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Kolumne
Doppelkopf in feschen Slippern

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Vieles im Leben lässt sich ja erlernen. Mit Messer und Gabel essen, beispielsweise. Auch beherrschen es die meisten – nicht alle – jenes Essen dann mit geschlossenem Mund zu kauen. Learnig by doing.

Oder so profanes Zeug wie niemals mit offenem Fenster durch die Waschanlage zu fahren oder mit offenem Hosenlatz eine Bühne zu betreten – das macht man ganz genau ein Mal und kapiert recht schnell, wo, sagen wir mal, Verbesserungspotenzial liegt. Aus Fehlern lernen. Selbst richtig abgefahrenes Zeug wie Quantenphysik, Einradfahren, Operationen am Gesäßmuskel, Doppelkopf, Steuerrecht, Jonglieren mit drei Flummis, Bairisch, auf zwei Fingern pfeifen und, und, und – kann man alles lernen. Es gibt aber leider Dinge, die kriegt man einfach nicht auf die Reihe. Kann man machen, was man will. Es ist mit den Gegebenheiten der menschlichen Anatomie beispielsweise unmöglich, einen Anstieg flotten Schrittes hoch zu marschieren und dabei auch nur halbwegs elegant auszusehen. Gelingt niemandem. Achten Sie mal drauf. Auch ist es absolut nicht machbar, sich derzeit richtig anzuziehen. Jetzt beginnt nämlich die Zeit, in der man immer falsch angezogen ist. Immer. Ist man morgens beim Gang zum Briefkasten noch froh über die dicke Weste, stöhnt man zwei Stunden später schon ob der Hitze, die unterm langarmigen Flanellhemd schier unerträglich wird. Lässt man sich aber am Nachmittag von der Sonne blenden und entscheidet sich für fesche Slipper samt Beinfreiheit, verlässt man die Gartenparty spätestens um halb zehn mit Gefrierbrand an den Oberschenkeln und Füßen, die frühestens im Juni 2019 wieder warm werden. Daher mein Rat:


Fröstelt es

am frühen Morgen,



schnell ein kurzes

Hemd besorgen,

wärmt die Sonne

noch um fünf,

langes Beinkleid,

warme Strümpf.