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Dietz: Zurück zur freiwilligen Ganztagsschule

Merchweiler. Mit bislang 22 Anmeldungen für das kommende Schuljahr steht die Ganztags-Gemeinschaftsschule Merchweiler trotz ihres anerkannt guten Angebots am Ende der Beliebheitsskala der weiterführenden Schulen im Kreis. Der Merchweiler Bürgermeister Walter Dietz (CDU) hatte eine solche Entwicklung befürchtet. SZ-Redakteurin Solveig Lenz-Engel sprach mit ihm. Laut früher gemachter Aussage des Landkreises als Schulträger, gelten für die gebundenen Ganztagsschulen nicht die Mindestzahlen wie für die übrigen Gemeinschaftsschulen.

Nur elf Merchweiler Kinder haben sich für die Schule in ihrer eigenen Gemeinde entschieden. Wie kommt das? Was bedeutet das für die Gemeinde?

Walter Dietz : Bis einschließlich des Schuljahres 2012/2013 hatte die damalige Erweiterte Realschule Merchweiler ein freiwilliges Nachmittagsangebot, von dem die Schulkinder beziehungsweise deren Eltern ganz nach Wunsch Gebrauch machen konnten. Nach der Darstellung des Schulleiters beim "Tag der offenen Tür" 2013 hatten von über 300 Schulkindern 160 Schulkinder dieses Angebot in Anspruch genommen. Mit dem Schuljahr 2013/2014 wurde die Schule als verpflichtende Ganztags-Gemeinschaftsschule weitergeführt. Für die Kinder, die nachmittags zu Hause sein wollten oder sollten, war an dieser Schule also kein Angebot mehr. Der Schulleiter drückte das so aus: "Die können wir nicht mehr bedienen." So kam es, dass aus den Anmeldungen von 53 Kindern im Schuljahr 2012/2013 nur noch 32 Anmeldungen für das Schuljahr 2013/2014 wurden. Daraus sind für das Schuljahr 2015/2016 nur noch 22 Anmeldungen geworden. Damit ist die Mindestschülerzahl von 220 Schülern in den Schuljahrgängen fünf bis neun, die für einen geordneten Schulbetrieb gesetzlich vorgeschrieben ist, nicht mehr erreichbar. Damit droht die Schließung der Schule.

Wie viele Kinder (teilweise werden sie auch Gymnasien, vor allem das Illinger Illtal-Gymnasium, besuchen) werden im Sommer aus den beiden Merchweiler Grundschulen entlassen?

Dietz: In den vierten Klassen der Grundschulen sind insgesamt 68 Kinder, die auf eine weiterführende Schule wechseln.

Wie stellen Sie sich die Zukunft der Gemeinschaftsschule Merchweiler vor?

Dietz: Mit einem Angebot für nachmittags, das ganz nach den eigenen Bedürfnissen und Wünschen in Anspruch genommen werden kann, wäre allen geholfen. Für die ursprünglich freiwillige Ganztagsschule wurde eigens ein Gebäude für 1,5 Millionen Euro erstellt, gefördert zu 90 Prozent von Bundes- und Landesmitteln, das gemeinsam von Grundschule und Erweiterter Realschule genutzt worden ist. Seit die Gemeinschaftsschule als verbindliche Ganztagsschule geführt wird, wird der Teil in diesem Gebäude praktisch nicht mehr genutzt.

Was erwarten Sie vom Kreis als Schulträger?

Dietz: Angesichts der aktuellen Anmeldezahlen ist es höchste Zeit einzusehen, dass der Versuch, die Gemeinschaftsschule als gezwungene Ganztagsschule weiterzuführen, der falsche Weg war und gescheitert ist. Deshalb fordere ich die Verantwortlichen auf, zur freiwilligen Ganztagsschule zurückzukehren. Sie haben die Situation völlig falsch eingeschätzt. Darüber hinaus ist die gezwungene Ganztagsschule die teuerste Schulform. Zurzeit wird sogar noch an das Gebäude am Standort Waldschule für über eine Million Euro angebaut, obwohl zu befürchten steht, dass die Schule mangels Schulkindern nicht aufrecht erhalten werden kann. Gleichzeitig wird das Gebäude für die freiwillige Ganztagsschule am Standort Allenfeldschule nur noch sehr sparsam genutzt. So darf man mit öffentlichen Finanzmitteln nicht umgehen.