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Die Ki-Ka-Ju, Karnevalsverein aus Merchweiler

Die Fastnachter der Ki-Ka-Ju : Wo Walter Dietz einst die Garden trainierte

Es gibt 31 Fastnachtsvereine im Landkreis Neunkirchen. Zuzüglich der Neunkircher Karnevalsausschuss (NKA) als Dachverband über acht Neunkircher Vereine. Sie teilen sich auf in zwei Regionalbezirke: Neunkirchen-Sulzbachtal und Illtal. Auch für die Fastnachter ist die Pandemie-Zeit besonders schwer: keine Umzüge, keine Kappensitzungen. Aber die Fastnacht lebt dennoch. Deshalb stellen wir in unserer Serie die Vereine vor. Heute: Ki-Ka-Ju Merchweiler.

Es gibt Dinge, über die zerbricht man sich ewig den Kopf und kommt dann doch nicht drauf. Bei Namen kann das schon mal passieren. Wie beim Merchweiler Karnevalsverein Ki-Ka-Ju. Wer hier was denkt wie: Kinder-Karneval-Jugend, der liegt zu zwei Dritteln daneben. Katholische Gruppierungen sind nämlich Ursprung des Namens, schließlich wurde der Verein vom Kaplan Franz-Werner Schaaf und Mitgliedern des Kirchenchors (Ki), der katholischen Arbeitnehmerbewegung (Ka) und – da stimmt dann die Vermutung – Jugend (Ju) gegründet. Im Jahr 1957 hatte die rheinische Frohnatur zusammen mit einer Karnevals-Gruppe aus seiner Heimatstadt Boppard am Rhein eine Kappensitzung in Merchweiler organisiert. Dort gab es damals nämlich noch keinen Verein. Schaaf hat das dann schnell geändert und noch 1957 die Ki-Ka-Ju gegründet. Schon 1958 war die erste Kappensitzung. Von da an war das katholische Vereinshaus in Merchweiler das Vereinsheim der Gecken. Erster Sitzungspräsident damals war Rudi Woll.

Seitdem sind die Narren Ki-Ka-Ju Garant für närrische Stimmung. Zwei Kappensitzungen, eine Mädchensitzung, eine Kinder- und Jugendsitzung bieten sie in normalen Jahren an. Natürlich sind sie mit den anderen Karnevalsvereinen der Gemeinde bei Sessionseröffnung und Rathaussturm am Fastnacht-Samstag dabei. Ganz verzichten die Ki-Ka-Ju’ler aber auch in diesem Jahr nicht auf ihre geliebte Fastnacht. Für den 13. Februar, den Fastnachsamstag, haben sie laut Schriftführer Michael Marx nämlich eine Online-Sitzung geplant: Mit Höhepunkten der letzten Jahre und einigen Corona-konform neu aufgenommenen Auftritten. Sechs Tanzgruppen hat der Verein. Das Männerballett „Die schwulen Elfen“ ist dabei über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Und das nicht nur wegen des rosafarbenen Transporters, den die Gruppe benutzt. Der Ki-Ka-Ju war Ausrichter der ersten Saarlandmeisterschaft der Männerballette im Bundesverband deutscher Männerballette im Jahr 2010 und seither wieder 2015, 2017, 2018 und 2019. Überhaupt der Tanz. Da  gibt es beim Ki-Ka-Ju nicht nur mit Jana König und Emely Bruhn zwei Tanzmariechen, auch ein doch eher seltenes Tanzpaar hat der Verein mit Fabienne und Lisanne Flausse. Mit das Schönste aber und bei weitem unter Umständen Überraschendste, was es in Sachen Tanz bei diesem Verein zu sagen gibt: In den 70er Jahren hat kein Geringerer als der ehemalige langjährige (1999 bis 2015) Bürgermeister von Merchweiler, Walter Dietz, die Garde des Vereins trainiert.

36 Kinder und Jugendliche sind in der Ki-Ka-Ju aktiv: in den drei Tanzgruppen, als Solotänzerinnen, Büttenredner und Aktive bei der Kinder- und Jugendsitzung. Darauf ist der Verein stolz, sagt Marx. Büttenredner, Elferrat und  Gesangsgruppen ergänzen die Reihen der Aktiven. Wo andere Vereine mit Gästen arbeiten, hat die Ki-Ka-Ju gleich einen Doppelpack. Bei den Gesangsgruppen nämlich mit Merchtalkowe und Bombastisch. Und da wird auch gerne mal bei Wettbewerben ein Preis mit nach Merchweiler gebracht. Eines allerdings gibt es hier nicht: ein Prinzenpaar oder Vergleichbares. Nur einmal, im Jahr 2007 zum 50-jährigen Bestehen, da war ein katholisches Dreigestirn an der Macht. Passend zum Namensursprung regierten Pfarrer (Stefan Braun), Kirchenschweizer (Harald Knauber) und Häushälterin (Michael Marx) als außergewöhnliches Dreigestirn im Jubiläumsjahr.

In nicht von der Pandemie bestimmten Jahren ist die Ki-Ka-Ju auch außerhalb der Fastnacht aktiv: Vereinsfahrten, Teilnahme an den Schlemmertagen, Versorgung mit Essen und Getränken beim Eisschwimmen der Merchweiler Seelöwen.

Auf eins können die Merchweiler auch noch ganz besonders stolz sein. Denn mehr oder weniger ihnen ist es zu verdanken, dass es den Fischbacher Karnevalsverein gibt. Nachdem nämlich die Ki-Ka-Ju und der Quierschieder Karnevalsverein 1975 in der Fischbachhalle eine Sitzung hatten, wollten die Fischbacher gerne auch einen Verein.

Und dann gibt es da aber auch noch was, was der Ki-Ka-Ju so richtig Kummer macht, wie Marx der SZ verrät. Das katholische Vereinshaus in Merchweiler, Trainings- und Auftrittsstätte der Ki-Ka-Ju von Anfang an, ist zurzeit vakant. „Und in der aktuellen Situation findet sich auch kein neuer Wirt“, bedauert Marx. Bleibt nur die Hoffnung auf die Zeit nach der Pandemie. Aber jetzt freut man sich erst einmal auf das bisschen, was an Fastnacht möglich ist: die Online-Sitzung am Fastnachtsamstag. Und, ach ja: Filme, Bilder und dies und das, die findet man natürlich auch auf der Homepage des Vereins und kann dort eintauchen in eine Zeit, als man niemals gedacht hätte, dass es ein Jahr ohne Fastnachtsveranstaltungen geben könnte.

Das Männerballett der Ki-Ka-Ju 2010 bei der ersten Saarlandmeisterschaft der Männerballette in der ausverkauften Allenfeldhalle. Foto: Kikaju/Marx
Das katholische Dreigestirn 2007: Kirchenschweizer (Harald Knauber), Haushälterin (Michael Marx) und Pfarrer (Stefan Braun) mit Hans Jakob. Foto: Kikaju/Marx
Eine gemeinsame Truppe zusammengestellt aus den Ki-Ka-Ju-Garden beim Rathaussturm 2018. Foto: Kikaju/Marx
Sind sie nicht ganz entzückend? Die Minis bei ihrem Schautanz „Biene Maja“ 2020. Foto: Kikaju/Marx
Die Ki-Ka-Ju bei der Sessionseröffnung am 11.11. 2017 in Köln. Foto: Kikaju/Marx

www.kikaju.de