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Kolumne: Ach was?!: Kleine Zeitreise dank eines Billets

Kolumne: Ach was?! : Kleine Zeitreise dank eines Billets

Besucher des Freibades Heinitz sollten mal genauer auf ihre Tageskarte schauen. Es erwartet sie eine kleine Überraschung.

In allzu reichlichem Maße und ohne entsprechenden Nutzen leichtsinnig ausgeben, verbrauchen, gebrauchen. So wird das Wort „verschwenden“ im Duden umschrieben. Verschwenderisch gehen wir mit vielem um. Mit der Zeit, mit Geld, aber vor allem mit den Ressourcen unserer Erde. Dass diese endlich sind, wollen wir nicht wahrhaben. Geht etwas kaputt, wird es nicht repariert, sondern neu gekauft. Hat etwas scheinbar seinen Nutzen verloren, wird es weggeworfen.

Jeweils im Herbst veröffentlicht der Bund der Steuerzahler das Schwarzbuch „Die öffentliche Verschwendung“. Darin erhebt der Verein regelmäßig den Vorwurf, dass die öffentliche Hand jährlich viele Milliarden Euro an Steuergeldern zum Fenster hinauswirft. Auch in unserem Dorf, in unserer Stadt kommt es vor, dass mit dem Geld der Bürger nicht achtsam umgegangen wird. Dass nicht gespart wird, wo man es ohne großen Aufwand könnte.

 Die ursprünglich fürs Kasbruchbad gedruckte Tageskarte gilt nun im Freibad Heinitz.
Die ursprünglich fürs Kasbruchbad gedruckte Tageskarte gilt nun im Freibad Heinitz. Foto: Heike Jungmann

Doch halt, es gibt auch positive Beispiele. Eines fiel mir dieser Tage beim Besuch des Freibades Heinitz buchstäblich in die Hände. Die Schwimmmeisterin, die aufgrund der sympathischen Überschaubarkeit von Areal und Gästen auch die Kasse übernimmt, drückte mir nach dem Bezahlen der 2,50 Euro Eintritt eine grüne „Tageskarte für Erwachsene“ in die Hand. Als Fußnote steht das Übliche: „Benutzung gemäß Badeordnung. Beim Verlassen des Bades verliert diese Karte ihre Gültigkeit.“ Nichts Ungewöhnliches also. Interessant ist das, was darüber steht. Kreisstadt Neunkirchen und – jetzt kommt’s: Freibad Kasbruch. Ja genau, die Eintrittskarte mit der Nummer 045346 stammt aus einer Rolle, die vor vielen Jahren für das Freibad Kasbruch gedruckt worden ist. Bekanntlich wurde dieses am 16. September 2009 geschlossen. Über 80 Jahre hatte es im idyllischen Wiesengrund in Furpach den Freischwimmern eine Heimstatt geboten. Wegen seiner Lage im Wasserschutzgebiet wurde es vor neun Jahren endgültig geschlossen, das Tal der Natur zurück gegeben. Die Eintrittskarten wurden aber offensichtlich nicht vernichtet, sie tun jetzt im Freibad Heinitz noch gute Dienste. Die Abreißkarten wurden übrigens von „Billet Fuss“ in 68775 Ketsch gedruckt. Auch diese Firma in dem Dörfchen im Rhein-Neckar-Kreis ist Geschichte. Der Firmeneintrag ist am 20. Januar 2012 erloschen.

Wie viele Tageskarten vom Kasbruchbad übrig sind und wie lange diese noch in Heinitz ausgegeben werden können, entzieht sich meiner Kenntnis. Sicher sind es auch keine Millionen, die dadurch gespart werden. Aber wer den Pfennig (Cent) nicht ehrt . . .