Unsere Woche in der Redaktion Neunkirchen

Kolumne : Und es gibt das „Unwegwerfbare“

Beim Ausmist-Spiel im Umzugsstress ist zu entscheiden: Geht mit, geht nicht mit. Schätze werden dabei eigentlich nie gesucht, aber oft gefunden. Und dann sind da noch die besonderen Schätzchen im Schatz.

Umzüge haben bei allem Stress einen unschätzbaren Vorteil: Ein Umzug ist die perfekte Gelegenheit, endlich mal auszumisten. Alles ins Auge nehmen und entscheiden: Geht mit, geht nicht mit. Bei diesem Ausmist-Spiel werden Schätze eigentlich nie gesucht, aber oft gefunden. Die SZ-Redaktion Neunkirchen weiß, wovon sie schreibt. Am Freitag endeten Monate im Provisorium. Im Dezember 2018 verließ das neunköpfige Team  das Haus Nummer 50 in der Bahnhofstraße. Im Nachbarhaus Nummer 48 gab es Unterschlupf, früher als eigentlich vereinbart. Deshalb als Neumieter noch mit den Altmietern vorübergehend zusammen auf der Etage. Das Wichtigste ging mit in die 48, der Rest blieb erstmal in der 50 liegen. Jetzt haben wir unsere endgültigen Räume als Alleinmieter. Und wir kehren nach der Zeit des Improvisierens wieder ins gewohnte, geordnete Chaos zurück.

Zwischenzeitlich war aber  zu entscheiden, was aus dem alten Domizil mit ins neue gehen sollte. Und das Ausmist-Spiel „Geht mit, geht nicht mit“ begann. Es offenbarte sich: Da schlummert „Unwegwerfbares“. Ein Umzugskarton (es wurden schließlich mehrere) funktionierte flugs als Schatzkiste. Darin fanden ihr Plätzchen auch hunderte Fotos aus alten Zeiten. Da steht beispielsweise auf einem Bild lässig der heutige Ministerpräsident und Münchwieser Bub Tobias Hans als 21 Jahre junger Student am Mikrofon, die Hände entschlossen in die Seiten gestemmt. Jeans, schwarzes Hemd, der oberste Knopf offen. Weitere Foto-Funde zeigen Kolleginnen in ihrer jugendlichen Blüte (und die Frisuren!).  Nein, kaum gealtert. Gab Lacher. In der Schatzkiste landeten auch zwei in die Jahre gekommene Bierflaschen der Schlossbrauerei (leer). Und ganz stolz sind die Finder-Redakteure auf ein altes Haltestellen-Schild der „Neunkircher Strassenbahn A.G.“ mit dem Hinweis „Zahlgrenze“. Ein besonderes Schätzchen im Schatz. Es bekommt einen Ehrenplatz im neuen Redaktions-Zuhause.

Ganz ehrlich: Wenn man nur diesen Schwung des Ausmistens jetzt auch privat aufbringen könnte. Da sammelt sich über die Jahre so viel an. Und so viel, was man niemals, wirklich niemals mehr brauchen wird. Andererseits verschwindet auch, was das Wiederentdecken lohnen könnte. Aber deswegen jedes Jahr umziehen? Eine Bekannte hat berichtet, sie habe für den Umzug auch ihre Kleidung mit Anprobe sortiert: Was passte, durfte mit. Was nicht passte, kam weg. Unter Letzterem auch, sagte sie mit einem Tränchen, eine einst hautenge Lederhose. Gnadenlose Auslese.