1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Merchweiler

Axel Lebedeff und sein Buch "Die Beichte"

Buchvorstellung : Hommage an die geliebte zweite Heimat

Axel Lebedeff aus Merchweiler hat mit „Die Beichte“ ein Buch geschrieben, in dem sich Realtität und Fiktion mischen. Der Krimi spielt in seinen beiden Heimaten: im Saarland und in der Bretagne.

Jeder hat ja in diesen Zeiten auf seine ganz eigene Art zu verarbeiten, was die mit der Corona-Krise einhergehenden Ausgangsbeschränkungen mit sich bringen. Das gilt ganz sicher dann und ganz besonders, wenn man die Hälfte des Jahres in einem anderen Land verbringt. Wie das bei Axel Lebedeff der Fall ist. Seit über 20 Jahren haben die Lebedeffs ein Haus in der Bretagne, fühlen sich dort immer mehr zu Hause. So sehr, dass sie zwar, wie Lebedeff beim Besuch in der Redaktion an Tagen vor der Krise bestätigt, ihre Heimat Merchweiler nie ganz aufgeben würden. Aber doch genug, dass der kleine Ort mittlerweile genauso Heimat ist wie der eigentliche Heimatort. Und dass nicht zuletzt deshalb die Bretagne eine besonders große Rolle spielt im Roman von Axel Lebedeff. Wie heute so üblich ist das 500-Seiten-Werk als „book on demand“ erhältlich. Wohin es den Leser entführt, das macht das Foto auf dem Cover deutlich: an die raue Küste der Bretagne.  Hier, um genau zu sein in Brest, agiert Lebedeffs Kommissarin Morgane Tanguy. Aber klar: „Die Beichte“ spielt auch im Saarland, schlägt sozusagen den Bogen zwischen den beiden Heimaten des Autors.

Der gerät bei der Beschreibung seiner französischen Heimat so richtig ins Schwärmen. Und in Gedanken wünscht sich der Zuhörer dorthin, wo die Lebedeffs die Hälfte des Jahres immer mal für ein paar Wochen leben: in das Haus, ein paar Hundert Meter vom Meer entfernt, in einer kleinen Siedlung mit 15 Häusern. „Die Leute sind dort unwahrscheinlich liebenswert, ehrlich und offen“, sagt der ehemalige Leiter der VHS Merchweiler. Ein ganz anderes Gemeinschaftsgefühl herrsche dort. Wenn die Lebedeffs Richtung Bretagne fahren, dann wissen sie: Ausruhen nach 1000 Kilometern Fahrt ist erst einmal nicht. Man trifft sich mit den Nachbarn, man redet, singt, isst und trinkt zusammen. „Die Menschen dort sind sich viel näher als die Menschen hier.“ In den Wochen, in denen die Lebedeffs im Saarland sind, da kümmern sich die Nachbarn ganz selbstverständlich um den 2500 Quadratmeter großen Garten.

Woher kommt diese Liebe zur rauen Westküste unseres Nachbarlandes? Das weiß Lebedeff sofort. In den 70er Jahren sei er erstmals mit seiner Frau in der Bretagne gewesen. Damals schon waren die Beiden begeistert von den Häusern dort und waren sich schon im Klaren darüber: Hier werden wir einmal ein Haus kaufen. Lebedeff, der Leiter Controlling bei Saarberg war, war immer sehr engagiert in seiner Heimatgemeinde: Leiter der VHS, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrs-Vereins. Mit Mitte 50 fand er es an der Zeit, seinen Traum zu verwirklichen. In einer Immobilien-Zeitschrift entdeckte die Tochter das heutige Haus der Lebedeffs. Die Familie sah es und, so Lebedeff, „ich dachte sofort: Hier will ich leben“. Gesagt, getan. Noch heute kann sich Lebedeff darüber freuen, wie schnell man ihn dort akzeptiert hat, wie schnell der Kontakt nicht nur zu den Nachbarn, sondern auch zum Bürgermeister entstand. Die guten Kontakte, die konnte er dann auch in seine ehrenamtlichen Tätigkeiten in Merchweiler einbringen.

