Kolumne: Widerstand mit vier Buchstaben: NEIN!

Kolumne : Widerstand mit vier Buchstaben: NEIN!

Es gibt da diese eine Frage, die, wenn sie gestellt wird, jeden Einkauf mit einem seltsamen Gefühl beendet: „Darf ich bitte Ihre Postleitzahl erfahren?“

Es war der Moment, in dem der Einzelhandel für Sekundenbruchteile in seinen Grundfesten erschüttert wurde. Vier Buchstaben reichten aus, um an einem System zu rütteln, das unbescholtene Kunden seit Jahren terrorisiert und jeden Zahlungsvorgang mit einem leicht unguten Gefühl verwässert. „Nein.“ – Mit dieser Antwort hatte sie nicht gerechnet, die Dame hinter der Kasse. So viel kaltschnäuziger, fast schon anarchistischer Ungehorsam war ihr bis zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht untergekommen. Dabei war es doch nur eine ganz normale Antwort auf die Frage:

„Verraten Sie uns bitte noch ihre Postleitzahl?“ „Nein.“ Ein kurzes Zucken mit dem Mundwinkel, ein leichtes Flackern mit der Augenbraue, ein nervöses Kratzen an der Stirn und ihre ungläubige Gegenfrage „Nein?“ waren deutliche Anzeichen dafür, dass ich soeben gegen mindestens ein Dutzend Marktforschungsgesetze verstoßen hatte. „Nein. Ich hab‘ keine Lust“, lautete meine lapidare Begründung. „Dann tippe ich einfach die 66740 in die Kasse. Irgendwas muss ich ja schließlich angeben“, konterte die Dame, die sich nach diesem mittleren Erdbeben relativ schnell wieder gefangen hatte. „Nur zu. Machen Sie ruhig. Das stimmt zwar nicht, ist mir aber wirklich total egal.“

Mein Entschluss steht fest: Ab sofort leiste ich Widerstand gegen den Marktforschungs-Irrsinn. Ich bin es nämlich leid, jedes Mal, wenn ich mir neue Socken, Duschgel, eine Flasche Asti Spumante oder Filtertüten kaufe, Auskunft über meinen Wohnort oder meine Zufriedenheit mit dem jeweiligen Laden zu geben.

Ich latsche ja auch nicht in die Tanke und frage, ob ich die Telefonnummer der Verkäuferin bekomme und ob ich als Kunde ganz okay bin. Und wenn doch, muss ich damit rechnen, dass ich ein „Nein“ kassiere. Na und?! Ist mir doch egal.