Besuch im Heimatmuseum Wemmetsweiler

Heimatmuseum Wemmetsweiler : Ein Nachlass für die folgenden Generationen

Die heimatkundliche Dauerpräsentation im Wemmetsweiler Museum wird durch Wechselausstellungen ergänzt.

Wer das Heimatmuseum in Wemmetsweiler besuchen will, der muss gut zu Fuß sein. „Ja, wir sind leider nicht barrierefrei“, bedauert Museumsleiter Hans-Jürgen Glaab beim SZ-Besuch angesichts der zahlreichen Stufen. Der 61-jährige pensionierte Polizeibeamte ist einer von mehreren Leuten im Arbeitskreis Heimatkunde, die das Museum in der Grundschule Zum Striedt ehrenamtlich betreuen. Zu ihnen gehört auch Hans Groß (79), der schon von Anfang an dabei ist und beim SZ-Termin einiges zu erzählen hat.

Um es vorweg klarzustellen: Das Treppensteigen lohnt sich, denn wer die Stufen bis auf den früheren Speicher und die einstige Hausmeisterwohnung der Schule hinter sich gebracht hat, der darf eintauchen in die Geschichte des Ortes. Sie wird mit Relikten von den Römern bis in die heutige Zeit veranschaulicht.

Die ersten Anstöße zur Einrichtung eines Museums hatte 1983 der Wemmetsweiler Heimatkundler Robert Kirsch gegeben, der 1978 den Arbeitskreis Heimatkunde gegründet und 1980 die erste Ausgabe der Wemmetsweiler Heimatblätter herausgebracht hatte. Danach dauerte es zehn Jahre, in denen das Museum nach und nach bestückt und schließlich 1993 offiziell eröffnet wurde. „Wenn es ihn nicht gegeben hätte, gäbe es das Museum nicht“, würdigt Hans Groß die Initiativen des im vergangenen Jahr verstorbenen Historikers. Zu Ehren des Museumsgründers wird im Heimatmuseum derzeit eine Ausstellung über die „Juden in Illingen“ gezeigt, die noch bis April nächsten Jahres zu sehen ist. Es ist eine von regelmäßigen Wechselausstellungen zu verschiedenen Themenbereichen im Wemmetsweiler Heimatmuseum, die alljährlich am internationalen Tag des Museums geändert werden.

Davon unberührt bleibt die Dauerausstellung des Museums. Deren wichtigstes Anliegen ist es, die Geschichte des Dorfes aufzuarbeiten. So zum Beispiel die gesamte Literatur des Ortes, die sorgfältig archiviert ist. Hier werden Katasterkarten aufbewahrt, eine seltene Dokumentensammlung über die Saarabstimmung 1935 ist erhalten geblieben, alle Festschriften und die Vereinsliteratur sind lückenlos vorhanden, die Schul- und Ortschronik aus dem Jahr 1924 gehört zum Bestand und auch zahlreiche Fotografien und Bilder aus früheren Zeiten. Das Museum verfügt zudem über reichhaltige Informationen zur Familien- und Ahnenforschung, „und davon wird reichlich Gebrauch gemacht“, bestätigt Museumsleiter Glaab. Einige der im Museum archivierten Schriften stellt der Arbeitskreis Heimatkunde auf der Internetseite des Museums auch digital zur Verfügung. In den Museumsräumen sind aber beileibe nicht nur Schrift- und Bilddokumente zu finden.

Viele bedeutende Nachlassenschaften der Ortsgeschichte werden im Hauptraum des Museums aufbewahrt. Dort weist etwa die Nachbildung eines sogenannten „Dreibannsteins“ auf die verschiedenen Herrschaftsbereiche in der Region im Mittelalter hin. Dazu gehört unter anderem die Kerpenzeit, der eine großflächige Dokumentation mit Schriftstücken, Urkunden und Siegeln gewidmet ist. Auch die Erinnerung an die Wemmetsweiler Bergbauvergangenheit wird hier aufrechterhalten, etwa mit unterschiedlichen Ausführungen von Grubenlampen oder Helmen, die in zwei Vitrinen ausgestellt sind.

Römische Funde wie Münzen oder der Teil einer Wasserleitung gehören genauso zu den Ausstellungsstücken wie die frühere Uniform des Dorfpolizisten. „Das ist meine ehemalige Uniform“, klärt der frühere Polizist und heutige Museumsleiter Glaab die Herkunft der keineswegs mehr zeitgemäßen Dienstbekleidung auf. Auch das Modell und die Grundsteinurkunde der Kirche Maria Königin, die 1995 wegen Bergschäden abgerissen werden musste, werden hier verwahrt. Etliche Banner und Fahnen an der Decke zeugen von einer regen Vereinswelt, und auch das Rennrad Baujahr 1950, mit dem der Wemmetsweiler Radrennfahrer Berthold Marx einst große Erfolge gefeiert hat, gehört zur Ortsgeschichte.

