| 20:54 Uhr

Schäden nach Unwettern im Kreis Neunkirchen
Straße nach Unwetterschaden gesperrt

Beim Unwetter in der Nacht zum 1. Juni wurde die eben erst fertig gestellte Straße zum Merchtal unterspült und in Teilen vollständig zerstört.
Beim Unwetter in der Nacht zum 1. Juni wurde die eben erst fertig gestellte Straße zum Merchtal unterspült und in Teilen vollständig zerstört. FOTO: Andreas Engel
Merchweiler/Eppelborn. Nach den Regenfluten der vergangenen Wochen gilt es jetzt auch im Kreis Neunkirchen, die Schäden zu beseitigen. Von Andreas Engel

Die heftigen Unwetter von vergangener Woche haben zwar im Kreis Neunkirchen nicht so massiv gewütet wie in anderen Landesteilen, Schäden gab es aber auch hier. Und Fragen nach generellem Vorgehen werden laut, wie etwa durch den Ortsvorsteher von Macherbach, Jürgen Nürnberger.


Für einen bösen Schlag  haben die Regenmassen in Merchweiler gesorgt. Dort hatten sich alle riesig gefreut, dass nach langer Sperrung der Straße Zum Merchtal in Merchweiler wegen Verlegung von Versorgungsleitungen und Straßensanierung jetzt die Durchfahrt Richtung Schulzentrum Illingen wieder frei befahrbar war. Doch die Freude währte nur kurz. Nach dem Unwetter in der Nacht zum 1. Juni konnten die Abwasserleitungen in der Straße Zum Merchtal offenbar die Wassermassen nicht mehr bewältigen. Im unteren Bereich wurde ein zwei Meter großes Loch in die neue Straße gerissen, die Bürgersteige wurden unterspült und wölben sich zentimeterhoch. An anderen Stellen ist das neu verlegte Pflaster zerwühlt.

Ein Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagte, dass nach seiner Beobachtung die neuen Abwasserrohre falsch verlegt worden seien. Bürgermeister Patrick Weydmann teilte unserer Zeitung auf Anfrage mit, dass ein Spitzentermin mit allen Beteiligten, also der Baufirma, dem Planer, dem Entsorgungsverband Saar (EVS) und der Gemeinde Merchweiler Ende dieser Woche anberaumt worden sei. „Vorher kann man nichts Genaues sagen. Danach sehen wir weiter“, so Weydmann. Bei diesem Treffen werden wohl unangenehme Fragen erörtert werden. Die Kosten werden in die Millionen gehen, und die wichtige Verbindung zwischen Merchweiler und Illingen wird für viele Monate unterbrochen.



Auch Macherbach habe es in jener Nacht stark getroffen, erläutert Ortsvorsteher Nürnberger: „Insgesamt wurden sechs Häuser von Wasser- und Schlammmassen zum Teil erheblich beschädigt. Am tragischsten traf es eine Familie, deren Einliegerwohnung komplett durchflutet wurde und nicht mehr bewohnbar ist.“ Besonders tragisch sei in diesem Zusammenhang, dass in der Wohnung die pflegebedürftige Mutter der Bewohner lag. Sie musste mit dem Rettungswagen noch in der Nacht in ein Altenheim gebracht werden, so der Ortsvorsteher. Er berichtet weiter, durch Schlammmassen sei der Rundwanderweg sowie der Weg direkt an der St. Josef-Kapelle enorm beschädigt. Nürnberger: „Der Weg musste ab Bürgerhaus auch als Fußweg gesperrt werden.“

Der Macherbacher Ortsvorsteher hat nach eigenen Worten mit den Verantwortlichen in der Gemeinde Kontakt aufgenommen, um kurzfristig Hilfe zu bekommen. Er will aber auch wissen, wie es zukünftig weitergehen kann: „Was aus meiner Sicht jetzt dringend zu erörtern ist, ist die Diskussion über die Ursächlichkeit dieser Ereignisse. Der kausale Grund ist im Falle Macherbach die sich komplett veränderte Struktur in der Agrarwirtschaft.“

In Verbindung mit der topografischen Lage von Macherbach sowie sich grundlegend verändernden klimatischen Bedingungen werde es auch künftig solche Überflutungen geben. Auf den Feldern oberhalb Macherbachs, das  quasi wie in einem Kessel liege, werden nach seiner Beobachtung ausschliesslich Monokultur, mit dem Zweck des Anbaus von verbrennbarer Frucht, betrieben. Das habe den Boden dort so verändert, dass er bei solchen überdurchnittlichen Regenmassen abgetragen und über die Wiesen nach unten ins Dorf gespült werde. Nürnberger: „Dies führt dann letztendlich zu den Situationen wie wir sie letzten Freitag erleben mussten.“

Er fragt, ob bei solchen Bedingungen die Nutzung von Feldern nicht eingeschränkt werden müsse, damit sie wieder widerstandsfähiger gegen solche Wassermassen werden. „Hier sollte es aus meiner Sicht eine enge Abstimmung zwischen Landwirtschaft, Umweltbehörden und den Kommunen geben, mit dem Ziel Lösungsansätze zu finden die solche Katastrophen zumindest unwahrscheinlicher machen.“

Viel zu tun gab es für die Einsatzkräfte der Feuerwehr nach den Überflutungen in Macherbach.
Viel zu tun gab es für die Einsatzkräfte der Feuerwehr nach den Überflutungen in Macherbach. FOTO: Jürgen Nürnberger
Ortsvorsteher Jürgen Nürnberger.
Ortsvorsteher Jürgen Nürnberger. FOTO: Michael Stephan