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Leichtahtleten des TV Wemmetsweiler trotzen Corona

TV Wemmetsweiler : Per Mausklick ins Homeoffice-Training

Für die Leichtathleten des TV Wemmetsweiler ist Trübsal blasen angesichts geschlossener Sporthallen keine Option. Unter Leitung von Trainerin Katharina Recktenwald haben sie ihre Vorbereitung auf eine mögliche Freiluft-Saison in die eigenen vier Wände verlegt. Das läuft zwar nicht immer ganz ohne Probleme ab – aber es funktioniert.

Die Sporthallen sind geschlossen. Und die frische Luft läd zwar zu einer Runde Jogging ein. Sportartenspezifisches Training ist aktuell aber nur schwer möglich. Schon gar nicht in einer Gruppe.

Deshalb kommen die Leichtathleten vom TV Wemmetsweiler mit wenigen Mausklicks zu Katharina Recktenwald nach Hause. Die 24 Jahre alte Trainerin des Vereins bietet den TVW-Athleten ihr Training im Home-Office an. Dabei ist Recktenwald, die im Winter ihr Sportstudium an der Universität des Saarlandes erfolgreich abgeschlossen hat, Präsenztraining „eigentlich um Welten lieber“. Doch besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen.

Als im Herbst vergangenen Jahres die Sporthallen unter dem zweiten Corona-Lockdown ihre Pforten schließen mussten, verschickte Recktenwald – 2019 Vize-Saarlandmeisterin im Hoch- und im Dreisprung – ihre Trainingspläne zunächst noch per WhatsApp. Optimal war das nicht. Im Gegenteil: „Die Rückmeldungen sind immer spärlicher geworden. Uns war klar, dass es schwer wird, das auf unbestimmte Zeit so durchzuziehen“, erinnert sich die 24-Jährige. Zunächst zeichnete sie ihrer Trainingsgruppe die Übungen noch auf – doch seit Dezember trainieren die Wemmetsweiler Leichtathleten zwar räumlich weiter getrennt – aber per Video-Konferenz doch wieder gemeinsam.

„Das Gemeinsame war uns ganz wichtig. Um die Gruppe zusammenzuhalten, sie zu motivieren. Und um die Zeit zu nutzen, bis wir draußen wieder zusammen trainieren, vielleicht auch wieder an Wettkämpfen teilnehmen können“, sagt Recktenwald, die einmal in der Woche zu ihren Einheiten bittet. Dann schwitzen sogar TVW-Mitglieder vor den Bildschirmen, die mittlerweile in anderen Bundesländern leben.

Verpflichtend sei die Teilnahme natürlich nicht – aber sie lohnt sich. Denn Katharina Recktenwald lässt sich für ihre Übungen immer etwas Neues einfallen. „Dehnübungen sind immer dabei. Aber ich versuche, jeder Einheit ein eigenes Thema zu geben. Das freut die Teilnehmer am meisten. Wenn ich mit etwas neuem um die Ecke komme“, sagt sie. Wichtig seien ihr Kraft-Ausdauer und Koordinationsübungen. Insbesondere solche für jene Teilnehmer, die sonst viel am Schreibtisch sitzen. Manche Inhalte denkt sie sich komplett selbst aus. Bei anderen lässt sie sich durch Bücher oder das Internet inspirieren – und ergänzt sie mit eigenen Ideen. Geräte sind nur selten notwendig. Oft kann mit dem eigenen Körpergewicht gearbeitet werden. Und wenn nicht „dann wird sich alles im Haushalt gegriffen, was nicht niet- und nagelfest ist“, sagt Recktenwald.

Dem Training in den eigenen vier Wänden sind aber Grenzen gesetzt. „Für manche Übungen reicht der Platz einfach nicht. Und jemand, der in einer Mietwohnung lebt, sollte besser keine Sprungkraftübungen durchführen“, erklärt die Trainerin und muss schmunzeln. Auch die liebe Technik macht den Teilnehmern ab und an einen Strich durch die Rechnung. „Manchmal fliegt jemand aus der Leitung. Aber der macht dann eben so lange für sich weiter, bis das Bild wieder läuft. Und wenn die Katze eines Teilnehmers ins Bild läuft, müssen natürlich alle pausieren und erstmal die Katze bewundern“, sagt Recktenwald und lacht.

Auch zu erkennen, ob einer der Teilnehmer eine Übung nicht richtig ausführt, sei auf dem kleinen Bildschirm schwerer auszumachen als beim Präsenztraining. Und der Aspekt, sich gegenseitig anzutreiben entfällt zumindest zum Teil. „Diese liebevollen kleinen Seitenhiebe. Dieses ‚Los, du kannst noch mehr’ ist online schwieriger. Die Teilnehmer erkennen sich selbst nicht so gut, weil ich die einzige bin, die auf ihrem Bildschirm ‚groß’ angezeigt wird“, erklärt sie. Besser als ausschließlich für sich alleine zu trainieren sei es aber allemal.

Das Training so zu steuern, dass sich niemand über- oder unterfordert fühlt, sei indes kein Problem. „Wenn ich sehe, dass jemand noch Luft nach oben hat, sage ich ihm: ‚Pack noch was drauf’. Und ein anderer Teilnehmer macht eben einen Satz weniger. Da sind wir flexibel.“

Offizielle Trainerin beim TV Wemmetsweiler ist Katharina Recktenwald seit 2019. In die Arbeit eingebunden ist sie aber schon viel länger. „Die Übergänge waren fließend“, sagt sie. Nun macht sie die älteren Leichtathleten des Vereins zusammen mit Ursel Schröter und Christopher Pinter fit, der zugleich Abteilungsleiter ist. Pinter bietet bei Bedarf sogar noch eine zweite wöchentliche Online-Trainingseinheit für die TVW-Sportler an.

Dass Corona keine negativen Auswirkungen auf den Sport – insbesondere die Jugendarbeit – haben wird, kann sich Katharina Recktenwald nur schwer vorstellen. „Bei so einer langen Pause ohne Sport, wenden sich manche Kinder vielleicht anderen Hobbys zu. Und ich befürchte, man wird erst in ein paar Jahren merken, dass vielen Kids die Grundlagen fehlen, die eigentlich heute gelegt werden müssen.“

Unabhängig davon freut sich Katharina Recktenwald schon heute auf den Tag, an dem sie ihre Trainingsgruppe endlich wieder von Angesicht zu Angesicht zum Schwitzen bringen wird. Und bis dahin kommen die Leichtathleten des TV Wemmetsweiler eben weiter mit wenigen Mausklicks zu ihr nach Hause.
www.tv-wemmetsweiler.de