Sinfonisches Blasorchesters Merchweiler Diese „Verspätung“ erntete großen Applaus

Merchweiler/Wemmetsweiler · Sein Neujahrskonzert holte der Musikverein Wemmetsweiler nach. Ein Dudelsack-Intermezzo begeisterte. Standing Ovations am Ende der Live-Musik nach der Corona-Pause

 Ein anspruchvolles musikalisches Gesamtpaket präsentierte das Sinfonische Blasorchester beim verspäteten Neujahrskonzert.

Ein anspruchvolles musikalisches Gesamtpaket präsentierte das Sinfonische Blasorchester beim verspäteten Neujahrskonzert.

Foto: Boewen-Dörr

Zu Coronazeiten tickt die Uhr auch im kulturellen Bereich anders. Der Musikverein Wemmetsweiler wollte eigentlich im Januar mit einem Neujahrskonzert ins Neue Jahr starten. Die Verantwortlichen haben es dann doch lieber auf den Februar verschoben. „Die Inzidenzzahlen sind zwar immer noch sehr hoch. Trotzdem wollen wir jetzt der Kultur eine Chance geben“, sagte der Vorsitzende des Vereins, Werner Schoene. „Wir hatten schon überlegt, ob wir uns nicht in Booster-Orchester umbenennen sollten, weil unsere Musiker alle dreifach geimpft sind“, scherzte Schoene, bevor das Orchester mit außergewöhnlichen Interpretationen den Zuschauern Musik aus Japan, Peru, England und Schottland näher brachte. Dirigent Stefan Barth kündigte „ein Kondensat aus den drei letzten Konzerten an, die wir nicht spielen konnten“. Er teilte mit, dass es den Musikern des Sinfonischen Blasorchesters unter Beachtung der Corona-Beschränkungen gelungen sei, ein spektakuläres Programm einzustudieren. „Mit den imposanten Klanggemälden ‘Give us this Day’, ‘Machu Pichu’, ‘Hymn of the Highlands’ und ‘The Seventh Night of July’ nehmen wir die Zuhörer auf eine musikalische Weltreise mit großem Unterhaltungswert mit.“

Eröffnet wurde das Konzert mit dem klassischen Stück „First Suite in Es“ von Gustav Holst. Die Suite besteht aus drei eng verwandten Sätzen, die attacca (ohne Pause) direkt hintereinander gespielt wurden: bei „Chaconne“ handelt es sich um einen Tanz am Hofe im Mittelalter; „Intermezzo“ beschreibt musikalisch die unbändige Lebenslust auf dem Lande; ein „March“ beschließt das Konzert. 

Mit dem Werk von David Maslanka „Give us this Day“ stand eine kurze zweisätzige Symphonie auf dem Programm, deren Interpretation die Klangvielfalt des Orchesters unterstrich. Begonnen wurde mit einem langsamen Satz mit ausgeprägter Percussionsection. Es folgte ein treibendes Allegro und endete mit einem langsamen, stürmischen Choral. Der Dirigent, der kenntnisreich durch das Programm führte und sicher den Taktstock führte, erklärte: „Die Worte ,Gib uns diesen Tag‘ stammen natürlich aus dem Vaterunser, aber die Inspiration für diese Musik ist buddhistisch.“

Eine japanische Liebesgeschichte diente dem Komponisten Itaru Sakai als Grundlage für sein Werk „The Seventh Night of July.“ Es handelt sich um eine Legende, bei der ein junger Mann und eine junge Frau sich nur in dieser einen Nacht sehen dürfen. Der Komponist vertonte diese romantische Begegnung. Dem Orchester gelang es, die Stimmung und die Romantik des Werkes mit viel Gefühl wieder zugeben.

Mit einem atemberaubenden Werk, das sich eigentlich um eine sehr einfache Melodie dreht, mal traurig, mal erhebend wurde der zweite Teil des Konzertes leise eingeläutet. „Endless Rainbows“ von Brian Balmages stand auf der Agenda und erzeugte nicht nur imaginär ein Bild von einem endlosen Regenbogen. Wie bei allen musikalischen Vorträgen gab es auch bei dieser Interpretation die passenden Bilder auf der Leinwand. Der Vorsitzende hatte in liebevoller Kleinstarbeit zu allen Werken spektakuläre Bilder gesucht, auf die Leinwand projiziert und die jeweils einmalige Atmosphäre passend zum Musiktitel beziehungsweise zur Musikgeschichte eingefangen.

Mit einem Meisterwerk von Satoshi Yagisawa, „Maccu Picchu“, setzte das Orchester weitere musikalische Glanzpunkte. Der Komponist beschreibt in diesem Werk die prächtige Inkafestung mit drei musikalischen Bildern.

Musste der Verein bei seinem letzten Konzert noch einen Dudelsackspieler engagieren, so konnte das Orchester jetzt mit einem Eigengewächs brillieren. Klaus Hinsberger, eigentlich Saxophonspieler, machte sich innerhalb kürzester Zeit mit dem Instrument vertraut und unterstützte sozusagen als Überraschungsgast seine Musikkollegen bei der zweiten, als Zugabe gedachten Aufführung der „Hymn of the Highlands“ von Philip Sparke.

Einen Evergreeen von Johann Strauss (Vater) hatte sich das Orchester für das offizielle Programmende aufgehoben. Beim Radetzky- Marsch wären die Leute am liebsten zum Tanzen aufgestanden, denn fast keiner hielt bei diesem Marsch die Füße still. Der charakteristische Rhythmus begeisterte die Zuhörer, die für ein rundum gelungenes und sehr außergewöhnliches Konzert bereits zwischen den einzelnen Werken immer sehr viel Applaus spendierten.

Zum Schluss dankten sie mit stehenden Ovationen für ein glanzvolles Gesamtpaket. Das Orchester freute sich über die Wertschätzung und dankte dem treuen Publikum mit Zugaben und einem grandiosen Einmarsch des Überraschungsgastes mit dem Dudelsack.