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Kulturwerkstatt der GGS Neunkirchen in der Stummschen Reithalle

Theater in der Schule : Und plötzlich mittendrin in der Kultur

Kreativ und witzig: Kulturwerkstatt der GGS Neunkirchen in der Stummschen Reithalle.

„Meine Damen und Herren, ich präsentiere ihnen meine Interpretation eines schottischen Hügels“, sagt Macbeth, schnappt sich ein grünes Tuch und verkriecht sich darunter. Schon kommen die Hexen, um an diesem magischen Ort einen Zaubertrank zu brauen und dem „Hügel“ eine goldene Zukunft als König von Schottland zu prophezeien. Anschließend monologisiert Hamlet munter „Sein oder nicht sein“ und der fiese Richard III buhlt um die schöne Prinzessin Anne, bevor sich die römische mit der ägyptischen Flotte auf dem Mittelmeer zofft. Und hier geben die sechs Protagonisten der Oberstufen-Theater-AG unter Leitung von Christine Münster-Domke noch mal alles: Von Seite zu Seite hetzend, spielen sie wechselweise die eine und die andere Schiffsbesatzung, inklusive dramatischer Meuchel-Szenarien.

So witzig-ironisch auf den Punkt gebracht wie bei der Kulturwerkstatt der GGS Neunkirchen in der Stummschen Reithalle sah man Shakespeare selten. Wobei sich auch die anderen Akteure und Beiträge dieser bunten Matinée nicht zu verstecken brauchten.

Los ging’s mit einem genialen Rap der AG Musik, bei dem der zwölfjährige Michael am Mikro über sich selbst hinaus wuchs. Anschließend luden die 29 Schüler der 6b zur Lesenacht ein und stolperten beim Vorlesen plötzlich in die einzelnen Geschichten – ob beim Clan von Ronja Räubertochter oder übelsten Mafiosi, die eine Waffenlieferung erwarten. Die von Georg Eich unterrichtete Theaterklasse kommt vier Mal pro Woche in den Genuss regulärer Theaterstunden, was sich bei Wortführer Paul und seinen Mitprotagonisten in spielfreudiger, ungezwungener Bühnenpräsenz bemerkbar machte. Kurz und knackig daher kam die Darbietung der Zirkus AG von Andrea Ohl, die auf vier Sprossenleitern mit akrobatischen Kunststücken begeisterte.

Doch es gab auch ruhigere Momente: So erinnerten Aya und Maya in einem selbst geschriebenen Gedicht an ihre inzwischen zerstörte Heimatstadt Aleppo und den damals allgegenwärtigen Duft der Jasminblüten, begleitet von syrischen Klängen (interpretiert von Mitschüler Azis und Musiklehrer Tobia Lyding). Ebenfalls alles selbst kreiert und einstudiert – unter Mithilfe von Anette Bolz – hatten tanzaffine Siebtklässlerinnen. Die acht jungen Damen mussten ihre mitreißende Choreographie gleich zwei Mal zeigen – so gut kam sie an.

„Kultur bildet“, hatte Schulleiter Clemens Wilhelm bei seiner Begrüßung betont. „Sie lässt Menschen die Welt um sie herum aus anderen Blickwinkeln, mit anderen Augen wahrnehmen.“ Wobei es nicht der Anspruch dieser schon traditionellen Veranstaltung sei, „dass alles fertig sein muss“. Vielmehr gehe es ums Ausprobieren und darum, den jungen Talenten eine Plattform zu bieten. Wo man es mal mit viel Fleiß hinbringen kann, zeigten Mario und Brice Bartone. Beim großen Finale rockten sie zusammen mit Bandkollege Rodolpho Azankpo die Halle derart, dass es etliche Schüler nicht mehr auf den Stühlen hielt. Spontan sprangen sie auf die Bühne, um mitzutanzen – Lebensfreude pur, was man bei einer schulischen Veranstaltung nun wirklich nicht zwingend erwartet.