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Im Neunkircher Stadtrat hat sich OB Fried einen Ausfall gegen die Andrea Neumann geleistet

Wochen-Kolumne : Manchmal hilft Achtsamkeit

In seiner Ansprache beim Neujahrsempfang hatte OB Fried zur Achtsamkeit aufgerufen. Das sollte auch für ihn und seine Äußerungen im Stadtrat gelten.

Die Neunkircher Verwaltungsspitze hat sich diese Woche ganz schön vergaloppiert. In der Diskussion um eine neue Kita haben weder Ton noch Timing gestimmt. Klar, die Stadt Neunkirchen braucht mehr Krippen- und Kindergartenplätze. Das Thema duldet keinen Aufschub, Eltern haben einen gesetzlichen Anspruch. Neunkirchen wirbt zudem mit dem Siegel „Familiengerechte Kommune“. Das Zertifikat hat sie 2014 erworben und will es behalten. Deshalb ist der Kita-Neubau, um den es diese Woche im Stadtrat ging, notwendig und richtig. Schwieriger ist die Frage, wo er denn am besten stehen könnte. Der von der Verwaltung präferierte Standort im Stadtpark findet nicht überall Beifall. Die Bedenken haben Mitglieder des Stadtrats in der Sitzung am Mittwoch gespiegelt. Normaler Vorgang. Oberbürgermeister Jürgen Fried (SPD), der in seiner Neujahrsrede für Achtsamkeit warb, brachte das aber aus dem Gleichgewicht. Dass er CDU-Fraktionschef Karl Albert unterstellte, das Thema fürs Schaulaufen zu missbrauchen – Schwamm drüber. Albert ist ein kommunalpolitischer Haudegen und kann das wegstecken. Frieds Äußerung in Richtung von Andrea Neumann (Linke) geht hingegen gar nicht. Ihren Einwand, den Anliegern am geplanten Standort werde schon heute viel zugemutet, konterte Fried mit der Bemerkung, ob Frau Neumann Kinder womöglich als Zumutung betrachte. Und er verkniff sich die Frage nicht, ob sie selbst Kinder habe. Hätte er das auch ein männliches Mitglied des Stadtrates gefragt? Klar, Kinder, Frauen-Thema. Fünf Euro in die Chauvi-Kasse. Und mal ganz abgesehen davon, ob es von gutem Stil zeugt, eine Frau nach ihrem Geburten-Status zu fragen, sachlich war der Einwurf auch nicht. Denn ob die Kommunalpolitikerin einen ganzen Stall Kinder oder gar keines hat, ändert nichts an ihrer Aufgabe, die Interessen der Bürger zu vertreten und sich entsprechend zu äußern. Mehr Achtsamkeit in der Entgegnung hätte geholfen.

Zudem, erläuterte die CDU, gab es im Rundfunk schon vor der Sitzung eine Einlassung der Rathausspitze zum Kita-Bau. Unklug, wenn der Rat kurz vor der entscheidenden Beratung steht.