Kurzweilige und biographische Details präsentiert

Kurzweilige und biographische Details präsentiert

Spiesen-Elversberg. "Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss ..." - sein Kinderbuch "Max und Moritz" hat Wilhelm Busch (1832 - 1908) bis heute unvergessen gemacht. Dabei war die Lausbubengeschichte für Busch nur ein Broterwerb. Der Erfolg machte ihn finanziell unabhängig und erlaubte ihm, sich seinen Zeichnungen und Gedichten zu widmen

Spiesen-Elversberg. "Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss ..." - sein Kinderbuch "Max und Moritz" hat Wilhelm Busch (1832 - 1908) bis heute unvergessen gemacht. Dabei war die Lausbubengeschichte für Busch nur ein Broterwerb. Der Erfolg machte ihn finanziell unabhängig und erlaubte ihm, sich seinen Zeichnungen und Gedichten zu widmen. Zum 100. Gedenken (dieses Jahr jährt sich Buschs Todestag zum 100. Mal) widmen Heinrich Lukas Woll, Professor an der Musikhochschule Saarbrücken, und Ricardo Angel-Peters (Klarinette, Saxophon) dem Dichter und Zeichner ein abendfüllendes Programm, das am vergangenen Sonntag im Sitzungssaal des Rathauses in Spiesen Premiere hatte. "Gedichte und Geschichten mit Huldigungen von Morgenstern, Ringelnatz, Kästner, Heinz Erhardt und anderen", lautete der Untertitel, "denn sie alle stehen gewissermaßen auf Buschs Schultern", erklärte Woll. Und gemäß Buschs Ausspruch "Wer von Tieren spricht, spricht immer auch vom Menschen", ging es denn auch im Verlauf des Programms "ganz schön tierisch" zu. Zum Beispiel in dem fabelartigen Gedicht "Ein Marder fraß die Hühner gern", in dem der listige Fuchs den Marder so gut bei der Hühnerjagd berät, dass das aufgeschreckte Federvieh dem wartenden Fuchs quasi ins Maul fliegt, während der Marder leer ausgeht. Moral: "Wenn du nach Hühnern lüstern bist, frag' keinen, der sie selbst gern isst." Wolls ausdrucksvolle Rezitation vervollkommnet Ricardo Angel-Peters, indem er die Klarinette wild gackernd aufjaulen lässt, so dass man den Hühnerhaufen förmlich emporflattern sieht. Zwischendurch erfährt der Zuhörer noch so manche Anekdote über Busch, zum Beispiel, dass er "ein guter Gesellschafter war, und ein noch besserer Trinker" (Woll), außerdem rauchte er stark, 40 bis 60 Selbstgedrehte pro Tag, dazu noch Pfeife, hatte zwei Nikotinvergiftungen - "aber nie eine Frau", so Woll schmunzelnd. In seinem Gedicht "Der Einsame" schildert Busch, wie einer den ganzen Tag im Schlafrock umherwandert, "er kennt kein weibliches Verbot", kann "flöten, um angenehm die Zeit zu töten", und folgert am Schluss: "Wer einsam ist, der hat es gut" - ein Selbstporträt. Heinrich-Lukas Woll breitet kenntnisreich und kurzweilig eine Fülle von biographischen Details und teils unbekannten Gedichten aus der Feder Buschs aus, bringt pointiert dessen oft bösen, zynischen und sarkastischen Humor zum Ausdruck. Ricardo Angel-Peters an Saxophon und Klarinette setzt Akzente mit klassischen und jazzigen Stücken bis hin zur Klezmer-Musik und rundet das Programm zu einem gelungenen Ganzen. Dafür gab's reichlich Applaus. "Wilhelm Busch war ein guter Gesell-schafter und ein noch besserer Trinker."Professor Heinrich Lukas Woll