Die Spritze der Wemmetsweiler Feuerwehr von 1937 samt Zubehör hat im Museum ebenfalls eine Bleibe gefunden. „Die mussten wir aber total auseinander bauen, damit wir sie hier hoch gekriegt haben“, erinnern sich die beiden Museumshelfer an den Transport des Gerätes durch das Treppenhaus. Gleiches gilt auch für den original erhaltenen Leiterwagen als Hauptstück der landwirtschaftlichen Abteilung des Museums. Der Fuhrwagen wurde in der früheren Wagnerei Kirsch gefertigt, die in diesem Raum als Modell nachgebaut ist. Direkt daneben steht die Nachbildung eines saarländischen Bauernhauses samt Umfeld und Figuren.

Im gleichen Raum finden die Besucher eine alte Kücheneinrichtung mit längst vergessenen Utensilien, im Zimmer daneben sind die Werkzeuge und Werkstatteinrichtungen des Schreiners, Schusters und Wagners aus dem Ort erhalten geblieben und im Schlafzimmer mit Elternbett und zwei Kinderbetten aus längst vergangenen Zeiten haben die Nachtkleider genauso ihren Platz wie das festliche Hochzeitskleid der Braut und der Zylinder des Bräutigams. Auch das Klassenzimmer aus dem vergangenen Jahrhundert mit Schulbänken und dem dazugehörigen Lehrerpult fehlt im Heimatmuseum nicht.

Zu den Prunkstücken des Museums zählt die noch voll funktionsfähige Kirchturmuhr der alten Pfarrkirche St. Michael, die dem Heimatmuseum als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurde. Auch die Figuren aus der abgerissenen Vierzehnnothelferkapelle haben hier ihren Platz gefunden. Es kann an dieser Stelle nicht alles erwähnt werden, was im Heimatmuseum Wemmetsweiler aufbewahrt wird. Eines ist aber unbestritten: Die Einrichtung im Dachgeschoss der Striedtschule ist ein ganz wichtiger Nachlass und fast so etwas wie eine Schatzkammer der Wemmetsweiler Geschichte. „Hier werden viele Dinge für die Nachwelt erhalten“, heben die beiden ehrenamtlichen Museumsmitarbeiter hervor und das sei eben ganz wichtig. Es könnten gut und gerne noch mehr sein, weil dem Museum aus der Bevölkerung immer wieder Gegenstände zur Verwendung angeboten werden, „aber wir können aus Platzgründen nicht mehr alles annehmen“, bedauern Groß und Glaab.

Das Heimatmuseum Wemmetsweiler ist eine wichtige kultur- und lokalhistorische Einrichtung, „und es wird auch von der Bevölkerung angenommen“, versichern die beiden Ehrenamtler. Und sie fügen stolz hinzu: „Die Leute sind immer wieder verwundert, was sie hier alles finden können“, und das ist auch eine Anerkennung für die ehrenamtliche Arbeit des Arbeitskreises Heimatkunde

Das Heimatmuseum Wemmetsweiler in der Grundschule Zum Striedt ist an jedem zweiten Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Träger des Heimatmuseums ist die Gemeinde Merchweiler.

www.heimatmuseum-wemmetsweiler.de

Alle Serienteile finden sich im Internet.

Museumsleiter Hans-Jürgen Glaab vor seiner ehemaligen Polizeiuniform, die von 1959 bis 1978 von den Beamten so getragen wurde. Foto: Jörg Jacobi
Hans Groß ist ein Mann der ersten Stunde des Museums. Seit Jahren engagiert sich der ehrenamtliche Heimatkundler. Foto: Jörg Jacobi
Der Spritzenwagen der Feuerwehr von 1937. Foto: Jörg Jacobi
In der Schuhmacherwerkstatt sitzt auch ein Schuhmacher. Foto: Jörg Jacobi
Im Schlafzimmer aus Omas Zeiten sind von der Bettpfanne bis zum Kinderwagen viele Dinge zu sehen, die in alten Zeiten gebräuchlich waren. Foto: Jörg Jacobi
Kirchen- und Vereinsfahnen sowie Schautafeln der derzeitigen Wechselausstellung. Foto: Jörg Jacobi
Auch Schmetterlinge aus aller Welt gibt es hier zu sehen. Foto: Jörg Jacobi

www.saarbruecker-zeitung.de/
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