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Max-von-der-Grün-Schule
„Glück ist vor allem, anderen zu helfen“

Wemmetsweiler. In der Reihe „Sei dein eigener Held“ erzählte Extremsportler Joachim Franz in der Max-von-der-Grün-Schule seine Geschichte. Von Mathias Huckert

Mit 30 Jahren brachte Joachim Franz 123 Kilogramm auf die Waage. Vier Monate später überquerte der Wolfsburger beim Marathon in Hamburg die Ziellinie. Mit dem Tretroller war er auf der ganzen Welt unterwegs, mit dem Fahrrad radelte er bis ans Nordkap. Doch all das bedeutet kein Glück für ihn. „Glück ist vor allem, anderen zu helfen“, erzählt Franz den rund 70 Schülern der neunten und zehnten Klassen der Max-von-der-Grün-Schule in Wemmetsweiler. In Zukunft soll es an der Schule ein Sozialpraktikum geben. Der Vortrag der Reihe „Sei dein eigener Held“, der vom Sparkassenverband sowie den Sparkassen in Neunkirchen und Saarbrücken und der LBS mitorganisiert wurde, soll dafür einen Anreiz liefern.


Joachim Franz ist Expeditionsleiter, Extremsportler, sogar als „Europäer des Jahres“ wurde er ausgezeichnet. „Wer von euch kennt mich?“, fragt er in die Runde und blickt dann in ratlose Gesichter. Das zeigt, dass man sich nicht in den Mittelpunkt drängen muss, gibt der 57-Jährige zu verstehen. Dabei wippt Franz auf und ab, ist immer in Bewegung. Das schwarze Shirt spannt auf seiner Brust, die muskulösen Oberarme sind voller Tätowierungen. Was die denn bedeuten, will an einer Stelle ein Schüler wissen. „Jedes Tattoo steht für eine Expedition“, so Franz. Demnach muss sein ganzer Körper voller Tinte sein: Joachim Franz hat 2011 in 111 Tagen die ganze Welt bereist, aber vor allem hat er sich eingesetzt für die, denen es schlecht geht. Aids und Kinderprostitution hat er den Kampf angesagt. Seine Waffe in diesem Kampf: Bewusstsein schaffen.

Das tat Joachim Franz als er die Strecke von Paris nach Dakar mit dem Mountain-Bike fuhr, 6500 Kilometer gegen Aids. Oder als er die rote Aids-Schleife in die alpine Todeszone oberhalb von mehr als 7000 Höhenmetern auf den höchsten Berg zwischen Kirgistan und China schleppte. Und das tut er auch jetzt an der Max-von-der-Grün-Schule, als sich eine Schülerin erkundigt, wo man spenden kann. Für Joachim Franz zählt jeder gespendete Cent, aber „ihr könnt selbst etwas Größeres bewirken“, gibt er zu verstehen. „Stellt selbst eine Spendenaktion auf die Beine und schreibt mir eure Ideen“, schlägt er vor.

Es gäbe für ihn eigentlich keine größere Form von Glück, als zu sehen, dass man anderen hilft, erklärt Joachim Franz und kneift dabei die Augen zusammen. Dann deutet er auf die Fältchen an seinem linken Auge. „Das sind keine Falten. Das ist Glück“.