Ausstellung im Illinger Juden im Heimatmuseum Wemmetsweiler

Immer weniger Zeitzeugen : Die Erinnerung an Illinger Juden wach halten

Anlässlich des Internationalen Museumstages wurde eine besondere Ausstellung im Wemmetsweiler Heimatmuseum eröffnet.

Mit dunklen Locken und einem weißen Kragen schaut die gerade mal vier Jahre alte Francine Lazar in die Welt. Sie ist das jüngste Kind der jüdischen Familie Lazar, die in Illingen ihren Lebensmittelpunkt hatte. Bis zum Jahr 1936 – da sind die Lazars ausgewandet ins unbesetzte Frankreich. Dort wurde auch Francine geboren – im Jahr 1939. Am 8. Februar wurde sie in Auschwitz ermordet.

Die Familie gehörte zu den Illinger Juden, ihr Schicksal ist ein kleiner Teil der Ausstellung, die seit Sonntag im Heimatmuseum in Wemmetsweiler zu sehen ist. Ohne Wertung und unaufgeregt zeigen die Schautafeln unter dem Motto „Juden in Illingen“ die akribische Arbeit von Robert Kirsch. Sie allesamt fesseln den Betrachter. Der Gründer des Heimatmuseums und langjährige Schulleiter des Illtalgymnasium Illingen hat sie zusammen mit Schülern und Schülerinnen im Schuljahr 1988/89 zusammengetragen.

Ein kleiner Ausschnitt aus der Saarbrücker Zeitung aus dieser Zeit scheint wie ein kleiner Beleg dafür, wie wichtig die Aufarbeitung des Themas vor 30 Jahren gewesen ist. „Judenfriedhof in Illingen geschändet“ – titelte die SZ am 27. Februar 1989. Und auch heute ist das Thema weiterhin hochaktuell. „Man darf nicht aufhören, an die Geschichte zu erinnern. So etwas darf nie mehr passieren“, erklärt Doris Deutsch, Ehefrau des KZ-Überlebenden Alex Deutsch. Die Wiebelskircherin war am Sonntag eine der Besucherinnen der Ausstellungseröffnung. Unter den Gästen war auch Judith Kirsch, Ehefrau des verstorbenen Robert Kirsch. Sie hatte nach seinem Tod die Schautafeln im Keller entdeckt und dem Heimatmuseum zur Verfügung gestellt. „Es freut mich sehr, dass Robert auf diese Weise noch einmal so intensiv ins Gedächtnis gerufen wird“, sagt sie. Die Geschichte der Illinger Juden, weiß sie, lag ihrem Mann am Herzen. „Er hat die Schicksale aus der Nachbarschaft ausgearbeitet und wollte damit Betroffenheit wecken“, erklärt Kirsch.

Betroffen macht nicht nur das Schicksal der kleinen Francine und ihrer Familie. Betroffen machen die vielen Bilder, aber auch Namenslisten, die vom Schrecken des Nationalsozialismus erzählen. Von 112 Juden, die in Illingen zu Beginn der NS-Zeit gelebt haben, waren 32 geblieben, erlebten die große Zerstörung in der Reichskristallnacht. Zur Geschichte gehören aber auch Fotografien von jüdischen Soldaten aus dem 1. Weltkrieg. Etliche Häuser, auch das erzählen die Bilder, haben eine jüdische Vergangenheit, die heute kaum noch jemand kennt. Die Ausstellung, erklärt Museumsleiter Hans Jürgen Glaab, war nicht ganz vollständig, musste um einige Fotos und Dokumente ergänzt werden, „Wir wollten die Ausstellung, die das Thema neutral angeht und zugleich die Erinnerung wachhält, gerne noch einmal der Öffentlichkeit zugänglich machen“, sagt er.

Michael Marx, Ortsvorsteher von Wemmetsweiler, lobte die Auswahl des Themas für die diesjährige Wechselausstellung, die traditionell am Internationalen Museumstag eröffnet wird. „Man muss immer wieder in die Welt hinaus erzählen, was damals geschehen ist. Gerade jetzt, wo die Zeitzeugen immer mehr verloren gehen, ist die Ausstellung von großer Bedeutung“, betonte er. Sein Dank ging an Hans-Jürgen Glaab und das gesamte Team. Das hat parallel zur Ausstellung für einen 220 Seiten starken sehens- und lesenswerten Museumsführer gesorgt — ein Muss für jeden Museumsbesucher, aber auch Illinger Bürger.

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