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Merchweilers Bürgermeister Patrick Weydmann musste letzten Endes kapitulieren

Sturm in Merchweiler : Da nützte auch kein Konfetti mehr

Merchweilers Bürgermeister Patrick Weydmann musste letzten Endes kapitulieren und das Feld für die Narren räumen.

Die vier Merchweiler Karnevalsvereine KiKaJu, Mir senn do, Wemmetswella Knausekepp und Illtalraketen – verstärkt noch durch den Förderverein Karnevalsumzug Wemmetsweiler – hatten für Samstagmorgen um 11.11 Uhr zum Rathaussturm aufgerufen. Bei Sonnenschein und fast durchgehend blauem Himmel kamen viele Fastnachtbegeisterte aus Merchweiler und Umgebung vor dem Rathaus zusammen. Während die verschiedenen Garden der Karnevalsvereine und die Konfetti-Artillerie vor dem Rathaus in Stellung gingen, sagte Brigitte De Pizzol von der KiKaJu gegenüber der SZ: „Wir werden den Bürgermeister und seine Helfer schon aus dem Rathaus rausbekommen. Das schaffen wir spielend. Auch in Merchweiler muss jetzt die Herrschaft der Narretei beginnen und der dröge Alltag verschwinden!“

De Pizzol, bekannt für ihre temperamentvollen Sitzungsmoderationen, hatte für die Merchweiler Karnevalisten die Verhandlungsführung gegenüber Bürgermeister Patrick Weydmann übernommen. Mit Bürgermeister Weydmann stand ihr ein gewiefter Gegner gegenüber, den man, wie es im Sprichwort heißt, nicht vor dem ersten Loch fängt. Er hatte seine Beamten und Angestellten an diesem Samstagmorgen mobilisiert und das Rathaus mit Konfetti-Kanonen in eine kleine Festung verwandelt. Ganz raffiniert und geheim hatte er sich noch zusätzlichen karnevalistischen Sachverstand geholt. Er hatte, wie er den Narren gutgelaunt vom Fenster verkündete, den berühmt-berüchtigten Generalissimus „Marlo Christiano“ aus Wemmetsweiler für den Kampf ums Rathaus verpflichtet. Beide lachten und grüßten siegesgewiss aus dem Fenster über der großen Rathaustür.

Die Narren eröffneten die Partie mit einem donnernden Schuss aus der Konfettikanone, den die Leute des Bürgermeisters mit einem Konfetti- und Süßigkeitenschauer erwiderten. Für jeden hörbar forderte De Pizzol im Namen aller Merchweiler Karnevalisten und des närrischen Volkes die Übergabe des Rathauses, damit die Herrschaft der Narren in Merchweiler beginnen könne. Das war für den Bürgermeister und seinen Generalissimus nicht annehmbar, und es regnete wieder mehrmals Konfetti und Süßigkeiten auf die Belagerer. Es folgte ein witziger und ironischer Schlagabtausch zwischen den Wortführern der beiden Parteien, wobei De Pizzol für ihre Beiträge lautstarken Beifall der Narren bekam. Natürlich blieb Bürgermeister Weydmann keine Antwort schuldig und parierte elegant. Immer wieder unterbrachen Schüsse aus den Konfettikanonen die Reden. Bald zeigte sich, dass Weydmann und sein Generalissimus auf Dauer doch dem Redetemperament von Brigitte De Pizzol und ihren spitzfindigen Argumenten nicht wiederstehen konnten. Als die Prinzenpaare dann auch noch ihren Garden befahlen, mit Tanzen, Schunkeln und Musik anzugreifen, winkte man aus dem Rathaus mit der weißen Fahne. Der Widerstand war gebrochen. Der Bürgermeister kapitulierte. Die Narren stürmten das Rathaus und übernahmen die Herrschaft.

Es sei schön, so Stephan Siegel, ein Kanonier aus den Reihen der KiKaJu, dass Bürgermeister Weydmann die alte Tradition des Rathaussturmes wiederbelebt habe und alle Karnevalsvereine sich dabei aktiv einbringen. „Der Rathaussturm ist mittlerweile wieder einer der Höhepunkte der Merchweiler Fastnacht!“

Im Anschluss an den Rathaussturm feierten Belagerer und Verteidiger zusammen in der Gerätehalle der Merchweiler Feuerwehr, wo es an nichts fehlte.