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Umsetzung der Synode
Die Hände zum Himmel heißt ja und nein

Das Erkundungsteam für die Pfarrei der Zukunft Neunkirchen (von links): Sabine Lord, Lydia Fried und Thomas Ascher. Donnerstag und Samstag warben sie bei 
Info-Veranstaltungen „Rendezvous im neuen Raum“ in Wemmetsweiler und Merchweiler um lokale Mit-Erkunder.
Das Erkundungsteam für die Pfarrei der Zukunft Neunkirchen (von links): Sabine Lord, Lydia Fried und Thomas Ascher. Donnerstag und Samstag warben sie bei Info-Veranstaltungen „Rendezvous im neuen Raum“ in Wemmetsweiler und Merchweiler um lokale Mit-Erkunder. FOTO: Claudia Emmerich
Wemmetsweiler/Merchweiler. Info-Veranstaltungen warben um lokale Mit-Erkunder für Großpfarrei Neunkirchen. Vielen bleibt noch zu viel im Vagen. Von Claudia Emmerich


Die Aufwärm-Runde (Aufstellen nach Alter, nach Haupt- oder Ehrenamt), der Informations- und Frageblock im Plenum sowie Ideen sammeln in Kleingruppen liegen hinter ihnen. Der Abend nähert sich nach zwei Stunden seinem eigentlichen Zweck. Lydia Fried (61) vom dreiköpfigen Erkundungsteam für die „Pfarrei der Zukunft Neunkirchen“ stellt die drei entscheidenden Fragen – als Stimmungstest: Wer möchte unbedingt mitarbeiten? Wer sagt ja, aber ...? Wer sagt, das ist nichts für mich?

Hintergrund: Das Bistum Trier entwirft sich in Umsetzung der Synode neu (siehe „Info“, wir berichteten). Zehn diözesane Teams bringen vor Ort in den neuen 35 Großpfarreien einen „Erkundungsprozess“ auf den Weg, gestalten und begleiten ihn. Dafür brauchen und suchen sie lokale Mit-Erkunder. Am Donnerstag in der Begegnungsstätte Wemmetsweiler (60 Teilnehmer) und am Samstag im katholischen Vereinshaus Merchweiler (20 Teilnehmer) hat sich unterm Titel „Rendezvous im neuen Raum“ das Team für die Großpfarrei Neunkirchen vorgestellt und sein Konzept präsentiert.

„Wir können die Glaubwürdigkeit als Kirche zurückgewinnen, wenn wir die Menschen besser wahrnehmen“, formuliert es Thomas Ascher (60). Deshalb sei zu überlegen, „wo wir hingehen, wo wir hinschauen wollen, mit welchen Menschen wir sprechen sollten“. Methoden könnten unterschiedlich sein, zum Beispiel Stadtteil- und Ortsbegehung oder auch Interviews. Zielgruppen seien gerade Menschen, die wenig oder nichts (mehr) mit der Kirche zu tun hätten. „Wir suchen Menschen, die neugierig sind, die auf Menschen zugehen können und wollen“, sagt Sabine Lord (49). „Wir suchen auch Menschen, die in der Planung mitarbeiten, die Daten und Ergebnisse sichern, zusammenschreiben und dokumentieren wollen, die Beiträge auf die Homepage stellen oder an die Presse geben wollen.“ Mit-Erkunder würden nicht alleingelassen: „Wir bereiten uns gemeinsam vor. Wir gehen – zumindest am Anfang – mit. Wir werten gemeinsam aus.“

Vier Großpfarreien betreuen Ascher, Fried und Lord. Eine gewaltige Aufgabe. In Wadern waren sie schon zur Auftaktveranstaltung. Auf Neunkirchen folgt diese Woche Merzig. Dann wartet noch Hermeskeil. Über sich und ihre Motivation erzählen sie auf der Homepage des Bistums (http://www.erkundung.bistum-trier.de/erkundung/erkunderinnen-erkunder-nach-pdz/).



Knapp drei Stunden nimmt sich das Trio in Wemmetsweiler Zeit. Der Abend ist zeitlich und inhaltlich straff strukturiert und getaktet, Power Point, Flipchart, Stellwände, Zettel und Pins, reichlich Gedrucktes, Plenum und Gruppenarbeit kommen zum Einsatz. Laugenteilchen, Obstkörbe und Kaltgetränke stehen in der Pause bereit. Dennoch, so nimmt es der Beobachter wahr, bleibt für viele wohl noch sehr viel im Vagen.

Lydia Fried bittet zu ihren drei Fragen um Handzeichen. Die Hände zum Himmel hieß ja und nein. Drei Frauen, nach kurzem Zögern eine vierte Frau melden sich auf die erste Frage. Sie sind sich sicher, mitmachen zu wollen. Sie glauben, die Kirche muss neue Wege gehen, und sie wollen diese Wege mitgehen. Sieben Arme gehen hoch auf die zweite Frage. „Das interessiert mich schon, aber ich weiß nicht genau, wo ich ansetzen soll“, heißt es da. Die ganz große Mehrheit erhält Frage drei. Selbstzweifel, ob man auf andere so offen zugehen könne, Zweifel, ob man da ehrliche Antworten bekomme, lauten Begründungen. Auch Skepsis wird laut, ob es nicht einen klareren Auftrag, eine klarere Zielsetzung brauche.

Das Trio wirkt nicht überrascht. Sie leiten über, was und wie Scheu genommen, für die Aufgabe motiviert werden könne. Ihr konkretes Angebot: eine Probeerkundung: „Das Team legt Ort und Methode fest. Wir bereiten die Erkundung vor und nach.“

Am Ende des Ganzen freuen sich Lydia Fried, Sabine Lord und Thomas Ascher in der Begegnungsstätte über immerhin 25 „Rückläufer“. Gelbe Zettel, in die sich Interessierte für eine Mitarbeit in der Erkundung der Pfarrei der Zukunft Neunkirchen eintragen konnten, auch wenn sie darüber nur informiert werden möchten.

Für die „Pfarrei der Zukunft Lebach“ heißt es „Rendezvous im neuen Raum“ am Montag, 18. Juni, 19.30 bis 21.30 Uhr, im Big Eppel in Eppelborn.