Kolumne : Von Kugelfischen und Quantenphysik

Es gibt da diese eine Frage, bei der sich unserem Autor die Zehennägel krümmen wie Bananen in der Sonne Costa Ricas. Sie lautet...

Wissen Sie, was ich meine? Natürlich nicht. Wie auch? Ich habe ja noch nichts gesagt. Aber es ist eben diese Frage, beziehungsweise Nachfrage, die sich ganz langsam in den täglichen Sprachgebrauch eingeschlichen hat. Immer, oder sagen wir mal ganz oft, wenn irgendwer einem irgendwas erzählt, was dessen Meinung nach von großer Wichtigkeit ist, heißt es gleich im Anschluss: „Weißte, wie ich meine?“ Gepaart mit großen Augen und eindringlichem Blick des Fragenden, der selbstverständlich erwartet, dass sein Gegenüber bekundet: „Ich weiß, was du meinst.“ Oder besser noch: „Ich weiß ganz genau, was du meinst.“

Nun lasse ich es mir ja gefallen, dass ein, sagen wir mal Professor der Quantenphysik, der, im Thema versunken, in schillernden Worten vom Einfluss der Higgs-Teilchen, Bosonen, Quarks, Neutrinos und Strings auf den Kosmos berichtet, irgendwann mal die Frage stellt: „Wissen Sie, was ich meine?“ In meinem Fall würde die Antwort keineswegs lauten: „Ich weiß ganz genau, was Sie meinen.“ Sondern eher: „Nein. Tut mit leid. Überhaupt keinen Schimmer.“

Nutzen würde ich die Vortragspause für den Versuch eines Themenwechsels und ganz schnell etwas von mir geben wie: „Mensch, die Bayern. Der Flick und alles. Ob das was wird?“ Verkneifen würde ich mir die Floskel: „Wissen Sie, was ich meine?“

Denn bei derart simplen, alles andere als komplexen Themen, braucht es die nun wirklich nicht. Leider verhält es sich aber in der Sache wie folgt: je simpler, desto weißte. Heißt: Je leichter das Gesagte zu verstehen ist, desto öfter kommt die Nachfrage.

Beispiel: „Ich war am Freida zwä Mol uff da Plandaasch. Moins unn omends. Unn jedes mol hat’s geräänt wie die Wutz. Wääsche, wie ich menn?“ Sie merken schon. Hier gibt es nichts, was man auch nur im Ansatz nicht verstehen könnte. Aber klar: Diese Frage wird ja nicht aus Bosheit gestellt oder so. Sie wird gestellt, weil irgendwann mal irgendwer damit anfing, ein anderer das aufgeschnappt hat, total super fand, unbedingt nachahmen musste, und so kam noch einer dazu und noch einer und so weiter und so fort. Und weil es sich längst nicht mehr aufhalten lässt und es ja nun wahrlich Schlimmeres gibt, kann es mir ja eigentlich auch egal sein.

Ich meine, Sprache ist nun mal so lebendig wie ein junger Weißflecken-Kugelfisch, der in den Seegraswiesen des Indischen Ozeans nach Schnecken sucht. Wissen Sie, was ich meine?