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Kolumne
Klamottenkauf im Outdoor-Wahn

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Von Marc Prams

Die Flip-Flops sind eingemottet, die Bermuda-Shorts im Schrank nach hinten gerutscht – der Herbst kann kommen, der Winter auch. Ein schnöder Winter? Klamottentechnisch sind wir längst auf die nächste Eiszeit eingestellt. Lange Unterbuxen und ‚ne Bommelmütze waren gestern. Heute ist Outdoor-Kleidung angesagt. Mit Texapore-Softshell, doppelt versiegelter Fleecekapuze, Seitenaufprallschutz und lauter so Zeugs. Quasi mit allem. Außer Tiernahrung. Beworben werden die Klamotten mit Bildern von Menschen, die den Mount Everest auf Händen hochlatschen oder mit dem Schlauchboot über die Beringsee paddeln. Klar, die brauchen solche Spezial-Textilien. Da isses ja auch saukalt. Aber die Werbung hat es geschafft, dass sich auch Städter für den Weg vom Parkplatz zum Supermarkt anziehen wie Reinhold Messner, wenn er mit dem Yeti Halma am Kilimandscharo spielt. Jubeln die Outdoor-Marketing-Fuzzis uns urbanen Outdoor-Parkern demnächst allerdings auch noch Skier als „modisches Muss“ unter, die wir uns dann auf dem Weg zum Supermarkt unter die Füße schnallen, wird der Outdoor-Wahnsinn vollends bekloppt. Sogar noch bekloppter als eine Partie Halma mit dem Yeti.