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Wenig Rückenwind für Standort Erkershöhe

Wenig Rückenwind für Standort Erkershöhe

Auf der Erkershöhe bei Merchweiler sollen jetzt nur noch drei statt fünf Windräder gebaut werden. Aber auch das ist umstritten. Dies zeigte eine Informationsveranstaltung, bei der sich die Projektierer zweieinhalb Stunden lang mit Einwänden auseinander setzen mussten.

Aus fünf mach' drei: Nachdem die Windkraft auf der Erkershöhe zunächst mit zwei Windparks - jeweils einer mit drei und einer mit zwei Windrädern - genutzt werden sollte, ist das Vorhaben nun auf drei Anlagen geschrumpft. Sie bilden zusammen den Windpark Erkershöhe, der von den Betreibern RAG Montan Immobilien/montanWIND und der Zweibrücker Firma Energy 3k geplant, gebaut und betrieben werden soll. Die beiden Gesellschafter gründen dazu eine gemeinsame Projektgesellschaft und wollen einen dritten, noch nicht genannten Partner ins Boot nehmen.

Diesen Stand der Dinge trugen die Vertreter der Projektentwickler am Donnerstagabend bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung in der Merchweiler Allenfeldhalle vor. Im Gegensatz zum ersten Infoabend im vergangenen Oktober füllten diesmal deutlich mehr Bürgerinnen und Bürger die Stuhlreihen. Dass unter ihnen die Skeptiker klar überwogen, zeigte eine "Handhebe-Probe", zu der ein Windkraft-Befürworter im Publikum aufgefordert hatte. Die Handzeichen Gleichgesinnter blieben sehr überschaubar. Dass auch Bürgermeister Walter Dietz von dem Vorhaben nicht restlos begeistert ist, zeigte seine Anmerkung: "Durch ein Windrad wird die Attraktivität der Gemeinde sicher nicht gesteigert!"

Der Infoabend, so Dietz, solle dazu dienen, nochmals die Argumente abzuwägen - eine Hilfe gerade auch für die Gemeinderatsmitglieder, bei denen nun die Entscheidung liegt. Rudolf Krumm für Montanwind und Andreas Reister für Energy 3k trugen noch einmal die bekannten Fakten vor: Auf der Erkershöhe sind links und rechts der L 112 drei 200 Meter hohe Windräder vorgesehen. Eins auf Friedrichsthaler Bann, eins auf Privatbesitz, eins im Gemeinschaftswald, wo die Gemeinde Merchweiler zu einem Viertel am vorgesehenen Areal beteiligt ist. Die Windräder sind 800 Meter von der bebauten Ortslage, in Merchweiler die Waldstraße, entfernt. Für jede dieser Anlagen muss etwa ein halber Hektar des insgesamt rund 200 Hektar umfassenden Waldgebietes gerodet werden, wobei Ausgleichsmaßnahmen verpflichtend sind. Beispielsweise, so Reister, werde die Fläche zwischen L 112 und Merchweiler nicht mehr bewirtschaftet und könne sich als "Urwald" entwickeln.

Die Gemeinde Merchweiler werde finanziell profitieren, so Krumm: Durch die Pacht fürs Grundstück und mit ("über den dicken Daumen") etwa 900 000 Euro Gewerbesteuer über die veranschlagte Laufzeit von 20 Jahren, weil die Betreibergesellschaft ihren Sitz in Merchweiler nehmen werde.

Moderator Rupert Ahrens (Montanwind) hielt sein Mikrofon, das er partout nicht in anderen Händen sehen wollte, den meist skeptischen Fragestellern vor. So überzeugte Reisters Versicherung, die gesetzlich vorgeschriebenen Lärmwerte würden auf jeden Fall eingehalten, nicht restlos. Die mehrfach vorgetragene Ansicht, das Naherholungsgebiet werde durch die Windräder entschieden beeinträchtigt, wurde mit Applaus quittiert. Und auf der Erkershöhe selbst sei man restlos der Gelackmeierte, beklagte ein Bewohner der dortigen Siedlung. Ein jüngerer Zuhörer plädierte hartnäckig für eine Bürgerabstimmung über das Vorhaben.

Bevor das Projekt "Windpark Erkershöhe" ins förmliche Genehmigungsverfahren gehen kann, ist nun der Gemeinderat am Zug. Man habe hier nur deshalb noch "Handlungssouveränität", so erläuterte Verwaltungschef Dietz, weil Merchweiler nicht wie andere Gemeinden Konzentrationszonen für Windkraft im Flächennutzungsplan ausgewiesen habe. Auf Merchweiler Gemarkung sei nämlich einzig die Erkershöhe als geeigneter Standort in Frage gekommen. Und wenn dieser im Flächennutzungsplan festgeschrieben worden wäre, hätte die Gemeinde überhaupt keinen Spielraum mehr gehabt.

Meinung:

Der Spielraum ist gering

Von SZ-RedakteurGunther Thomas

Eigentlich gilt für die Gemeinde Merchweiler in Sachen Windräder nur die Devise: "Vogel friss oder stirb". Der einzige Spielraum, den der Gemeinderat hat, ist die Entscheidung, ob die Gemeinde einige hunderttausend Euro an Pacht- und Steuereinnahmen mitnimmt oder nicht. Nur bei jenem der drei geplanten Windräder , das zum Teil auf Gemeindebann errichtet werden soll, können die Merchweiler Kommunalpolitiker überhaupt mitreden. Und wenn sie hier verweigern - das räumen die Investoren unumwunden ein -, wird dieses eine Windrad höchstwahrscheinlich etwas verschoben und die Gemeinde Merchweiler wäre völlig außen vor. Das Areal, in dem der Windpark Erkershöhe liegen wird, ist nämlich im Masterplan Energie der Landesregierung als "Windpotenzialfläche" ausgewiesen und darf somit von Windkraft-Betreibern in Anspruch genommen werden.