Unsere Woche: Keine Gnade für den Gasometer

Unsere Woche : Keine Gnade für den Gasometer

Der Neunkircher Gasometer hat knapp fünf Jahrzehnte seine Dienste getan. Seine Tage sind nun gezählt.

Der Neunkircher Gasometer ist offenkundig nicht zu retten. Mit dem Schriftzug „Neunkircher Stahl“ hat er Denkmal-Charakter, erinnert an die alten Zeiten der Stadt, als Kohle und Stahl alles dominierten. Diese Zeiten sind vorbei. Den Dreck von damals wünscht sich sicher auch niemand zurück. Der Gasometer ist ein Wahrzeichen, ohne Frage, aber Industriekultur hat Neunkirchen reichlich zu bieten, zum Beispiel das Gebläsehalle-Areal. Unter denen, die sich für den Erhalt des Gasometers stark machen, wird jetzt die mangelhafte Transparenz im Entscheidungsprozess gerügt. Man muss kein Prophet sein, um sagen zu können: Großes Aufhebens wollte um das Schicksal des Turms wohl niemand machen. Globus möchte in der Stadt bauen. Nachdem es in der Betzenhölle nicht geklappt hat, und jetzt eine kleinere Version des Warenhauses geplant ist, haben die Verantwortlichen keine Lust, sich quasi neben den Turm zu quetschen. Das Unternehmen Saarstahl, dem Areal und Turm gehören, kommt die Entwicklung recht. Sie wollen die 1970 in Betrieb genommene Anlage, die Gas für Prozesswärme im Werk bereitstellt, in Rente schicken. Die Stadt wiederum will das Warenhaus Globus ansiedeln.

Saarstahl und Globus haben in der Angelegenheit nicht viel gesagt. Das Neunkircher Rathaus hätte unterm Strich auch besser weniger gesagt, dafür aber das Entscheidende frühzeitig: Der Turm muss weg, damit Globus kommt. Und das wollen wir so haben. Alles andere, alle zusammengetragenen Argumente (kein Denkmalschutz, Risiko-Bauwerk, Privatbesitz) wirken in der Not nachgeschoben, auch die SPD-Info-Veranstaltung unter der Woche macht’s nicht besser.

Wenn nicht „Neunkircher Stahl“ an dem Turm stünde – auch das wurde schon geäußert – würde womöglich kaum jemand zucken angesichts des Abrisses. Dann wäre es optisch eine riesen Blechdose, die weg kann. Und auch bald weg sein wird.

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