Guddzja, Popcorn, Faasekuche

Rund 60 Fußtruppen und Wagenbesatzungen zogen beim Wemmetsweiler Fastnachtsumzug von der Bildstockstraße Richtung Ortsmitte.

Bei traditionellen Festen weiß eigentlich keiner mehr, warum gefeiert wird? Von wegen. Zwar sah beispielsweise die "Truppe von der Bauersch Siedlung" mit ihren über den Kopf gestülpten Gießkannen und den Brause-Aufsätzen als Nasen in erster Linie einfach urkomisch aus, doch hatte sie sich auch einiges dabei gedacht: "Wir gießen die ersten Blumen, die den Frühling ankündigen. Und Fastnacht soll ja den Winter vertreiben, also passt das gut", erklärten sie.

Nullachtfünfzehn-Kostüme waren eben nicht angesagt bei den Teilnehmern des Wemmetsweiler Fastnachtsumzugs Sonntag Nachmittag - die rund 60 Fußtruppen und Wagenbesatzungen hatten sich kreativ und mit Liebe zum Detail in Schale geschmissen.

So auch "das Geviehz", auf Hochdeutsch "die Zootiere" von der privaten Karnevalsgruppe Ewen. "Wir sind schon seit 20 Jahren zusammen auf der Faasend unterwegs", erzählte Achim Ewen. Und auch auf dem Wemmetsweiler Umzug sei man Stammteilnehmer. Die Geselligkeit, die Stimmung sowie die Freude am Feiern und an Traditionen treibe die 18-köpfige Gruppe jedes Jahr aufs Neue hierher.

Rock'n'Roll-Tänzer, Schlümpfe, Astronauten, Bienen, Cowboys und allerlei andere Gestalten zogen von der Bildstockstraße Richtung Ortsmitte, außerdem natürlich die Karnevalsvereine aus der eigenen Gemeinde sowie aus Nachbarorten, teilweise mit Prinzenpaaren. Klar, dass da ordentlich Guddzja und Popcorn flogen, Faasekuche und kleine Schnäpse verteilt wurden. Die Besucher hatten alle Hände voll zu tun mit Sammeln, Allee-Hopp-Rufen und Anfeuern der ein oder anderen Tanzgruppe. Dabei wurde es am Straßenrand ziemlich kuschelig: Mindestens 10 000 Besucher hatten sich eingefunden, wie von verschiedener Seite geschätzt wurde.

Vielleicht lag es an dieser geballten Närrischkeit, dass die Sache mit der Vertreibung des Winters ziemlich gut klappte: Ein blauer Himmel, Sonnenschein und milde Temperaturen begleiteten den Zug bis zum Schluss. Da machte es sich der ein oder andere Besucher gerne in einem mitgebrachten Klappstuhl bequem, die Anwohner saßen hier und da gemütlich mit Freunden im Vorgarten.

"Kaiserwetter, Kaiserstimmung", freute sich Frank Moser vom dreiköpfigen Haupt-Organisationsteam des Fördervereins Karnevalsumzug Wemmetsweiler. Mit der Größe des Zuges liege man im üblichen Rahmen und man sei sehr zufrieden. Acht der Gruppen sorgten dabei für die adäquate musikalische Untermalung, sodass sich Klassiker wie "S'is Faasenacht" etwa mit dem wummernden Bass eines "Bass Wars"-Wagens oder den Party-Hits eines Après-Ski-Wagens abwechselten.

Im Anschluss an den Umzug feierten die Faasebooze in den örtlichen Gaststätten und der Halle weiter.