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Vom Pinocchio- zum Senioren-Teller

Mit charmantem französischem „Accent“ gab Detlev Schönauer als Jacques seine Überlegungen zum Älterwerden zum Besten. Foto: Anika Meyer
Mit charmantem französischem „Accent“ gab Detlev Schönauer als Jacques seine Überlegungen zum Älterwerden zum Besten. Foto: Anika Meyer FOTO: Anika Meyer
Wemmetsweiler. Im Gasthaus Wachdersch in Wemmetsweiler stellte Detlev Schönauer sein neues Programm „Oma ist jetzt bei Facebook“ vor. Ein Fazit: Handy und Internet sind längst keine Domäne der Jugend mehr. Anika Meyer

Es geht einfach erschreckend schnell vom Pinocchio-Teller zum Senioren-Teller. Man kann sich nun grämen deswegen oder man kann es mit Humor nehmen, so wie Detlev Schönauer . Im Wemmetsweiler Gasthaus Wachdersch plauderte der 61-Jährige am Donnerstagabend als Bistrowirt Jacques darüber, was ihm selbst beim Reifeprozess so auffällt und auch darüber, was passiert, wenn die Generation "Kevin und Vanessa" ins Großeltern-Alter vorrückt. Mit gewohnt charmantem französischem "Accent" selbstverständlich, mit gewohnt besonnenem "Laissez-Faire".

Die einstige Jugend-Domäne von Handys, Internet, sozialen Netzwerken und Co jedenfalls ist schon heute in den Seniorenwohnungen angekommen, wie Jacques feststellte. Auch wenn die Art der Nutzung ein wenig differiert. Denn was postet man so als Oma? Ein Selfie nach dem geglückten Einlauf beispielsweise. Man kann aber auch eine Gruppe gründen: "Rheuma to go!"

Jacques eint die Generationen


"Oma ist jetzt bei Facebook " heißt Schönauers aktuelles Programm. Ob das auch junge Leute lockt? Der Kabarettist wollte es wissen und fragte gleich zu Beginn im gut besetzten Veranstaltungssaal die Zuschauer nach deren Alter. Und ja - auch wenn Fragen wie die, ob Tiere aus Essen gemacht sind oder Frauen beim Anblick eines gut gebauten Mannes an Kindererziehung denken, bei dem ein oder anderen Vertreter Diskussionspotenzial bergen könnten - die junge Generation kann mit "Oma bei Facebook " etwas anfangen. 24 Jahre war der jüngste Zuschauer an diesem Abend.

Doch nicht nur um die Plattformen, auf denen die Menschheit das Teilen gelernt hat, ging es. Auch erinnerte sich Jacques an Zeiten, in denen die Welt noch in Ordnung war. An Zeiten, in denen Telefone in Schockfarben ihr eigenes Bänkchen hatten und, wenn man ihres Anblicks allzu überdrüssig war, mit Brokatmäntelchen bedeckt wurden. An Zeiten "vor medialer Volksverdummung und "Unterschichtenfernsehen": "Ich weiß gar net, was dumme Leut früher geguckt hann!" Die ein oder andere locker hingeworfene Bemerkung stimmte dabei durchaus nachdenklich. So der Vergleich der Vergangenheitsbewältigung in Deutschland mit der in Amerika, wo kein "Zentralrat der Indianer" über das Schuldbewusstsein wacht.

"Ich beobachte gerne, was um mich herum passiert, wie die Menschen miteinander umgehen, und bringe das auf die Bühne. Das ist mir wichtiger als politische Themen", verrät der gebürtige Mainzer der SZ.

Verbindungen zum Gasthaus Wachdersch bestehen schon länger, wie Wirt Christoph Fries stolz berichtete: "Detlev Schönauer hat bei uns Kurzfilme für Bonus gedreht!"