Kultur und Kinder, schwieriges Thema, findet unser Kolumnist,

Kolumne : Ein Zombie hing im Apfelmus

Nicht mehr lange. Noch ein paar Tage. Dann wissen wir endlich, wie es weitergeht. Werden die Apfelmännchen die Zwillinge zum Fest schmuggeln? Und wem wird der goldene Hexenzopf verliehen? Sie wissen natürlich längst, wovon ich rede: von „Hexenfest und Waldgeflüster“, dem siebten Teil der Reihe um die kleine Hexe Petronella Apfelmus.

Erscheint Ende September. Endlich. Ich kann es kaum erwarten... Okay, zugegeben, ich rede mir das ein wenig schön. Es gab Zeiten, da standen weder Petronella Apfelmus noch Flora Flitzebesen in meinem Bücherregal. Aber dafür war alles, was da drin stand, wenigstens gelesen. Seit die Kinder ihr Interesse an Büchern entdeckt haben, wird zwar auch gelesen, aber anderes Zeug halt. Man vergräbt sich nicht mehr in den Sessel und schleppt mit Frank Schulz „Kolks blonde Bräute“ ab oder besucht mit Kurt Vonnegut den „Schlachthof 5“. Heute fliegt man mit Flora Flitzebesen übers Grasdach-Viertel und purzelt mit Petronella Apfelmus über die Streuobstwiese. Und zwar für Publikum, das von diesen Abenteuern nicht genug kriegen kann. Dass derweil die Biografien von Bruce Springsteen, Keith Richards und Brian Wilson ebenso im Turm der ungelesenen Bücher verstauben wie Neues von Heinz Strunk, Martin Sonneborn und Bret Easton Ellis, ist den Kindern total egal. Es gab Zeiten, da hab ich ’ne Schleimbeutelentzündung an den Stimmbändern vorgetäuscht, um mit niemandem reden zu müssen, wenn ein neues Buch eines Lieblingsautors erschien. Und jetzt? Um diesen Turm jemals abzuarbeiten, muss ich 170 Jahre alt werden. Mindestens.

Kinder und Kultur – das ist so eine Sache. Pfiff man sich sonst mal Horrorfilme à la „Ein Zombie hing am Glockenseil“ rein, hängt heute höchstens Feuerwehrmann Sam am Helikopter-Seil seines Kumpels Tom Thomas, um Norman Price mal wieder aus der Patsche zu helfen. Von Musik will ich gar nicht erst anfangen, schließlich laufen im Auto ja eh nur noch „Partyhits für Kids“ und „Anne Kaffeekanne“. Und zu Hause eigentlich auch. Aber was jammer ich rum? Noch acht, neun Jahre, dann wird sich das heimische Kulturprogramm auch wieder einpendeln. Bis dahin heißt es eben „Hexenfest und Waldgeflüster“. Ich kann es kaum erwarten.