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Kleine Abschiede: Von Ferien, Feiern und dem ersten Kuss

Kleine Abschiede : Von Ferien, Feiern und dem ersten Kuss

Das Robinsondorf, im sogenannten grünen Stadtteil Furpach wunderbar am Waldrand gelegen, bekommt neue Hütten. Der Abriss der alten Häuschen ruft bei der Chronistin Erinnerungen wach. Und irgendwie sind es nur gute.

Das Leben ist Veränderung. Schon klar. Prinzipiell ist das ja gut so. Ohne Veränderung keine Entwicklung und so weiter. Allerdings bedeuten Veränderungen immer — das liegt ja in der Natur der Sache —, dass Vertrautes verschwindet. Das kann natürlich durchaus auch mal sein Gutes haben — was ja viele beispielsweise so empfanden, als im vergangenen Jahr die Keksdose den Blick vom Lübbener Platz zum Stummplatz (und zurück bis zur Bliespromenade)  frei machte. Das kann aber auch einfach traurig stimmen — als beispielsweise das schöne alte Hallenbad abgerissen werden musste, das beliebte und einzigartige Freibad Kasbruch für immer schloss. Oder aber es stimmt melancholisch, macht nachdenklich. Wie gerade, wenn die alten Holzhäuschen am Robinsondorf abgerissen werden. Was hat man da nicht alles erlebt. Vermutlich gibt es keinen Neunkircher, der nicht Erinnerungen an Erlebnisse auf diesem Gelände hat. Wie viele Vereine haben dort nicht ihre Fest gefeiert — im Sommer am großen Grillhäuschen oder im Winter im Aufenthaltsraum.

Mein Hirn jedenfalls quillt schier über vor Erinnerungen. Da gab es die Probentage mit der Kinderkarnevalsgruppe der Eulenspiegel unter Frau Stein. Inklusvie Weihnachtsfeier, bei der ich der Akkordeonistin gar gräulich ins Ohr flötete. Oder als Begleitung der Großeltern bei irgendwelchen Vereinstreffen. Die gewannen Präsentkörbe, die Neunjährige labte sich derweil an Cola und Brezeln. Über die Jahre erlebte ich hier Proben von Musikvereinen, Theater-Proben-Wochenenden, Vereins-Ehrungen, war das Gelände Start und Ziel für Wanderungen.

Und dann erst die Erlebnisse in den Hütten. Mindestens einmal Stadtranderholung, das war für Furpacher Kinder Pflicht. 14 Tage übernachten in den Hütten. Damals noch ohne eigene Toiletten und Duschen — dafür musste man in die gesonderte Hütte am Eingang, war aber nicht soooo schlimm, weil dort in einer benachbarten Hütte immer zwei Betreuer Nachtdienst hatten (die sollen das ganz gerne gemacht haben) — dafür mit vielen Kindern. Immer in Etagenbetten. Ich lieber unten. Dafür segelte dann mehrmals die Oben-Schlafende an mir vorbei, stand unverletzt wieder auf, wusste am nächsten Tag von nix. So geht wohl schlafwandeln. Tage voller Erlebnisse. Gerne brachte man hier auch Kinder und Jugendliche aus den Partnerstädten unter. Was haben wir uns Pfädchen gelaufen, um die knackigen Franzosen zu sehen. Meine damalige Freundin Birgit und ich. Und so kam, was kommen musste: Der erste Kuss. Mit elf. Er zwölf — und ich hatte keine Ahnung, warum der dabei so schleckte. Die Erfahrung hatte jedenfalls erst mal auf ein paar Jahre gereicht.

Schön war’s einfach immer irgendwie im Robinsondorf. Und das Gute ist: Das wird es ja auch bleiben. Denn diese für die Freizeit nicht nur der Neunkircher Jugend einfach unverzichtbare Einrichtung gibt es ja weiter. Lediglich die alten Hütten werden abgerissen, der Saal renoviert. Vom Alten bleiben dann nur noch unendlich viele Erinnerungen. Und die neuen Hütten, die kommen so neu und unverbraucht daher. Sie sind dann bereit, jede Menge neuer Erinnerungen zu bewahren. Von unseren Enkeln und Urenkeln ...