Kolumne zur letzten Plastiktüte aus dem vorigen Jahrzehnt

Kolumne „Ach was“ : Häkelnd das Klima retten

Das schier Unvorstellbare ist zum Ende des Jahrzehnts tatsächlich Realität geworden: Unser stattlicher Vorrat an Plastiktüten ist aufgebraucht, nix mehr da, Ende Gelände. Die allerallerletzte Plastiktüte, wie alle anderen Exemplare sorgfältig geglättet und Platz sparend gefaltet, wurde aus den Tiefen der Kücheneckbank hervorgeholt, mit dem etwas üppigeren Weihnachtsmüll gefüllt und in die Tonne geworfen.

Die Werbeaufschrift „Sinn“ zeugt davon, dass sie wirklich schon sehr, sehr lange in der Eckbank auf ihren Recycling-Einsatz gewartet hat. Ende Februar 2009 hatte die deutsche Modefirma ihre drei saarländischen Filialen in Neunkirchen, St. Ingbert und Saarbrücken geschlossen. In der quietschbunten Tüte wurde vermutlich ein kurzer Jeansrock mit schwarzer Leggings, eine ultraknappe Hüfthose, eine klitzekleine Karoweste oder ein klobiger Hüftgürtel nach Hause transportiert. Eben alles, was vor zehn Jahren modetechnisch „total cool“ war. Sorry, ich schweife ab.

Ja, die gute alte Plastiktüte ist in Zeiten von Klimawandel und Schülerprotesten ein absolutes No-Go geworden. Wer umweltbewusst einkauft, denkt daran, vorher mindestens eine Stofftasche in den Mantel zu stopfen. Auch von denen hat sich über die Jahre bereits ein stattlicher Vorrat angesammelt (dekorativ an der Türklinke hängend). Darunter auch die schwarze Stofftasche, mit der die Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen vor ein paar Jahren einen Wettbewerb des Stadtteilbüros gewonnen hat. „Weg mit dem Plastik, aber hastik“ prangt in weißen Lettern auf dem schwarzen Stoff. Nun ja, der Reim ist vielleicht noch verbesserungswürdig.

Total retro, aber eigentlich ziemlich „lit“ (das frühere „cool“) ist die Einkaufstasche, die eine gute Freundin zu Weihnachten verschenkt hat. Selbst gemacht! Hunderte, ach was, Tausende von Stäbchen hat sie in den vergangenen Monaten Abend für Abend gehäkelt, bis die praktischen Einkaufsnetze in bunten Farben wie zu Omas Zeiten entstanden sind. Super praktisch, weil Äpfel, Salat und Co. Luft abbekommen. Als kleines Knäuel lässt sich der Beutel leicht mitnehmen, und vollbepackt passt weit mehr in den nützlichen kleinen Helfer, als man denkt.

Jungmann Heike. Foto: SZ/Robby Lorenz

Also, der Abschied von der Plastiktüte fällt doch gar nicht so schwer. Nur was verstauen wir jetzt in der Kücheneckbank?