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48 Jahre im Rathaus von Merchweiler
Die schwarze Null wäre schön gewesen

Mit den Unterlagen für "seinen" letzten Doppelhaushalt für die Gemeinde Merchweiler: Kämmerer Hans Werner Zewe geht Ende des Jahres in Rente.
Mit den Unterlagen für "seinen" letzten Doppelhaushalt für die Gemeinde Merchweiler: Kämmerer Hans Werner Zewe geht Ende des Jahres in Rente. FOTO: Heike Jungmann
Merchweiler. Nach 48 Jahren bei der Gemeinde Merchweiler geht Kämmerer Hans Werner Zewe in den Ruhestand.

Ein bisschen neidisch ist er auf Wolfgang Schäuble und Olaf Scholz. „Mein Ziel wäre die schwarze Null gewesen“, sagt Hans Werner Zewe. Er lächelt zwar, aber man merkt es dem Kämmerer an, dass er es sich sehr gewünscht hätte, dem Merchweiler Gemeinderat zum Ende seiner Dienstzeit einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren zu können.


Ein Bundesfinanzminister habe es eben leichter, einen Haushalt aufzustellen, bei dem die Ausgaben die Einnahmen nicht übersteigen. In der Gemeinde Merchweiler war dies letztmals im Jahr 2001 der Fall. „Seit dem Jahr 2002 schreibt Merchweiler rote Zahlen“, erinnert sich Zewe sehr genau. Damals war es ein Minus von 202 000 Euro. Heute geht das Defizit in die Millionen.

1998, als Hans Werner Zewe vom Sozialamt der Gemeinde Merchweiler auf Wunsch des damaligen Kämmerers Werner Klein zu den Finanzen wechselte, waren Kassenkredite für die Gemeinde noch ein Fremdwort. Aber Kredite auch wofür? Erst mit der Schließung des Bergwerks Göttelborn konnte Merchweiler nachhaltig investieren.



Jahrelang hatten Bergschäden die Gemeinde und ihre Bewohner in Atem gehalten. „Den Investitionsstau abzuarbeiten, kostet Geld“, erklärt Zewe deshalb die heutige Situation.

Große Projekte wie etwa der geplante Neubau der Grundschule Merchweiler sind deshalb nur noch unter größter Kraftanstrengung zu stemmen.

Fünfeinhalb bis sechs Millionen Euro wird die neue Schule, die neben der alten gebaut werden soll, wohl kosten.

„Das ist eine spannende Sache“, findet Zewe. Da müssten alle Hand in Hand arbeiten, denn so ein Projekt bekomme man heutzutage nicht mehr allein hin.

Dass noch unter seiner Regie die grundsätzliche Finanzierung mit Hilfe von Bund und Land auf den Weg gebracht wurde, darüber ist Hans Werner Zewe froh.

Darauf könnte er sogar stolz sein, findet sein Dienstherr, Bürgermeister Patrick Weydmann. Ein „sehr zuverlässiger und hervorragender Mitarbeiter“ der Gemeinde gehe nun in den Ruhestand, sagt der Verwaltungschef unserer Zeitung.

Übrigens einer, der der Gemeinde Merchweiler 48 Jahre die Treue gehalten hat. Am 1. September 1970 begann der 16 Jahre junge Hans Werner Zewe seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Gemeinde Merchweiler. Die war damals, vier Jahre vor der Gebiets- und Verwaltungsreform im Saarland, noch ohne Wemmetsweiler wesentlich kleiner.

Nach der Bundeswehrzeit wurde Zewe 1974 wieder eingestellt, war zunächst beim Ordnungsamt und dann von 1980 bis 1998 beim Sozialamt.

„Hättschde kä Luscht zu wechsele?“, sei er damals vom Kämmerer Werner Klein gefragt worden. Zewe hatte tatsächlich Lust, denn, so bekennt er: „Im Grunde bin ich ein Zahlenmensch.“

Den Wechsel in die Finanzverwaltung habe er nie bereut, es sei eine interessante Tätigkeit. Auch wenn es – siehe oben – vom Ergebnis her nicht immer „so angenehm“ gewesen sei.

Zu Hause ist übrigens Ehefrau Christel für die Finanzen zuständig, verrät Hans Werner Zewe. „Unn mir hann kä Defizit“, sagt er lachend. Die ganze Familie freut sich darauf, „dass Opa (vier Enkel) jetzt mehr Zeit hat“.

Ehefrau Christel habe ihm stets den Rücken frei gehalten, nur so habe er den intensiven Job auf diese Weise ausüben können.

Langeweile werde er im Übrigen sicher nicht haben, dafür sorgen unter anderem das gemeinsame Hobby Tanzen und vor allem die Arbeit im Vorstand des TV Merchweiler, wo Zewe seit vielen Jahren Tischtennis spielt.

Wandern und Radfahren nennt der Kämmerer, dessen Nachfolge mit Erik Schäfer zum 1. Januar 2019 bereits feststeht, als weitere seiner Hobbys. „Ich falle nicht in ein Loch, das ist klar.“