. In der Saison legen die Tiere zwischen 170 und 640 Kilometer zurück.