Kleiner Umzug, große Freude

22 Gruppen beim Rosenmontagsumzug der Karnevalsgesellschaft „Mir senn do“.

Petrus war sich offenbar bewusst, dass er bei den Merchweiler Fasebooze noch etwas gut zu machen hatte: Diese hatten im letzten Jahr wegen des Sturms lediglich eine abgespeckte Indoor-Version ihres Fastnachtsumzuges in der Allenfeld-Halle veranstalten können. Diesmal gab's dafür Frühlingstemperaturen und Sonnenschein, als sich der Zug am Montagmorgen vom Solch aus in Bewegung setzte. Volltönend erklang dabei das Bergmannslied, Garden befeuerten die Stimmung mit fröhlichen Alleh-Hopp-Rufen. Es folgten Schneemänner, drollige Fellknäuel in Neonfarben und andere lustige Gestalten. "Insgesamt haben wir 22 Gruppen, das liegt im üblichen Rahmen", sagte Thomas Franz von der Karnevalsgesellschaft "Mir senn do", die den Zug veranstaltet. Dass dieser relativ klein sei, das mache ihn gerade aus: "Unser Umzug ist gemütlich und familiär und die Stimmung immer super."

Am Straßenrand hatten sich trotz der frühen Stunde (zehn Uhr), die Narren versammelt und das offenbar ohne größere Kater-Erscheinungen vom Vortag. So jedenfalls bei Mareike Popki, Stefanie Frick und Freundinnen, die allesamt mit Nachwuchs unterwegs waren und in einfallsreichen Tierkostümen steckten. Der Merchweiler Umzug sei einfach optimal für Familien, erklärten sie. Man müsse nicht zwei Stunden stehen und weil nicht so viel Gedränge sei, könnten die Kinder prima umherflitzen und Süßigkeiten einsammeln. "Hier werden auch immer tolle Sachen geworfen, nicht nur diese Nullachtfünfzehn-Kamelle", so Popki. In der Tat flogen Marken-Guddzja und -Schokoriegel durch die Luft, außerdem hatte man für die Kinder mitunter besondere Überraschungen wie Flummis dabei.

Bei den Kleinen kamen auch die hellblaue Konfetti werfenden Eisköniginnen von der Mir-senn-do-Junggarde mit ihren glitzernden Tüll-Kostümen besonders gut an. "Unserer Trainerin haben wir diese schönen Kostüme zu verdanken, außerdem einen tollen Tanz", sagte Charline Lehmann, die nach eigenen Angaben bereits als Baby Karnevalistin war. Beeindruckend war auch das große Schiff der Mir-senn-do, das sich mit seiner Besatzung bestgelaunter Narren durch die Menge schob. Leichtfüßig hinterher tänzelte Christa Backes, energisch mit den Stoffmassen ihres mexikanischen Folklore-Kleides wedelnd. Der Rest ihrer Truppe von der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) Merchweiler lief mit Sombreros und bunt befransten Ponchos mit. "Wir hatten gleich nach dem letzten Umzug beschlossen, dieses Mal als Mexikaner zu gehen", erklärte Backes. "Das hat also nichts mit Trump oder seiner Mauer zu tun. Die würden wir heute sowieso nur einreißen!"