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Band spielte zum Abschied
„Mechaniker sind keine Ladenhüter“

Die 15 Besten im Fachbereich Metalltechnik wurden im TGSBBZ mit Geld- und Sachpreisen geehrt.
Die 15 Besten im Fachbereich Metalltechnik wurden im TGSBBZ mit Geld- und Sachpreisen geehrt. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Bei der Abschlussfeier der Metallberufe des TGBBZ Neunkirchen erhielten insgesamt 110 Absolventen ihre Zeugnisse und Gesellenbriefe. Verabschiedet wurden die frisch gebackenen Gesellen anschließend mit Livemusik. Von Anja Kernig

„Into the great wide open“, intonierte die eigens zum Tag zusammengestellte Band – „Hinaus in die grenzenlose Weite“, genau das dürfte das Gefühl sein, welches viele der Abgänger des Technisch gewerblichen Berufsbildungszentrums dieser Tage genießen. Am Freitag erhielten die Metaller ihre Abschlusszeugnisse und Gesellenbriefe, eingebettet in eine musikalisch abwechslungsreich von Sohn Johannes und Papa Martin Donner (Gesang, Schlagzeug) sowie Michael Reufsteck (Gitarre) gestalteten Feierstunde im Schulgebäude Jägermeisterpfad.


110 „Neuwagen mit blinkenden Scheinwerfern und glänzender Lackierung“, diesen Vergleich bemühte Schulleiter Bernd Hussong für die Industrie-, Werkzeug-, Feinwerk- und Konstruktionsmechaniker, die Fachkräfte für Metalltechnik, die Metallbauer, Anlagenmechaniker sowie Maschinen- und Geräteführer. Sie sind „keine Ladenhüter“, betonte er, warten doch quasi die Firmen schon vor der Schule, „um ihre Nutzfahrzeuge abzuholen“ – die im Übrigen auch im Ausland sehr beliebt seien. Dass kein Betrug im Spiel ist, versteht sich von selbst: „Aus dem Auspuff kommt genau das heraus, was auf ihrem Zeugnis steht“, so Hussong. Trotzdem handelt es sich nur um die Grundausstattung, also ein „Basisgolf mit 75 PS, funktionsfähig und mit solider Technik“. Um den Marktwert zu steigern und vielleicht sogar „wertvoller als ein Golf GTI“ zu werden, sei es empfehlenswert, Tuningwerkstätten, sprich Fortbildungen, zu besuchen. Wenn die frischgebackenen Facharbeiter dann noch auf sich achten, steht einem Happy End nichts im Wege: „Dann können sie als gut gepflegter Oldtimer in 40 Jahren zufrieden in Rente gehen.“

Emely Jochum, Zweibeste des Gesamtjahrgangs, braucht Hussong nicht mehr zu motivieren. Vor der Ausbildung zur Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik hat die 23-Jährige bereits den Beruf des Raumausstatters erlernt. Doch dann entschied sie sich, in den elterlichen Betrieb einzusteigen, die Heinz Jochum GmbH in Illingen. Das Lernen sie ihr leicht gefallen, „weil es auch Spaß macht“. Und wenn alles klappt, will Emely direkt die Meisterschule anschließen. Als bester Metaller 2018 wurde Aaron Agsten mit einem 500 Euro-Gutschein ausgezeichnet. Ebenso wie der Drittplatzierte, Carsten Thull, hat er Industriemechaniker bei Fresenius Medical Care in St. Wendel gelernt. Insgesamt erhielten 15 Berufsschüler von Unternehmen gesponserte Geld- und Sachpräsente wie Gartenscheren, Winkelschleifer oder Ratschenkästen.

Den Teilnehmern des Erasmus+ Projektes wurden schließlich noch ihre Europässe übereicht. Bei dem bereits zweiten europäischen Projekt des TGS BBZ hatten sie mit der Partnerschule ZSM1 aus Krakau zusammengearbeitet: Elf Azubis und drei Lehrer elf Tage in Krakau – ein nachhaltiges Erlebnis für alle Beteiligten. Gemeinsam plante, entwickelte, konstruierte und programmierte man eine Messvorrichtung für statistische Prozessüberwachung. Dafür musste ein Robotersystem mit Palettierung mit einer Messstation verknüpft werden, die mit einem Messrechner im Datenaustausch steht.

Schön wäre es, äußerte Hussong in seinem Schlusswort, wenn die schnittigen Absolventen-„Fahrzeuge“ ab und zu mal vorbei kommen würden, gern auch, um zu zeigen, was sie an neuen Funktionen erworben haben.