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Boule
„Mehr als Kugeln in den Dreck werfen“

Neunkirchen. Christoph Fisch, Torsten Lay und Manuel Strokosch sind die neuen Saarland- meister im Triplette. Für sie geht es an diesem Wochenende nach Berlin. Von Lucas Jost

Über 300 000 Mitglieder hat der französische Pétanque-Verband FFPJP. Bei unseren Nachbarn ist Pétanque hinter König Fußball heimliche Nationalsportart. Zu den großen Finals erscheinen selbst höchste Politiker persönlich. Die zweitgrößte Pétanque-Nation ist Thailand, wo das Spiel sogar obligatorischer Teil des Militärsports ist. Davon ist man in Deutschland weit entfernt. Bundesweit gibt es rund 20 000 Boule-, Boccia- und Pétanque-Spieler, etwa 1600 von ihnen – und das ist anhand der Gesamtanzahl beeindruckend – im Saarland.


In der Königsdisziplin des Pétanque, im Triplette, traten 27 Mannschaften Anfang Juni bei den Saarlandmeisterschaften in Neunkirchen gegeneinander an. Dass die Meisterschaften überhaupt stattfinden konnten, war Ausrichterverein Bouchon Neunkirchen zu verdanken. „Wir hatten große Bedenken wegen des Unwetters. Am Freitag stand hier alles unter Wasser. Es waren genau sieben von 24 Plätzen bespielbar. Wir haben in Handarbeit mit Eimern den Platz geräumt“, berichtet die Präsidentin Johanna Scheuer, die mit sechs Leuten über mehrere Stunden die Platz-Überflutung beseitigte und damit die Meisterschaften ermöglichte.

Am Start waren die besten Pétanque-Spieler, die das Saarland zu bieten hat. Mit Dirk Hoppe von den Pétanque-Freunden Saarbrücken zum Beispiel ein ehemaliger deutscher Meister. Er trat mit seinen Vereinskollegen Andreas Ludwig und Fabien Fuchs an – und belegte am Ende Platz drei. „Jeder kennt hier fast jeden. Es ist diese Kameradschaft, diese Natur. Man ist ständig im Freien. Und die Bewegung“, beschreibt er, was die Sportart, die er seit 40 Jahren betreibt, für ihn ausmacht.



Moment, die Bewegung? Richtig! „Wenn ich weit komme in so einem Turnier, dann laufe ich an einem Tag 15 Kilometer und mache 500 Kniebeugen. Das ist mehr als einfach nur Kugeln in den Dreck werfen“, erklärt er und widerspricht deutlich dem Klischee des Alt-Herren-Sports, das der Sportart fälschlicherweise anhaftet. Bestes Beispiel, dass die Sportart eben nicht nur für Männer mittleren Alters ist, ist Eileen Jenal vom BC Niedersalbach. Sie ist erst 18 und amtierende Europameisterin. „Ich habe 2009 angefangen und bin 2010 zum ersten Mal deutsche Meisterin geworden. Und dann wurde ich hungrig nach Erfolgen“, blickt sie zurück. „Es ist halt einfach anders. Mir gefällt die Vielfalt. Da zählt viel Taktik und Präzision mit dabei, du hast keine Hilfe, keine Hilfsmittel. Beim Boule sagt man, dass es kein Richtig oder Falsch gibt. Man muss viel aus dem Bauchgefühl entscheiden. Wenn man mental stark ist, kann man viel erreichen.“

Mit dem Ausgang des Turniers hatte Jenal, die mit Maurice Racz und Gian Franco Bruno (FV Diefflen/BC Niedersalbach) an den Start ging, letztendlich nichts zu tun. Wohl aber ihre Vereinskollegen vom BCN, Gerad Adams, David Kosmalla und Laurent Pillot, die den Einzug ins Finale schafften. Dort mussten die sich allerdings den neuen Landesmeistern Christoph Fisch, Torsten Lay, Manuel Strokosch (BC Saarlouis/PF Saarbrücken) geschlagen geben. Und für die drei großen Sieger des Tages ging mit dem Titel gleichzeitig ein weiterer, großer Erfolg einher: Die Qualifikation zu den deutschen Triplette-Meisterschaften, die an diesem Wochenende in Berlin stattfinden.