1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Merchweiler

„Schrill - Schräg - Liebenswert“

„Schrill - Schräg - Liebenswert“

Wie man mit kreativem Äußeren dem grauen Alltag entfliehen kann, zeigen die Bilder von Klaus Persch in einer neuen Ausstellung. Seine Modelle hat der Fotograf auf Fantasy-Messen in der Region gefunden.

. Eine Fliegerbrille, ein Hut mit Uhr über der Krempe und ein Zwitterding zwischen Kerzenständer und Gewehr mit kleinen Rädchen dran? Nicht unbedingt Dinge, ohne die der Ottonormalverbraucher nicht das Haus verlässt. Aber Klaus Persch zeigt in seiner Ausstellung im Merchweiler Rathaus ja auch keine Ottonormalverbraucher, sondern diejenigen, die sich von ihnen abheben: "Schrill - Schräg - Liebenswert", so der Titel.

Probleme, schräge Modelle zu finden, hat Persch dank der Fantasy-Messen keine: "Ich war auf der Fark in Landsweiler-Reden und bei ähnlichen Veranstaltungen in Luxemburg und Holland." Und wer monatelang Kostüme näht und sich stundenlang aufbrezelt, der scheut auch zuallermeist die Kamera nicht - muss sich ja gelohnt haben, die Mühe. "Diese Leute legen so viel Kreativität in ihre Outfits! Das fasziniert mich", sagt Persch. "Sie begeben sich für Stunden oder Tage in eine andere Realität - einfach nur aus Spaß!"

Neben dem Herrn mit den genannten eigentümlichen Accessoires, der wie ein Großindustrieller des 19. Jahrhunderts wirkt, hängt der weibliche Gegenpart. Die junge Frau trägt natürlich auch Fliegerbrille - über einer Wollmütze, unter der sie ein wenig spitzbübisch hervorlächelt. "Das ist eines meiner Lieblingsbilder. Sie hat so eine positive, lebensbejahende Ausstrahlung", sagt Persch. Beide Modelle seien Vertreter des Steampunk - sie orientierten sich an abenteuerlichen Zukunftsvorstellungen des 19. Jahrhunderts. Auch Vertreter von Gothic, Science Fiction und Endzeit gibt es zu sehen. Schwarze Bräute und mittelalterliche Hofdamen, die die Vampirzähne fletschen, ein federbesetztes Mischwesen aus Mensch und Eule und auch einige glitzernd-bunte Partylöwen vom Christopher Street Day. Persch setzt jeden individuell in Szene, bringt mit Hilfe von Hintergrund, Pose und Perspektive das Charakteristische von jedem zur Geltung.

Bei der Vernissage am Freitagabend brauchte Persch vermutlich keinem der Besucher mehr vorgestellt zu werden, denn sowohl in Merchweiler als auch in der Fotoszene ist er bekannt. Lange Jahre hat er bei der Gemeinde gearbeitet und sich dabei für die Fotografie stark gemacht. Beispielsweise die Internationale Fotoausstellung habe er mitbegründet, erklärte Bürgermeister Patrick Weydmann. Mit eigenen Ausstellungen jedoch, habe er sich immer zurückgehalten. Klaus Selzer, ebenfalls in der Merchweiler Fotoszene unterwegs, hielt die Laudatio und betonte die Bandbreite von Perschs Fotokunst, die von der analogen Schwarz-Weiß-Fotografie bis zur Digitalfotografie reicht.

Die Ausstellung ist zu sehen bis Freitag, 26. Februar, während den Öffnungszeiten des Rathauses.