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Wein trinken oder Akten wälzen?

Wemmetsweiler. Seit gut zwei Jahren steht die durchaus attraktive Ratskeller-Gastronomie im Wemmetsweiler Rathaus leer. Die SZ fragte bei einem Ortstermin mit dem Merchweiler Bürgermeister Walter Dietz nach, wie der Stand der Dinge ist. Solveig Lenz-Engel

Erster Eindruck: gar nicht übel! Dunkles Holz, grünes Leder auf den Stühlen und der langen Bistro-Bank, ein stattlicher Tresen mit geschmackvollen Pendelleuchten darüber, ein großer heller Nebenraum, fast schon ein Sälchen. Alles in ordentlichem Zustand, nicht ganz so chic die Edelstahl-Küche als langer Schlauch ohne Tageslicht. Trotz seines erkennbaren Potenzials hat sich der "Ratskeller", die Gastronomie im schmucken Wemmetsweiler Rathaus, zu einem Merchweiler Sorgenkind entwickelt.

Nach aufwändiger Renovierung 2001/2002 versuchten sich vier Betreiber mit unterschiedlichen Konzept erfolglos an dem Objekt. Angesichts des aktuellen Dauer-Leerstands mangels Interessenten befassten sich auch schon mehrfach die Gremien (Gemeinderat, Ausschuss, Ortsrat) mit der Wiederbelebung des Traditionslokals, das bereits mit dem 1924 erbauten Rathaus eröffnet wurde.

"Am liebsten hätten wir hier wieder einen schönen gastronomischen Betrieb, der sich auch um die Versorgung der Gäste bei Veranstaltungen im Rathaus kümmert", sagt Bürgermeister Walter Dietz beim Rundgang durch die Räume. Und auch Ortsvorsteher Michael Marx wäre froh, wenn wieder Leben in die Bude käme. Denn die schon mehrfach diskutierte Idee, aus dem Lokal Verwaltungs-Büros zu machen, birgt eine Menge Tücken. Hohe Kosten und die Probleme mit den Auflagen von Arbeit- und Brandschutz. Und der Wunsch, die Merchweiler Verwaltung mit ihren zwei Rathäusern am Standort Wemmetsweiler zusammenzuführen, würde auch mit einem Ratskeller-Umbau nicht in Erfüllung gehen, wie Walter Dietz bedauert.

In der jüngsten Gemeinderatsitzung (die SZ berichtete) stellten sich Diskussion und Abstimmung zum Tagesordnungspunkt Ratskeller etwas unübersichtlich dar. Fakt ist aber, dass mit den Stimmen der Fraktionsgemeinschaft von SPD , Linken und Grünen der Grundsatzbeschluss, den Ratskeller erneut zu verpachten, aufgehoben wurde.

Über das weitere Vorgehen fiel aber keine Entscheidung. Als Sprecher der SPD stellte Albin Hanstein auf SZ-Anfrage klar, dass die Fraktionsgemeinschaft angesichts der Verpachtungsprobleme die Räume nun möglichst in den Dienst der Verwaltung stellen wolle. Was aber nicht bedeute, dass man einen geeigneten Gastronomen nicht willkommen heißen würde. Er werde einen Antrag im Gemeinderat stellen, das Ratskeller-Thema im zuständigen Fachausschuss erneut zu beraten. Auch der Bürgermeister will das Thema wieder dem Rat als Tagesordnungspunkt vorlegen. Der Ortsrat hat Michael Marx (er arbeitet für die CDU auch im Gemeinderat) beauftragt, das Thema wieder anzuschieben.

Es hätten sich auf die Verpachtungs-Anzeigen zwar einige Leute gemeldet, so Walter Dietz , so sei aber es nie zu einer konkreten Anfrage gekommen.

Die Pacht für die rund 130 Quadratmeter sei dabei durchaus verhandelbar, meint der Verwaltungschef, wenn sich ein geeigneter Bewerber melde. Rund zehn gastronomische Angebote gibt es im Ortsteil Wemmetsweiler . Was fehlt, erklärt Michael Marx, sei beispielsweise Tagesgastronomie wie ein attraktives Café.

Als Veranstaltungsort hat das stilvoll renovierte Wemmetsweiler Rathaus mit seinem beeindruckendem großen Kuppelsaal mittlerweile auch überregional - nicht zuletzt wegen der Foto-Aktivitäten der Gemeinde - einen guten Namen. Am 26. April machen die Musikfestspiele Saar dort Station: Ricer Care und Lea und Esther Birringer bitten zum Konzert.