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Lernen im Grünen

 Noch schaut am Gartenteich die Folie hervor. Er wird das Prunkstück im Garten der Gemeinschaftsschule Merchweiler. Foto: A. Engel
Noch schaut am Gartenteich die Folie hervor. Er wird das Prunkstück im Garten der Gemeinschaftsschule Merchweiler. Foto: A. Engel FOTO: A. Engel
Merchweiler. Seit Sommer 2014 haben die Schüler der Gemeinschaftsschule Merchweiler in ihrem 600 Quadratmeter großen Garten gearbeitet. Aus dem verwilderten Gelände wurde ein Garten für Gemüse und zum Verweilen. Janek Böffel

Karin Gräser-Bachmann erinnert sich noch gut daran, wie das Gelände hinter ihrer Merchweiler Apotheke vor einem Jahr aussah: "Das war ein einziges, zugewuchertes Dickicht." Dichtes Wurzelwerk durchzog den trockenen Boden. Doch dann kamen die Schüler der Max-von-der-Grün-Schule. Und binnen nicht einmal eines Jahres war aus der kleinen Wildnis auf dem Grundstück von Familie Gräser-Bachmann ein kleines Paradies geworden. Oder zumindest der Grundstock für ein kleines Paradies.

Dort, wo einst Wurzeln wucherten, liegt heute unter dem Kirschbaum eine saftige Wiese. Es gibt ein kleines Gartenhäuschen, einen Weg, gepflastert mit Kies und Baumscheiben, drei große Beete mit Kartoffeln und sogar einen Teich. Dabei hat der Naturschutzbund Nabu geholfen. Den Rest haben die Schüler alleine geschafft. "Der Teich war die meiste Arbeit", sagt Cedric Beenen (13). Er ist einer von 16 Siebtklässern, die hier auf dem rund 600 Quadratmeter großen Grundstück ganz normalen Unterricht haben. Jeden Mittwoch vom gemeinsamen Frühstück bis zum Mittagessen. Und weil auch die Garten-AG auf dem Gelände mitarbeitet, verbringen einige gleich den ganzen Tag dort.

"Es ist nicht der einzige Schulgarten im Saarland, aber sicher einer der größten", sagt Schulleiter Frank Prianon. Zu verdanken ist das vor allem dem Ehepaar Gräser-Bachmann. Die beiden haben der Schule das Grundstück nämlich für einen Euro pro Jahr verpachtet.

Seit Anfang des Schuljahres arbeiten die Schüler im Fach Arbeitslehre im eigenen Garten. Schließlich ist vorgeschrieben, dass in dem Fach projektorientiert gearbeitet wird. "Wir haben da alle Bereiche abgedeckt. Natur, Holz, Metall, Ton, aber auch Ernährung", sagt Lehrerin Nina Drechsel. Ist das Wetter einmal zu schlecht, arbeiten die Schüler im Klassenzimmer an Dekorationen für den Garten.

Den Schülern macht es Spaß, auch wenn die Gartenarbeit nicht immer einfach ist. "Aber Arbeit ist immer anstrengend", sagt Cedric Beenen und Fabian Kuhn nickt zustimmend. "Schön ist es trotzdem."

Doch die Pläne für den Garten sind noch lange nicht abgeschlossen. Ein Garten will gehegt und gepflegt werden. Auch für die kommenden Jahrgänge gibt es noch genug Aufgaben. Es soll ein Gewächshaus geben und unter dem lauschigen Blätterdach des Kirschbaums soll eine Sitzecke mit Bänken aufgebaut werden. Eine davon wird wohl das Umweltministerium spendieren, wie Minister Reinhold Jost bei der Garten-Eröffnung ankündigt. Überhaupt ist er angetan von dem Konzept: "Hier gilt der Spruch, dass man fürs Leben und nicht nur für die Schule lernt." Rektor Prianon stimmt zu: "Es gibt ja immer die Frage ‚Theorie oder Praxis?' Wir brauchen beides in der Schule. Und hier funktioniert es." Und in einem Jahr dürfte der Teich dann auch fertig sein, noch schaut die schwarze Plane hervor und die Wasserpflanzen brauchen Zeit zum Anwachsen.