Das Wort „Zensur“ erhitzte die Gemüter

Das Wort „Zensur“ erhitzte die Gemüter

Hat der ehemalige Merchweiler Bürgermeister Walter Dietz Zensur im Mitteilungsblatt betrieben? Der Vorwurf empörte im jüngsten Gemeinderat die Christdemokraten, die sich dagegen verwahrten.

Wer hätte gedacht, dass das gemeindliche Mitteilungsblatt, dessen Auftritt moderner wird, im Gemeinderat für derart harsche Worte sorgen würde? Bürgermeister Patrick Weydmann (SPD ) hat in der jüngsten Sitzung am Montag darauf hingewiesen, die Verwaltung habe mit dem Linus-Wittich-Verlag die Optik des Blattes neu konzipiert ("es wird deutlich bunter") und darauf verwiesen, der Erscheinungstag werde von Donnerstag auf Mittwoch vorverlegt. SPD-Sprecher Albin Hanstein sagte darauf: "Es geht jetzt nur um das Layout. Zum Inhalt wird aber noch das ein oder andere zu besprechen sein." Es dürfe im Mitteilungsblatt nicht um die "Darstellung einzelner Personen gehen". Auch kleinere Fraktionen müssten ihre Themen einbringen können. CDU-Sprecher Reinhold Schuh erwiderte, bis dato habe der Bürgermeister ja wohl den Blick darauf gerichtet, dass jedem im Rat Gerechtigkeit widerfahre. Es verwundere, dass der Sozialdemokrat nun Handlungsbedarf sehe. Worauf Hanstein erklärte, Weydmanns Amtsvorgänger und dessen Hauptamtsleiter hätten korrigierend und zensierend eingegriffen. Das wollte Christdemokrat Schuh nicht auf seinem Parteifreund, dem ehemaligen Bürgermeister Walter Dietz , sitzen lassen: "Ein nicht konkretisierter Zensurvorwurf ist eine mehr als fragwürdige Sache." Ihn verwunderten die Ängste, da der Bürgermeister doch nun aus den eigenen Reihen komme. Weydmann betonte, es gebe unter ihm keine Zensur .

Ebenfalls uneins waren sich Hanstein und Schuh beim Thema Jugendzentrum. Wiewohl Einigkeit im Wunsch nach einem Angebot für junge Leute besteht, äußerte die CDU doch Bedenken. Zum einen, so Schuh, habe der Kreis noch keine Zusage für die 50-Prozent-Förderung gegeben. Darüber hinaus erhoffe er von dort eine fachliche Beurteilung zu den Konzepten der beiden möglichen Betreiber Diakonisches Werk und Stiftung Hospital. Barbara Fügen-Meyer, Geschäftsbereichsleiterin im Rathaus, erläuterte, der Kreis verlange einen festen Finanzierungsplan und ein Konzept: "Wir müssen uns für einen Träger entscheiden." Merchweiler sei einzige Gemeinde im Kreis ohne Treff. Die CDU-Sorge, am Ende mit womöglich geringer Förderung leben zu müssen, schien ihr unbegründet. Auch der Vorschlag von Hans-Henning Krämer (Grüne), das Projekt "vorbehaltlich einer Zuschussbewilligung" zu starten, stieß auf Widerstand. Marlo Christiaens (SPD ): "Heißt das dann, der Jugendtreff ist gestorben, wenn es keinen Zuschuss gibt?" Sein Fraktionskollege Hanstein: "Wir wollen den Jugendtreff und treiben ihn voran." Das war Mehrheitsmeinung. Die Caritas ist Betreiber-Favorit.