Kolumne : Eine Frage des Respekts

Respekt. Den hat Aretha Franklin Ende der 60er Jahre für sich eingefordert und damit eine Hymne für die gesamte afroamerikanischen US-Bevölkerung geschaffen. Eine Hymne gegen Diskriminierung, gegen Rassismus, gegen Unterdrückung.

Eine Hymne, die bis heute als solche wahr genommen wird. Als der Illinger Bürgermeister Armin König sich Mitte der Woche zu Wort meldete und den Umgang mit homosexuellen, bisexuellen und transsexuellen Menschen in Polen als Skandal bezeichnete, war auch das ein Zeichen des Respekts. In Südpolen brüsten sich etliche Kommunen damit, dass lesbische, schwule, bisexuelle und transsexuelle Menschen bei ihnen nicht erwünscht sind. Darunter die Illinger Partnerstadt Tuchow. Sollte diese nicht von seiner Haltung abrücken, will König – mit Zustimmung des Gemeinderates – diese Partnerschaft aufheben. Auch das wäre ein Zeichen des Respekts. Nun gilt König nicht gerade als Leisetreter, und so verwundert es kaum, dass man sich in diesem Zusammenhang an seine Aussage aus dem Jahr 2001 erinnerte. „Trauungszeremonien wird es für Schwule und Lesben in Illingen nicht geben. Wer schwule Folklore will, soll nach Saarbrücken gehen.“ Eine widerliche Aussage, keine Frage. Und das Gegenteil von Respekt. Wer aber Königs Haltung in den letzten Jahren verfolgt – und dazu bietet er auf Facebook reichlich Gelegenheit –, wird kaum glauben, dass er vor 20 Jahren so etwas von sich gegeben hat. Dort äußert er sich immer weltoffen, zeigt Kanten gegen Rassismus, Faschismus, Diskriminierung und andere Ungerechtigkeiten. „Ich kann nicht ungeschehen machen, was ich 2001 gesagt und geschrieben habe“, hat König nun dazu erklärt und spricht von einem „kapitalen Fehler“, einer „schlimmen Fehlleistung“, die ihn aber in seiner Weltanschauung, seiner Bereitschaft, für Fehler einzustehen, zum Positiven verändert habe. Dass seine Fehler von damals nun wieder aufs Tableaus kämen, sei legitim. Das sei sein Los als öffentliche Person. „Fehler sind menschlich. Man kann sie korrigieren“, schreibt er. Er steht zu seinem Fehler von damals und hat ihn korrigiert. Respekt. Nun leben wir in Zeiten, in denen derart viele Politiker derart widerliche Aussagen machen, dass der einzelne kaum noch auffällt. Aber wer weiß, vielleicht werden sie in 20 Jahren damit konfrontiert, wenn sie sich längst dafür entschuldigt haben und man auch ihnen wieder begegnet mit: Respekt.