Friday for Future in Neunkirchen

Kolumne : Junge Menschen mit Haltung

Jungen Leuten wird ja gerne unterstellt, es mangele ihnen an Engagement, an Einsatz. Ist natürlich nicht so. Sie gehen zum Beispiel auf die Straße und tun etwas für die Umwelt. Wie am vergangenen Wochenende, an dem 2000 Menschen im Kreis unterwegs waren, um den Dreck von anderen wegzuräumen.

Darunter viele Kinder und Jugendliche. Und das, obwohl sie dabei nicht mal die Schule schwänzen konnten. Denn genau das wird den Schülern vorgeworfen, die schon seit Monaten an Freitagen auf die Straße gehen und demonstrieren, für eine Klimapolitik mit Weitblick und Verstand. Schulschwänzer? Junge Leute, die die Schnauze voll haben von gestriger Umweltpolitik, die ihnen im wahrsten Sinne des Wortes auf kurz oder lang den Atem abschnürt, sollen Schulschwänzer sein? Schulschwänzer, weil sie drei, vier Unterrichtsstunden verpassen, in denen sie nicht etwa im Café hocken und Selfies von sich beim Wegpusten der Schaumkrone auf ihrem Chai-Latte posten, sondern auf der Straße für ihre Zukunft demonstrieren? Was für ein Quatsch. Jeder Spötter, der oberlehrerhaft mit dem Zeigefinger droht, sollte jedem Schüler Ansporn sein, sich nicht verbiegen zu lassen, sondern weiter für die gute Sache aufzustehen. Das wird sicher nicht dazu führen, dass sie keinen Dreisatz lernen, im Studium abschmieren und in der Gosse landen. Sondern viel mehr, dass sie etwas bewegen, zum Guten verändern und merken, wie viel besser es ist, aufrecht und mit Haltung durchs Leben zu gehen, als gebückt. Das hat Bettina Wegner schon vor 40 Jahren gedichtet:

Grade klare Menschen wär‘n ein schönes Ziel.
Leute ohne Rückgrat hab‘n wir schon zu viel!

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