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Preis: acht Euro
Heimatblätter dokumentieren die spannende Ortsgeschichte

Die Autoren signierten auf Wunsch (hier für den Beigeordneten Marlo Christiaens, stehend) die druckfrische 35. Auflage der Heimatblätter.
Die Autoren signierten auf Wunsch (hier für den Beigeordneten Marlo Christiaens, stehend) die druckfrische 35. Auflage der Heimatblätter. FOTO: Maria Boewen-Dörr
Merchweiler. Bereits zum 35. Mal konnten die Heimatfreunde Merchweiler ihre Arbeiten präsentieren. Sie sind wieder einmal ein kurzweiliges Lesevergnügen. Von Maria Boewen-Dörr

Die Heimatfreunde Merchweiler präsentierten im Katholischen Vereinshaus die druckfrische 35. Auflage der Heimatblätter. Der Chef der Truppe, Josef Martin, sagte zu Beginn: „Unser Ziel ist es, die unterschiedlichen Aspekte der Ortsgeschichte schwerpunktmäßig zu erfassen, zu dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“


Der Beigeordnete Marlo Christiaens lobte das Team und sein Engagement und äußerte folgenden Wunsch: „Ich möchte der erste sein, der für acht Euro dieses Heft kauft“, worauf Josef Martin süffisant lächelnd antwortete: „Dem Mann kann geholfen werden.“ Martin stellte die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Ortsrat heraus. „Wir schätzen es ganz besonders, dass die Gemeindeverwaltung Exemplare der Heimatblätter an Archive und außerörtliche Vereine und Heimatforscher im Saarland und Frankreich verschickt.“ Die Empfänger würden sich regelmäßig für diese Freundlichkeit bedanken. Martin informierte, dass die Erstellung der Heimatblätter digital erfolgte und lobte in diesem Zusammenhang Hans-Jürgen Glaab für die Gestaltung des Buches. Nach der Begrüßung hatten alle Autoren Gelegenheit, ihre Werke kurz vorzustellen. Die Rezitationen wurden durch Gesangsstücke musikalisch umrahmt, vorgetragen von der Sängervereinigung „Frohsinn“ unter der Leitung von Dirigent Rudi Meiser. Die Heimatblätter können in der Bäckerei Sausen in der Poststraße, bei Schreibwaren Komma in der Hauptstraße und in der Postagentur in der Gertrudstraße zum Preis von acht Euro erworben werden.

Mit der neuen Ausgabe ist es den Autoren Hans-Günther Dörr, Axel Kirsch, Herbert Martin, Alois Koch, Lothar Ries, Günther Bost und Franz-Josef Kuhn wieder einmal gelungen, Ortsgeschichte authentisch zu dokumentieren. In dem aktuellen Werk geht es nicht nur um geschichtlich zurückliegende Ereignisse. Hans-Günther Dörr beschäftigte sich intensiv mit der Windkraftanlage, die erst kürzlich im Windpark Erkershöhe ihrer Bestimmung übergeben wurde. Bei der Suche nach alten Geschäften, Lokalen und Firmen wurde Axel Kirsch fündig. Er fand beim Durchschauen alter Unterlagen seiner Großeltern eine Festschrift zum zehnjährigen Bestehen der NSDAP, Ortsgruppe Merchweiler von 1938. „In dieser Festschrift wird die Geschichte Merchweilers aufgezeichnet und im Anschluss haben Geschäfte, Lokale und auch Unternehmen inseriert.“



Herbert Martin recherchierte unter der Überschrift: „Wo unsere Vorfahren Anfang des 19. Jahrhunderts in Merchweiler wohnten.“ Hans-Günther Dörr und Alois Koch widmeten ihren Artikel Hausbeschreibungen aus dem oberen Bereich der Poststraße und der Auguststraße. Thema der neuen Auflage bildet das Galgenbergkreuz. Die Geschichte hierzu hatte Axel Kirsch geschrieben. Lothar Ries beleuchtete das Schicksal der Italiener, die in der 50er- und 60er-Jahren nach Deutschland kamen und orientierte sich an dem Buch des Sizilianers Gaetano Cassisi. „Er wohnte mit seinen vier Brüdern im Montilager, einer primitiven Wohnanlage, und er erfuhr sehr schnell die Härte im Gleisbau.“ Aber nicht nur auf der Arbeit wäre es für die Italiener nicht einfach gewesen. Man hätte sie als fremde Eindringlinge betrachtet. „Das ging sogar so weit, dass an einem Lokal in Merchweiler sogar ein Schild angebracht war mit der Aufschrift: Zutritt für Italiener verboten (Proibito rigorosamente l’ingresso agli italiani). Mit einem Vermisstenschicksal setzte sich Günther Bost auseinander und konnte nach mehr als 60 Jahren dank der Merchweiler Heimatblätter ein solches Schicksal klären. In der Ausgabe Nr. 6 des Jahres 1986 wurde der Lebenslauf von Josef Schahn veröffentlicht. Der Germanist und Heimatforscher Dr. Rudolf Post aus Gabsheim in der Pfalz hatte den Artikel gelesen und in den Urkunden des Gabsheimer Standesamtes eine Sterbeurkunde gefunden, nach der Wilhelm Schahn aus Merchweiler am 22. Oktober 1943 um 06:30 Uhr im Gelbfeld bei Gabsheim erschossen wurde.

Wilhelm Schahn war ein Cousin der Mutter des Autors und sein Schicksal war bis dato nicht bekannt. Axel Kirsch beleuchtete die Neunkircher Straßenbahn, die 71 Jahre das Stadtbild Neunkirchens prägte. Die Ära der Neunkircher Straßenbahn endete vor 40 Jahren.