Geschrieben hat er übrigens auch schon immer gerne. Bereits als Jugendlicher habe er für die Kirchengemeinde Beiträge für das monatliche Heftchen „Die Brücke“ beigesteuert. Lange habe er sich vorgestellt, ein Buch zu schreiben, wusste aber  nicht zu welchem Thema. Lebedeffs Frau, sehr kunsthistorisch interessiert, wenn auch ansonsten eher der Techniker in der Familie („und ich bin der Kaufmann“), ging einige Jahre nach Lebedeff in Rente. Der hatte bis dahin weiterhin keine Langeweile: hat Reisen organisiert, die Reden am Volkstrauertag gehalten und und und. Nach der Pensionierung seiner Frau hat Lebedeff nach und nach alle Ehrenämter abgegeben. Zuletzt, 2011, den Vorsitz des Heimat- und Verkehrsvereins. „Nun habe ich gewusst, dass ich einen Roman schreiben will.“ Und auf einmal ging alles wie von selbst. Lebedeff erinnerte sich an eine Geschichte, die er Jahre zuvor gelesen hatte, von einem Sturm bei Brest, der Menschenknochen an Land gespült hatte. Schnell war ihm klar, wie sich darum eine Geschichte bauen ließe. Die Problematik des Fremdseins sollte eingeflochten werden. Und so entstand die Geschichte des Mannes mit russischen Wurzeln, der der Kommissarin sein Leben erzählt. Der Sohn eines russischen Zwangsarbeiters beichtet, was er Schlimmes getan hat. Realität und Fiktion vermischen sich in dem Buch. Und auch autobiografische Züge hat es, beispielsweise was die Zwangsarbeiter-Abstammung betrifft. „Es geht auch um Ausgrenzung, um Isolation in dem Buch. Um Vorurteile, die heute genauso aktuell wie damals sind.“ Die Personen im Krimi sind fiktiv, die Orte gibt es, Geschehnisse fanden ebenfalls so statt. Damit es fürs Geschehen zusammenpasst, hat Lebedeff sich ein bisschen künstlerische Freiheit erlaubt.

Mit der Recherche hat es Lebedeff sehr genau genommen. Hat in Bibliotheken und vor Ort sowohl im Saarland als auch in der Bretagne recherchiert. „Zum Glück spricht meine Frau bedeutend besser Französisch als ich, die hat da beim Übersetzen geholfen.“ Geholfen hat sie auch beim Zusammenstreichen. Denn anfangs war das Buch mit 1000 Seiten doppelt so dick wie heute. Einen Verlag hat Lebedeff bislang keinen gefunden. Ob der Titel da etwas abschreckt? „Die Beichte“ mit dem Untertitel „Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott“ mag ja nicht zwingend auf einen Kriminalroman hinweisen. Ist aber nicht verhandelbar. Der Titel stand nach vielen Überlegungen. Der Untertitel entspricht einem wichtigen Lebensmotto, das im Buch eine große Rolle spielt. Immerhin: 50 Exemplare sind über „book on demand“ schon verkauft. Die Freunde in Frankreich wollen gerne eine Übersetzung haben. Da ist Lebedeff mit zwei Professoren im Gespräch. „Vielleicht findet sich ja in Frankreich ein Verlag“, hofft er.

Die intensive Suche danach wird nun wohl noch etwas warten müssen, ebenso wie die Lesungen hierzulande. Wenn alles gut geht, findet die nächste im September in Quierschied statt. Bis der Weg ins Haus in der Bretagne noch einmal frei ist, da kann sich Axel Lebedeff zumindest im Kopf in die geliebte zweite Heimat begeben. Denn für Kommissarin Morgane Tanguy, da hat er schon den nächsten Fall parat.

Axel Lebedeff, „Die Beichte“, Books on Demand, ISBN 9783749468089, 15,99 Euro, als E-Book 9,99 Euro