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Kolumne
Zum Nägel schneiden nach Monaco

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Wer mit seiner oder seinem Liebsten wirklich den Bund fürs Leben eingehen möchte, der sollte ihr oder ihm eine ganz andere Frage stellen als „Willst du mich heiraten?“.

Ende der 90er Jahre bin ich ihn eingegangen, den Bund fürs Leben. Ein Freund hatte sich damals gerade getrennt und war auf der Suche nach einem neuen Partner. Ihm alleine war der Spaß einfach zu kostspielig. „Aber ich kann jetzt nicht mehr damit aufhören“, war seine Begründung, und so ließ ich mich überreden. Mein Gott: Ich war jung, naiv, hatte das Geld, und, noch wichtiger: Wollte noch mehr! Etwas später fragten wir dann einen weiteren Freund, ob er sich uns anschließen wollte. In unserer Gier nach Mehr wuchsen wir rasch zum Quartett. Vier junge Männer, die von nun an in einem Bund vereint waren, der sie voraussichtlich für den Rest ihres Lebens aneinander bindet: eine Tippgemeinschaft.



Was damals noch mit ein paar lausigen Mark pro Woche für drei, vier Häuschen auf dem Tippschein für meine Kumpels und mich begann, hat sich im Laufe der Zeit zu einer professionell organisierten Zockerleidenschaft entwickelt. Mit vier Mann hatten wir ausreichend Kohle zusammen, um einen kompletten Schein zu spielen. Mit Super 6, Spiel 77, und allem Pi-Pa-Po. Den dicken Reibach machen, ganz groß absahnen – das ist seither unser gemeinsames Ziel. Und das an jedem verdammten Samstag. Traf man sich früher noch regelmäßig, um das Tippgeld einzusammeln, sorgen längst Daueraufträge dafür, dass die Knete pünktlich beim Tipp-Meister, dem Herrn über den Schein, eintrudelt. Die lausigen Gewinne fließen nach wie vor ins gute, alte Sparschwein und werden alle Jubeljahre mal auf den Kopf gehauen. Einer der wenigen Anlässe, zu denen man sich dann mal trifft, wobei längst nicht mehr jeder mit jedem spricht. Aber deshalb gleich aussteigen? Aus der Tippgemeinschaft? Das kommt nun wirklich für niemanden infrage. Viel zu hoch ist das Risiko, dass die anderen dann just eine Woche später den Jackpot knacken. Und dann fliegen die Säcke mit dem Heli nach Sankt Moritz, um mit Beyoncé Käsefondue zu futtern, oder nach Monaco, wo der Fußpfleger von Prinz Albert noch einen Termin frei hat. Klar, die machen sich dann von ihren Lottomillionen ’nen schönen Lenz und man selbst beißt sich für den Rest seines Lebens in den faltigen Hintern. Das kommt ja wohl überhaupt nicht in die Tüte! Dann lieber Woche für Woche Kohle verheizen, als am Ende noch als größter Depp der Lotto-Welt in die Geschichte einzugehen.

Woody Allen hat ja mal gesagt, die drei schönsten Wörter unsere Sprache seien nicht etwa „Ich liebe Dich“, sondern „Es ist gutartig“. Klar, das ist jetzt wirklich nicht besonders romantisch, aber es ist ja was dran. Ähnlich unromantisch ist es, was den Bund fürs Leben betrifft,  künftig nicht mehr zu fragen: „Willst du mich heiraten?“, sondern „Gründen wir eine Tippgemeinschaft?“. Man sollte sich aber verdammt sicher sein, denn die hält wirklich ein ganzes Leben.