Parteien gehen auf Partnersuche

Ein auffälliges Ergebnis bei der Kommunalwahl: In der nächsten Legislaturperiode wird mit der Linken eine Partei, die in der vergangenen Kommunalwahl noch gar nicht kandidiert hat, in den Gemeinderäten vertreten sein. Die Zeiten der Zwei-Parteien Parlamente in Eppelborn, Illingen und Merchweiler sind vorbei

Ein auffälliges Ergebnis bei der Kommunalwahl: In der nächsten Legislaturperiode wird mit der Linken eine Partei, die in der vergangenen Kommunalwahl noch gar nicht kandidiert hat, in den Gemeinderäten vertreten sein. Die Zeiten der Zwei-Parteien Parlamente in Eppelborn, Illingen und Merchweiler sind vorbei. Der Wegfall der Fünf-Prozent-Hürde hat den kleinen Parteien den Einzug in fast alle Gemeinderäte des Kreises möglich gemacht. In Spiesen-Elversberg ist die CDU-Mehrheit im Gemeinderat gekippt. Das heißt: CDU-Bürgermeister Reiner Pirrung wird einem mehrheitlich von SPD und Linken bestimmten Gemeinderat vorstehen. Der große Gewinner sind hier die Linken. Sie holten immerhin 15,2 Prozent der Stimmen. Auch die Grünen werden mit 3,6 Prozent im Rat sein. Die SPD steigerte sich leicht auf 34,2 Prozent. Die CDU kam lediglich auf 33,5 Prozent. Für Bürgermeister Reiner Pirrung (CDU) ein enttäuschendes Ergebnis. "Ich muss mich als CDU-Bürgermeister nun arrangieren. Dadurch dass nun alle Parteien im Gemeinderat vertreten sein werden, wird es einen bunten Reigen an politischen Entscheidungen geben", so Pirrung gestern Abend gegenüber unserer Zeitung. Der einzige, der sich gestern Abend im Illinger Rathaus bei der Verkündung der Wahlergebnisse für den Gemeinderat so richtig freuen konnte, war Karl-Josef Jochem. Seine FDP wird mit zwei Sitzen zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder im Illinger Kommunalparlament vertreten sein. Jeweils nicht das gewünschte Ergebnis fuhren die CDU mit jetzt 14 Sitzen (statt bisher 18 von 33) und die SPD mit 13 (statt 15) ein, die jetzt jeweils die Frage klären müssen, wie sich ihre Zusammenarbeit mit den drei neuen Fraktionen gestalten soll. Denn neben der FDP landete die Linke gleich mit drei Mandaten im Rat, die Grünen werden einen Sitz bekommen. Alfons Vogtel (CDU) und Guido Jost (SPD) kündigten gestern Abend unisono an, dass ihre Parteien vor einer konkreten Würdigung der neuen Situation jetzt erst in den Gremien Gespräche führen müssten. Bürgermeister Armin König (CDU), bislang an eine Mehrheit seiner Partei im Rat gewöhnt, wertete die neue Konstellation "als interessant und bunt". Es werde auf alle Fälle vor Entscheidungen mehr koordiniert werden müssen. Angespannte Ruhe herrschte gestern kurz nach Schließung der Wahllokale im Zimmer des Ottweiler Bürgermeisters Hans-Heinrich Rödle. Mit ihm verfolgte seine Familie die ersten Hochrechnungen zur Europawahl. Immer wieder flog Rödles Blick zum Monitor seines Rechners. Als schließlich gegen 19 Uhr die Zahlen für Kreistag sowie Stadt- und Ortsrat eintrudelten, versammelten sich alle um den Schreibtisch. Und die Zahlen sprachen für sich. Selbst das "Sorgenkind" Lautenbach konnte von der SPD klar gewonnen werden. Herbe Verluste gab es für die CDU. Für Rödle überraschend wurde Die Linke drittstärkste Kraft in den Gremien. "Ottweiler wählt SPD" so stand es auf den Plakaten und dieser Slogan bewahrheitete sich gestern Abend mit deutlichen Zahlen. Die Linkspartei ist bei der Wahl für den Ottweiler Stadtrat auf Anhieb auf 457 Stimmen gekommen. Die CDU hat 655 Stimmen verloren, die SPD hat 82 Stimmen dazu gewonnen. "Es ist erstaunlich, dass die SPD trotz des starken Ergebnisses der Linken dazugewonnen hat", sagte Bürgermeister Hans-Heinrich Rödle (SPD). Das Ergebnis der CDU bezeichnete er hingegen als katastrophal. In Sachen Wahlbeteiligung sagte Rödle: "Eine Wahlbeteiligung von 59,2 Prozent ist demokratisch nicht mehr zu akzeptieren." Viele lange Gesichter gab es in Schiffweiler, als gestern gegen 19.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses die ersten Ergebnisse auf einer Leinwand eingeblendet wurden. Vor allem die CDU musste empfindliche Verluste hinnehmen. André Woll: "Die Schiffweiler Christdemokraten haben sowohl im Orts- wie auch im Gemeinderat einige Prozente verloren. Wir müssen analysieren, woran das liegt. Ich bin enttäuscht." Auch Toni Forster, SPD, war unzufrieden mit dem Ergebnis seiner Partei. "Ich wundere mich, dass die Linke so viele Stimmen bekam." Ebenfalls Einbußen hinnehmen musste die Freie Bürgerliste, die bisher drei Mandate im Gemeinderat innehatte. Ganz anders Erwin Mohns von den Linken. "Mit 15 bis 17 Prozent haben wir einen guten Einstand bei diesen Kommunalwahlen. Natürlich bin ich hoch zufrieden." Richtig Grund zum Jubeln gab es in der Gemeinde Merchweiler für die Großen nicht. Mit 44,83 Prozent für die CDU und 34,19 Prozent für die SPD haben beide großen Parteien nach dem vorläufigen Endergebnis kräftig verloren. Auch hier ist die Linke mit 12,39 Prozent der Gewinner. Vermutlich wird sie mit vier Sitzen im neuen Gemeinderat vertreten sein. Bürgermeister Walter Dietz zeigte sich gestern Abend nach Bekanntgabe des Ergebnisses sehr erstaunt. "Es wird schwierig", so sein Kommentar zur künftigen Arbeit des Rates. In den Ortsräten sind nur CDU und SPD angetreten. Hier gibt es jeweils minimale Mehrheiten für die CDU.Die CDU hat ihre absolute Mehrheit auch im Eppelborner Gemeinderat vermutlich verloren. Die Christdemokraten kamen bei der gestrigen Wahl auf nur noch 46,6 Prozent der abgegebenen Stimmen (minus zehn Prozent). Zu den Gewinnern der Wahl mit einem Ergebnis von 10,4 Prozent zählen die Linken. Die SPD konnte ihr Ergebnis von 2004 mit 34,2 Prozent in etwa halten. FDP und auch Grüne werden ebenfalls im nächsten Gemeinderat vertreten sein.