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Naturschutz
Die Vision von wilden Weiden

Auch an der sogenannten Merchweiler Alm sind Arbeiten zur Umsetzung des Beweidungsprojektes rund um den Absinkweiher Hahnwies im Gange. Das Bild zeigt Ulrich Heintz, den Geschäftsführer der LIK.Nord.
Auch an der sogenannten Merchweiler Alm sind Arbeiten zur Umsetzung des Beweidungsprojektes rund um den Absinkweiher Hahnwies im Gange. Das Bild zeigt Ulrich Heintz, den Geschäftsführer der LIK.Nord. FOTO: Andreas Engel
Merchweiler/Illingen. „Vogelzug und wilde Weiden“ heißt fast poetisch  das Projekt des Zweckverbandes LIK.Nord rund um den Schlammweiher Hahnwies. Die SZ hat sich angeschaut, was dort aktuell  passiert. Von Solveig Lenz-Engel

 Es ist mächtig kalt, als das SZ-Team sich mit Ulrich Heintz aufmacht, das 180 Hektar große Areal rund um den ehemaligen Schlammweiher Hahnwies zu erkunden. Heintz, den Geschäftführer des Zweckverbandes Landschaft der Industriekultur Nord (kurz LIK.Nord; siehe Info) ficht das nicht an. Er erwärmt sich an der Vision der Parklandschaft mit umherziehenden halbwilden Pferden und Rindern und mit Zug- und Wasservögeln, die hier dank des Einsatzes der LIK.Nord schon bald Wirklichkeit werden soll. „Vogelzug und wilde Weiden“ heißt das Projekt und bislang war für die Öffentlichkeit eher schwer erkennbar, was da eigentlich auf dem Gelände zwischen Illingen-Steinertshaus und Merchweiler passieren soll. Ängste waberten bei vielen Naturfreunden, denen die Hahnwies längst zum Spazier- und Erholungsgebiet geworden ist. Sommers  wird sogar gebadet, Angler gehen ihrem Hobby nach. „Wenn es einen Zaun wegen der Tiere gibt, können wir dann noch auf unsere Wege?“,  so die Sorge.


„Weil der Weiher noch unter Bergaufsicht der RAG steht, ist das Betreten des Geländes zurzeit eigentlich nicht zulässig“, klärt Ulrich Heintz auf. Entsprechende Schilder weisen auch in der Tat darauf hin, werden aber von den Hahnwies-Freunden geflissentlich übersehen. Mit der RAG laufen zurzeit Verhandlungen wegen der Übernahme des Weihers durch die LIK, ebenso mit Landwirten und anderen Grundstückseigentümern. Das sei alles auf einem guten Weg, so Heintz. Ebenso der Abriss der sogenannten Merchweiler Alm. Noch steht ein Teil des fest gemauerten  Hütte, in der man  sich bis vor einigen Jahren auf ein Kaltgetränk oder einen Kaffee treffen konnte. Doch dann kümmerte  sich niemand mehr darum und aus dem kleinen Idyll wurde eine Art wilder  Müllkippe. Die LIK räumte nicht nur den Dreck weg, sondern lichtete auch den Baumbestand. So entstand eine freie Fläche mit Obstbäumen. Die Überreste der Hütte werden in den nächsten Tagen abgetragen.  Gras soll wachsen. Weitere bislang privat genutzte „Freizeitanlagen“  (Weiher) in der Nähe der Alm werden, so Heintz, auch nach und nach gemäß der Ziele der LIK umgestaltet. Ansonsten seien keine weiteren Flächenfreistellungen und keine größeren Anpflanzungen geplant.

Der Merchweiler Bürgermeister Patrick Weydmann freut sich über die Fortschritte im LIK-Gebiet, das ans Merchtal angrenzt, das zum Naturschutzgebiet „Täler der Ill und ihrer Nebenbäche“ gehört. Denn Ulrich Heintz verbreitet die Kunde, dass möglicherweise noch in diesem Jahr  der erste Abschnitt des Beweidungsprojektes (oberhalb des Weihers bei Steinertshaus)  an den Start gehen könne. Robuste Konik-Pferde und Galloway-Rinder könnten es sich dann dort  in einem eingezäunten Areal gut gehen lassen. Spaziergänger kommen über Viehsperren (Cattle Grids)  und Drehkreuze hinein, die Tiere aber nicht hinaus.

Plan ist es auch, den Uferbereich des zu 90 Prozent auf Illinger Bann liegenden Weihers zum großen Teil für Vögel beziehungsweise Amphibien zu reservieren. Die Menschen sollen über eine Aussichtsplattform an den Entwicklungen teilhaben können. Ein Spaßweiher wie beispielsweise Itzenplitz soll der Hahnwiesweiher also nicht werden. Zurzeit  sorgt die RAG mit einem Pump-Kreislauf für den recht konstanten Wasserstand, Oberflächenwasser aus Hahnbach und Merch trägt dazu bei. Ob der  von der RAG beantragte Grubenwasseranstieg Auswirkungen auf den alten Absinkweiher des Bergwerkes Göttelborn haben könnte,  weiß auch der Diplom-Geograph Ulrich Heintz nicht.

Laut Heintz bemüht sich die LIK um einen harmonischen Übergang für die bisherigen Besitzer und  Nutzer von Wiesen- und Ackerflächen, Ziel sei aber eine pestizid- und düngerfreie Fläche ohne landwirtschaftliche Nutzung. Dank der Tiere wird die Verbuschung der wilden Weiden eingeschränkt, eine halboffene parkähnliche Landschaft soll dem Besucher später einmal in Zusammenhang mit der weiten Wasserfläche eindrucksvolle Naturerlebnisse ermöglichen. Und das mitten in dem dicht besiedelten Raum des Landkreises Neunkirchen. Man darf auf die Ergebnisse des Projekts gespannt sein.