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Kolumne zu Schlagern und dem Merken von Dingen

Kolumne Apropos : Mein Gehirn ist Schlagerfan

Es ist schon erstaunlich, was sich ein Hirn zu behalten beschließt.

Am Sonntag war ich im Theater. In Kaiserslautern. Ein Schlagerabend rund um den deutschen Komponisten Werner Richard Heymann. Kennen Sie nicht? Doch kennen Sie. Oder wenn nicht ihn – was im Übrigen auch nicht mehr geht, weil er bereits 1961 gestorben ist – so dann mit Sicherheit die ein oder andere seiner Filmmusiken oder auch die dazugehörenden Filme. Im übrigen soll das angeblich immer sein Vorstellungssatz gewesen sein, wenn er neue Leute traf: „Sie kennen mich nicht, aber Sie haben schon viel von mir gehört.“ – „Das gibt’s nur einmal“ beispielsweise. Oder: „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“. Oder gar: „Ein Freund, ein guter Freund“. Nicht? Na ja, dann merken Sie sich sicher andere Dinge. Wichtigere. Ich tue das offenbar nicht. Obwohl ich, wenn auch nicht mehr so taufrisch, weit davon entfernt bin, in den 30er- bis 50er-Jahren ins Kino gegangen zu sein. Da war selbst ich noch nicht geboren. Nun ja, fast nicht. . . Aber kommen wir zum Punkt. (Fast) alle diese Lieder hätte ich mitsingen können, ohne allzu große textliche Hänger zu haben. Alle 14. Wirklich und ungelogen. Jetzt frage ich mich – auch wenn es ein wunderbar unterhaltsamer Abend war – was denkt sich mein Hirn dabei? Aus welcher verborgenen Schublade hat es die denn hervor gekramt? Hat es sonst wirklich keine Interessen? Habe ich etwa nach ein bis zwei Mal Filmgucken in der Kindheit (da flimmerten gerne mal alte Schwarz-Weiß-Filme über die Mattscheibe) das alles behalten? Ich, die sich monatelang gequält hat, auch nur ansatzweise die Oberstufen-Mathematik zu verstehen? Warum, um Himmels Willen, so frage ich? Gibt es denn nichts Wichtigeres? Wie man Zopfmuster strickt beispielsweise oder leckere Schneebällchen macht? Wo sind alle die Lateinvokabeln, wo das Periodensystem oder gar die größten Flüsse dieser Erde hin? Tatsache ist: Ich weiß es nicht. Aber es wird sicher eine Antwort geben: „Irgendwo, irgendwie, irgendwann“.