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E-Mobilität im Kreis Neunkirchen - Was bringt die Zukunft
Mehr E-Autos auf den Straßen im Kreis

Das elektrisch betriebene Auto ist auf den Straßen im Kreis Neunkirchen noch immer eine Rarität, auch wenn sich die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge im vergangenen Jahr verdreifacht hat.
Das elektrisch betriebene Auto ist auf den Straßen im Kreis Neunkirchen noch immer eine Rarität, auch wenn sich die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge im vergangenen Jahr verdreifacht hat. FOTO: Karsten Klama / dpa
Kreis Neunkirchen. Aber wie umweltverträglich ist der Stromantrieb? Experte erwartet verschiedene Alternativen für die Zukunft. Von Michael Beer

Gehört dem Elektroauto die Zukunft? Trotz staatlicher Förderung ist im Kreis Neunkirchen von den leise surrenden Fahrzeugen noch nicht wirklich viel zu sehen. Wobei das Thema offensichtlich zart an Fahrt aufnimmt. Die Neunkircher Zulassungsstelle hatte Stand Januar 2017 noch von 23 Elektroautos gesprochen, ein Jahr später zählt sie 84 rein elektrisch betriebene Wagen - bei einer Gesamtzahl von rund 85 000 allerdings. Gleichermaßen überschaubar ist bislang das Netz der frei zugänglichen Stromzapfsäulen. Die Stadtwerke Neunkirchen betreuen gerade einmal fünf. Vor ihrer Haustür haben sie Mitte 2014 die erste in Betrieb genommen. Am Wolsztyner Platz, am Rathaus Neunkirchen, an der Klinkenthalhalle in Landsweiler-Reden und am Rathaus in Spiesen stehen weitere. Auch Autohändler im Kreis haben im Rahmen der SZ-Serie „E-Mobilität im Kreis“ berichtet, die Nachfrage nach solchen Modellen sei gering. Ganz anders das E-Bike. Ob im Wald oder auf der Straße, das Rad mit elektrischer Unterstützung ist massiv im Kommen. Doch das verändert am Straßenverkehr nichts, eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz durch E-Mobilität nimmt der Kreis derzeit noch nicht ein. Die Hoffnung auf mehr Umweltverträglichkeit durch die Abkehr vom Verbrennungsmotor ist zudem nicht ganz unumstritten. Woher den Strom nehmen, wenn 60 Millionen Fahrzeuge auf deutschen Straßen den Antrieb wechseln wollen? Wie sieht es beim Akku mit der Umweltverträglichkeit und den sozialen Bedingungen in Herstellerländern aus?



Klimaschutz ist ein weltweites Thema, das Unterstützer vor Ort braucht. In Neunkirchen bemüht sich ein Zusammenschluss von mehreren Partnern darum. Im Klimaprojekt Neunkirchen sitzen Vertreter von Stadtverwaltung, Sparkasse Neunkirchen und dem Energieversorger KEW. Während sie sich im Rahmen der SZ-Serie positiv zum elektrisch angetriebenen Auto gestellt haben, kamen in der Redaktion skeptische Meinungen der Leser an. Im Auftrag des Landes beschäftigt sich das Institut für Zukunftsenergie- und Stoffstromsysteme, kurz Izes, mit Sitz in Saarbrücken mit dem Thema. Mitarbeiter Hermann Guss sagt zu der Debatte: „Die heutige Einführung der Elektromobilität ist richtig und wichtig. Wenn wir erst 2050 an Elektromobilität denken, wenn unsere Stromerzeugung CO2-emissionsfrei ist, dann begegnen wir den Schwierigkeiten in der Elektromobilität zu spät.“ Dies gelte etwa für den Ausbau der Ladeinfrastruktur wie auch für die Weiterentwicklung der Batterien inklusive ihren Umweltauswirkungen.

Eine aktuelle Studie der Universität Brüssel zeige, erläutert der wissenschaftliche Mitarbeiter weiter, dass Elektrofahrzeuge in der Europäischen Union bereits heute niedrigere CO2-Emissionen besäßen als konventionelle Verbrenner. Dabei wurden auch die bei der Herstellung der Fahrzeuge freigesetzten Emissionen berücksichtigt. Für die Herstellung der Akkus werden seltene Rohstoffe gebraucht wie Kobalt und Lithium. Guss erläutert, prinzipiell sollten sie in ausreichender Menge vorhanden sein. Eine Broschüre des Öko-Instituts schließe zeitliche Engpässe allerdings nicht aus.  Um solche Engpässe zu verhindern, müsse man zum einen ein konsequentes Recycling der benötigten Bauteile angehen und zum anderen neue Techniken erforschen, die den Umstieg auf besser verfügbare Rohstoffe ermöglichen, sagt der Izes-Mitarbeiter. Natürlich gelte es durch die Festlegung von Importstandards dafür zu sorgen, dass der Abbau der notwendigen Rohstoffe sozial- und umweltverträglich geschehe. Guss nimmt an, die Mobilität der kommenden Jahr werde „bunt sein“. Verschiedene Systeme können zum Tragen kommen. Ob das Elektroauto dann einen wesentlichen Part auf unseren Straßen spielt? Bei aktuell 84 E-Mobilen müsste dafür jedenfalls einiges geschehen.