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Feuerwehr im Landkreis Neunkirchen
Mit dem Blaulicht-Auto bis vor die Haustür

Die Mitglieder der Jugendwehren aus Merchweiler und Wemmetsweiler üben immer auf dem Schulhof der Allenfeldschule.
Die Mitglieder der Jugendwehren aus Merchweiler und Wemmetsweiler üben immer auf dem Schulhof der Allenfeldschule. FOTO: Andreas Engel
Merchweiler. Sechste Station unserer Serie ist die Gemeinde Merchweiler: Was für den Nachwuchs so alles im Jahresplan steht. Von Claudia Emmerich

Na wenn das kein Service ist. Von Oktober bis Ostern, wenn es abends früh dunkelt, klettern die Kinder und Jugendlichen der Merchweiler Jugendwehr nach der Gruppenstunde ins Feuerwehrauto. Und das Blaulicht-Auto fährt sie nach Hause. „Bis vor die Haustür“, lächelt Markus Salzmann, Jugendbeauftragter der Gemeinde und im Löschbezirk Merchweiler. Er weiß: Uniform, Ausrüstung, die Autos – „das ist was Besonderes, das zieht“.


„Wir sind gut aufgestellt“

Auch beim Termin mit der Saarbrücker Zeitung fährt der Feuerwehr-Tross geschlossen in den roten Autos vor. Die beiden Löschbezirke Merchweiler und Wemmetsweiler üben gemeinsam, alle zwei Wochen, meist am Schul-Standort Allenfeldstraße: „Da haben wir Platz, da gibt es keinen fließenden Verkehr.“ „Wir sind gut aufgestellt“, sagt Thorsten Spaniol, Salzmanns Stellvertreter auf Gemeindeebene und Jugendbeauftragter in Wemmetsweiler (siehe „Info“).



Neue (Spiel-)Ideen

Salzmann arbeitet als Feinmechaniker, Spaniol ist stellvertretender Kita-Leiter, studiert derzeit noch Soziales Management. Den Einfluss des Erziehers spüre man schon, sagt Salzmann. Und Spaniol erklärt: „Wir strukturieren schon mal anders. Auch im Theoretischen, weg vom Frontalunterricht.“ Gut vernetzt und mit vielen Kontakten kämen da auch immer wieder neue (Spiel-)Ideen rein.

Pädagogischer Auftrag

„Feuerwehr“, sagt Salzmann, „hat auch einen pädagogischen Auftrag.“ Das Feuerwehrspezifische stehe bei der Nachwuchsarbeit nicht im Vordergrund. „Wir schaffen die Grundlagen.“ Neben Theorie (vor allem im Winter drinnen) und Praxis (mehr im Sommer draußen) gehören viel Spiel und Spaß dazu.

Die dürfen das schon!

Es gehe auch um soziales Verhalten, um Teamgeist. „Wir profitieren von der Dynamik der Altersspanne“, sagt Spaniol. Die Mitglieder der Jugendwehr sind zwischen acht und 16 Jahren. „Die Kleinen werden mitgezogen. Die beobachten die Großen: Die dürfen das schon! Und sie wissen: Wir müssen uns hocharbeiten.“

40 Punkte auf dem Jahresplan

Insgesamt kümmert sich ein engagiertes sechsköpfiges Team aus der Aktivenwehr um die künftigen Brandlöscher. So entsteht ein Jahresplan. Der Jahresplan 2018 weist 40 Punkte auf – offen für Erweiterungen. Da liest man neben feuerwehrtechnischen Einheiten wie Stiche und Knoten, Fahrzeuge und Gerätekunde, Pumpen und Strahlrohre, Kleinlöschgeräte und Technische Hilfe auch allgemein Lehrreiches wie Aufbau und Organisation der Feuerwehr und Erste Hilfe.

Experimente mit Feuer

Ins Auge fällt auch Spannendes wie Experimente mit Feuer, Sportliches wie Kart-Cup, Völkerballturnier, Tauziehturnier und Geselliges wie Sternwanderung, Floriansmesse, Tage der Feuerwehr in beiden Löschbezirken, Spieleabend, Martinsfeier und Weihnachtsfeier. Dazu gibt es natürlich auch jede Menge Schauübungen, die Jahreshauptübung und darüber hinaus die Abnahme von Leistungsabzeichen. Mitspracheberechtigt ist auch der Jugendausschuss.

Junge Hüpfer und alte Hasen

Janis Veckes (8) hat seinen ersten Jahrsplan erhalten. „Ich bin wegen Ben zur Feuerwehr gekommen“, sagt Janis. Der Freund war schon drin. Irgendwann ging Janis mit. Und blieb. Spaß macht es ihm sichtlich, wie er in Uniform und mit Helm so erzählt. Und aus seinem ersten Jahr nimmt er Erinnerungen mit: „Der Ausflug ins Fantasialand und der Kart-Cup“, zählt Janis als besonders schöne Erlebnisse auf. Beim Kart-Cup ist er mitgefahren „und ich hab den ersten Platz gemacht“. Janis ist noch ein „junger Hüpfer“, Joshua Wilhelm (14) schon ein „alter Hase“. Seit sechs Jahren ist er dabei. „Opa, Vater und Patti – alle sind in der Feuerwehr.“ Da sollte Joshuas Weg mal nicht zu den Rettern führen. Die Abzeichen Jugendflammen hat er schon alle drei und im Juni mit seinem Team bei der Abnahme der Leistungsspange, der wertvollsten Auszeichnung bei der Jugendwehr, bestanden. Und da, das erzählen aber die Betreuer, hat Joshua wieder mal alles fürs Team gegeben. Rettete beim 1500-Meter-Staffellauf – zeitlich war es ganz eng – die entscheidenden Sekunden. „Die Gemeinschaft und die Kameradschaft“, das schätzt Joshua bei der Feuerwehr. „Und helfen können.“ Wen wundert es, dass der sportliche Schlaks als weiteres Hobby auch noch sein Rettungsschwimmer-Engagement bei der DLRG nennt. < wird fortgesetzt